In Kitzbühel gibt es jetzt einen Toni-Sailer-Platz. Wie geht unsere Gesellschaft mit Vorwürfen sexualisierter Gewalt um?
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Am Anfang dieser B-Seite muss eine Triggerwarnung stehen. Wenn dir sexualisierte Gewalt angetan worden ist, dann könnte dieser Beitrag für dich retraumatisierend sein.
Am 17. November ist in Kitzbühel der Toni-Sailer-Platz eröffnet worden. An dem Tag, an dem der österreichische ehemalige Skifahrer seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte. Die Idee kam von Sailers Sohn, der Gemeinderat war einstimmig dafür. Auf der Website von Ski Austria wird von einer „würdevollen Zeremonie“ geschrieben. Toni Sailer gilt vielen immer noch als Legende: der Schwarze Blitz von Kitz, mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister, einer, den die Öffentlichkeit geliebt hat und der österreichische Sportgeschichte geschrieben hat.
Das könnte man jetzt so stehen lassen, wenn es nicht Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn gäbe, die längst bekannt sind. In der Süddeutschen Zeitung schreibt Sportjournalist Claudio Catuogno anlässlich der Platz-Eröffnung in Kitzbühel: Österreich regt sich gerne auf – bloß nicht über sexuelle Gewalt.
Toni Sailer war kein Einzelfall, sondern Teil eines Systems im Österreichischen Skiverband (ÖSV). Das hat 2018 eine Expertenkommission im Auftrag des Landes Tirol festgestellt. Ins Rollen gebracht hat alles vor acht Jahren die ehemalige Skifahrerin Nicola Werdenigg. Sie hat öffentlich gemacht, dass es in den 70er-Jahren im österreichischen Skisport weitverbreitet sexualisierte Gewalt gegeben hat – und dass auch sie selbst betroffen ist. Trainer, Betreuer, Kollegen, Serviceleute – ganz verschiedene Personen sollen Täter gewesen sein.
Seitdem melden sich bei Werdenigg immer wieder Betroffene sexualisierter Gewalt. Sie hat 2018 den Verein #WeTogether gegründet, mit dem sie sich für die Prävention von Machtmissbrauch im Sport einsetzt – aber auch darüber hinaus. Und sie ist heute zu mir ins Studio gekommen.
Wie siehst du den Umgang unserer Gesellschaft mit sexualisierter Gewalt? Ich freue mich auf deinen Beitrag und bitte um eine kontruktive und respektvolle Diskussion.
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Pia Miller-Aichholz