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Bei McDonald’s sitzen drei Mädchen eng beieinander an einem Tisch. Vor ihnen liegt nichts: kein Burger, kein Getränk, nicht einmal ein zerknüllter Kassenzettel. Und doch sind sie da. „Wir haben einfach das Günstigste genommen, so können wir im Mci sitzen, weil draußen kalt ist“, sagt die 16-jährige Schülerin Marianna.
Es ist kurz nach zwölf Uhr mittags in Wien Mitte, und draußen herrschen seit Tagen Minustemperaturen. Das Bestellte liegt längst nicht mehr auf dem Tisch. Neben Marianna sitzen ihre Freundinnen Lea und Vicky. Alle drei gehen in dieselbe Schule, die Stubenbastei, nur ein paar Gehminuten von der Station entfernt. Im Winter wird es schwierig mit Treffpunkten, sagen sie. Orte, an denen man bleiben kann, ohne viel Geld auszugeben, sind selten. Wo sie sich sonst noch treffen? „Wir müssen dann jemanden finden, der Sturm hat, dann können wir bei jemandem zu Hause chillen. Weil sonst ist es halt arsch, draußen zu sitzen, wenn es kalt ist. Und im Mci, wenn wir so viele Leute sind, ist es auch nicht so bequem“, sagt Marianna.
Einfach ist das nicht. Vor allem, weil sie auch Zeit miteinander verbringen wollen, ohne Eltern, ohne Aufsicht. Cafés oder Restaurants kommen kaum infrage. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie es sich nicht leisten können. „Also in einem schönen Café haben wir uns eigentlich noch nie getroffen, weil wir uns entschieden haben, keine sechs Euro für einen Kakao auszugeben“, sagt Lea. „Ja, eh“, stimmt Marianna zu. Vicky nickt. Im Sommer sei es wesentlich leichter, sich zu treffen. Da gehen sie meistens in den Stadtpark. Was ihnen fehlt, sind Treffpunkte im Winter. „Wo es eben warm ist“, sagt Lea. „Und wir nicht so viel Geld ausgeben müssen“, ergänzt Marianna.
In Wien wird es für Jugendliche immer schwieriger, konsumfreie Orte zu finden, an denen sie ihre Freizeit verbringen können. Immer mehr Bars, Cafés, Einkaufsläden und Standl nehmen den öffentlichen Raum ein. Freizeitaktivitäten sind besonders im Winter eine Budgetfrage. Dabei gibt es konsumfreie Räume, die von Jugendzentren angeboten werden. Dort können Kinder und Jugendliche Hobbys wie Sport, Musik oder Tanz kostenfrei nachgehen. „Das wussten wir nicht einmal“, sagen Marianna und Lea fast synchron.
Jetzt, wo sie es wissen, würden sie hingehen.

Ein kurzer Abschied, dann die Rolltreppen hinunter und hinein in die S-Bahn Richtung Floridsdorf. Dort befindet sich die Zentrale des Vereins Wiener Jugendzentren. Die pädagogische Bereichsleiterin Merivan Kar arbeitet seit mehreren Jahren mit Jugendlichen. „Wir sind eigentlich überall dort, wo die Jugendlichen ihre Freizeit verbringen, ob jetzt in Real Life oder digital. Wir setzen Angebote, sind Ansprechpartner und Partnerinnen und für Jugendliche da“, sagt Kar.
In Wien leben 345.000 Minderjährige. Laut Kar verbringen sie ihre Freizeit vor allem im öffentlichen Raum: in Parks, in Einkaufszentren oder in Einrichtungen der offenen Jugendarbeit. Die Stadt habe sich in den letzten Jahren verändert.
„Es sind einfach viele Flächen zugebaut. Dann folgt ein Kaffeehaus. Bänke werden abgebaut, Sitzgelegenheiten ungemütlich gestaltet. Das ist bestimmt kein Zufall. Es gibt wenig Raum, den man einfach so nutzen kann, ohne davor etwas zu kaufen. Das hat definitiv zugenommen“, sagt Kar.
Auf konsumfreie Räume sind vor allem armutsgefährdete Kinder und Jugendliche angewiesen. Laut Volkshilfe betrifft das rund ein Fünftel der Minderjährigen in Österreich. Menschen mit weniger finanziellen Ressourcen seien besonders stark von den Teuerungen betroffen.
„Die Jugendlichen spüren das natürlich ganz stark, dass sie halt nicht so teilhaben können wie andere. Eltern, die sich den Skikurs für die Kinder nicht leisten können oder sich zweimal überlegen müssen, ob sie die Heizung aufdrehen oder ob es etwas Warmes zu essen gibt“, sagt Kar.
Es ist nicht nur der Skikurs, der Kindern und Jugendlichen dadurch entgeht, sondern auch einfache gemeinsame Freizeitaktivitäten, etwa ins Caféhaus zu gehen und stundenlang an einem Sodazitron zu nippen. Selbst ein Sodazitron kostete vor 2020 noch etwa die Hälfte. Glück hat, wer Klassenkollegen wie Thomas und Samuel hat. Die beiden Schüler sitzen an einem Tisch in der Ecke des Café Stein.

Am Nachbartisch sitzen zwei Jugendliche. Vor ihnen steht ein Café Latte, der andere trinkt nichts. Beide schauen aufs Handy. Thomas und Samuel hingegen finden die sozialen Medien mittlerweile langweilig. Davon hatten sie während der Pandemie genug. Sie chillen lieber in analogen Räumen mit ihren Freunden und Freundinnen, sagen sie. Die Burschen besuchen eine AHS in Ottakring und maturieren heuer. In ihrer Freundesgruppe ist derzeit vor allem die Maturareise im Sommer Thema. Dafür wird fleißig Geld auf die Seite gelegt. Viele in der Klasse arbeiten neben der Schule, nicht alle haben gleich viel Geld. Ausgeschlossen wird trotzdem niemand.
„Wenn wirklich jemand kein Geld zur Verfügung hat, dann kann jeder einen Hunderter dazulegen und dann passt es schon. Dann kann die Person mitkommen. Also im Fall der Maturareise zum Beispiel“, sagt Samuel.
Während des Gesprächs sitzen zwei Jugendliche am Nachbartisch hinter Thomas und Samuel noch immer am Platz. Sie scrollen auf ihren Handys, blicken zwischendurch auf, unterhalten sich kurz miteinander und vertiefen sich wieder im Bildschirm. Dann kommt ein Kellner zu ihnen und sagt auf Englisch:
„Wenn Sie nichts mehr bestellen möchten, würde ich Sie bitten, zu gehen.“
Rundherum sind mehrere Tische frei. Die beiden Jugendlichen packen ihre Sachen zusammen und verlassen das Café. Thomas und Samuel wenden sich wieder ihrem Gespräch zu. Die Maturareise also, die ist natürlich kostspieliger als andere Freizeitaktivitäten. Aber sie wollen eben alle dabei haben. Und was ist, wenn sich jemand im Alltag etwas nicht leisten kann, zum Beispiel einen Kinobesuch? Das war anscheinend die falsche Frage. Sie gehen gar nicht ins Kino. Das sei langweilig. Grundsätzlich sagt Thomas: „Es ist kein Problem, dass wir jemanden ausschließen müssen, nur weil er kein Geld hat. Wir finden eigentlich immer eine Lösung.“
„Ja, voll“, stimmt Samuel zu. „Wir lassen niemanden im Stich“, sagt Thomas.
Bei Thomas und Samuel funktioniert Solidarität. Niemand wird ausgeschlossen, auch dann nicht, wenn das Geld knapp ist. Doch was hier selbstverständlich wirkt, ist nicht für alle Jugendlichen in Wien Realität. Nicht jede Freundesgruppe kann fehlendes Geld einfach ausgleichen. Und nicht jede und jeder will ständig erklären müssen, warum man nicht mitkommt.
Genau das erlebt die pädagogische Bereichsleiterin Merivan Kar in ihrer täglichen Arbeit.

„Jugendliche entwickeln dann Mechanismen. Man will nicht immer die Person sein, die sagt: ,Ich kann nicht mitkommen‘. Also sagt man: ,Ich hab eh kein Interesse. Mich freut es nicht, ins Kino zu gehen. Ein Instrument zu lernen, interessiert mich nicht.‘ Jugendliche eignen sich das an, weil man so vermeintlich die Entscheidungsmacht hat“, sagt Kar.
So könne man vermeiden, offen ausgegrenzt zu werden. Viele Jugendliche würden das erleben. Kar merkt das deutlich in den Einrichtungen der Wiener Jugendzentren.
Diese Form der Ausgrenzung kann unter anderem zu Einsamkeit führen. Während der Pandemie waren Jugendliche so einsam wie noch nie. Zwar geht der Trend der Einsamkeit langsam zurück, doch bleibt er hartnäckig. Eine Umfrage der Statistik Austria vom Dezember 2025 zeigt: 28 Prozent der 18- bis 74-Jährigen verspürten in den vergangenen vier Wochen zumindest gelegentlich Einsamkeit. Besonders betroffen sind junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Kar nennt unter anderem Kriege, Krisen und Teuerungen. Dabei seien soziale Interaktionen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig. Durch Gemeinschaft würden junge Menschen „Social Skills“, also soziale Kompetenzen, für ihr weiteres Leben mitnehmen. Die soziale Isolation während der Pandemie wirke noch immer nach. Da müsse man Jugendlichen noch etwas Zeit geben. Entscheidend sei es jedoch, vor allem an der finanziellen Situation anzusetzen.
„Die Teuerungen sind eine Katastrophe. Es ist ein Wahnsinn für junge Leute, die einfach immer weniger teilhaben können. Partizipation ist nicht etwas, was man nur daher sagt. Sie muss gelebt werden. Und dafür braucht es leistbare, zugängliche Räume“, sagt Kar.
Hinzu kommt das schlechte Image von jugendlichen Gruppen im öffentlichen Raum, das direkte Auswirkungen auf den Alltag von Jugendlichen habe. „Es kommt sehr oft zur Verdrängung, vor allem von Gruppen und von migrantisch gelesenen Jugendlichen. Das sind häufig unsere Jugendlichen. Sie spüren das ganz stark“, sagt Kar.
Medien würden mit ihrer mehrheitlich negativen Berichterstattung einen Beitrag dazu leisten, sagt Kar. Eine Studie der Wiener MA 13 aus dem Jahr 2016 zeigt, dass 26 Prozent der befragten Jugendlichen angaben, „manchmal“ auf der Straße oder in Parks diskriminiert worden zu sein, 18 Prozent sogar „oft“. Zudem haben die befragten Jugendlichen das Gefühl, dass häufig mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn sich zum Beispiel „ausländisch aussehende“ Jugendliche oder Kinder laut im öffentlichen Raum verhalten, im Gegensatz zu „österreichisch aussehenden“.
„Die Menschen wollen immer mehr Kontrolle, dass es Sicherheitsdienste und Securities gibt, die immer wieder kontrollieren und für Verdrängung sorgen. Das führt halt dazu, dass man sich vielleicht nicht mehr so gerne an bestimmten Orten aufhält“, sagt Kar.
Zugebaute Flächen, Teuerungen, Verdrängung und Reglementierungen sind nach Merivan Kar die größten Hindernisse für Jugendliche, ihre Freizeit gemeinsam zu verbringen.
Wem gehört der öffentliche Raum?
Rechtlich liegt er meist in der Verantwortung und Verwaltung der Stadt oder einzelner Eigentümer und Eigentümerinnen. Sie entscheiden, wie dieser Raum genutzt werden darf, ob er frei zugänglich ist, wie er gestaltet wird und was dort erlaubt ist. Im Alltag wird der öffentliche Raum jedoch von ganz unterschiedlichen Gruppen genutzt, die dort jeweils eigene Interessen verfolgen.
Dabei werden verschiedene Funktionen erfüllt: Erholung, Freizeit, Bewegung, Konsum, Handel, Kunst und Kultur – um einige von ihnen zu nennen. In einer Studie der Arbeiterkammer über kommerziellen und nichtkommerziellen Raum steht, dass man den öffentlichen Raum auch als „Verhandlungsraum“ sehen sollte. Partnerschaften könnten für die Gestaltung geschlossen werden, etwa zwischen kommerziellen Nutzungen im öffentlichen Raum und nichtkommerziellen Ansprüchen. Während Betreiber und Betreiberinnen die kommerzielle Nutzung bestimmen, müssen Stadtpolitik, -verwaltung und Zivilgesellschaft die nichtkommerziellen Nutzungsansprüche übernehmen.
Doch wie leicht ist es für die Zivilgesellschaft, den öffentlichen Raum tatsächlich mitzugestalten?
Erfahrungen damit hat Verena Maria Huber. Mit ihrem Verein ROOMING INN versucht sie, ihr Grätzl aktiv mitzugestalten und Leerstände wiederzubeleben. Der Verein verwandelt einen leerstehenden Kindergarten mit einer Gartenfläche von 3000 m² zum gemeinschaftlichen, konsumfreien Raum. Für Huber ist das eines der wirksamsten Mittel gegen zunehmende, generationsübergreifende Einsamkeit.
Verena Maria Huberist Vereinsobfrau der gemeinnützigen Kulturinitiative ROOMING INN. (Foto: LA21 Wien/Alex Hauff)
Verena Maria Huberist Vereinsobfrau der gemeinnützigen Kulturinitiative ROOMING INN. (Foto: LA21 Wien/Alex Hauff)
Verena Maria Huberist Vereinsobfrau der gemeinnützigen Kulturinitiative ROOMING INN. (Foto: LA21 Wien/Alex Hauff)
In einer Stadt, in einer Gesellschaft, brauche es konsumfreie Räume. Aus ganz unterschiedlichen Gründen: Menschen könnten sich dort kennenlernen, außerhalb ihrer eigenen vier Wände, die zunehmend kleiner werden, autonom agieren. Gerade das sei in Wien jedoch schwierig.
„Es braucht für alles eine schriftliche Zustimmung der Stadt, ein Antrag muss gestellt werden, dann darf man vielleicht irgendwo ein Bankerl aufstellen oder so irgendwas. Die autonome Gestaltung des öffentlichen Raums fehlt mir in Wien sehr“, sagt Huber.
Es scheitert dabei weniger am Willen als vielmehr an der Bürokratie und am fehlenden Platz. Flächen, um gestalterisch tätig zu werden, seien stark begrenzt. Huber wünscht sich, dass nicht alles über Anträge geregelt werden müsse, sondern dass es im öffentlichen Raum Bereiche gibt, die Menschen zur Verfügung gestellt werden, um ihre eigenen Interessen umzusetzen. „Das könnte man sehr gut machen, wenn man ein bisschen den Verkehr reduziert“, sagt die Vereinsobfrau.
Tatsächlich nimmt der Verkehr– also Fahrbahn- und Parkplatzflächen – rund zwei Drittel des öffentlichen Straßenraums in Wien ein. 31 Prozent entfallen auf Gehsteige, jeweils rund ein Prozent auf Radwege und Fußgängerzonen. Betrachtet man hingegen die Gesamtfläche Wiens, zeigt sich ein anderes Bild: Die Stadt ist sehr grün. Rund die Hälfte der Fläche besteht aus Grünräumen.
Für Stadtentwicklung und -planung ist die Kommunalpolitik zuständig. Im März 2025 präsentierte die rot-pinke Stadtregierung den Stadtentwicklungsplan Wien 2035. Auf 152 Seiten werden Maßnahmen von Siedlungsentwicklung bis zur Energiewende skizziert, mit besonderem Fokus auf Klimaschutz. Ein kurzer Überblick darüber, was die Stadt konkret für den öffentlichen Raum plant:
Geplant ist eine klimafitte Neugestaltung von Straßen, sofern zentrale Verkehrsaufgaben dem nicht entgegenstehen. Bis 2035 sollen mindestens 25 sogenannte „Wiener Gartenstraßen“ entstehen, als begrünte Zonen zum Aufenthalt und zur Erholung. Damit würden zusätzliche konsumfreie Plätze im Freien geschaffen.
Zudem sollen neue Zentren entwickelt und etabliert werden, die eine Mischung aus öffentlichen, kommerziellen und nichtkommerziellen Kultur-, Freizeit- und Bildungsangeboten bieten. So können Treffpunkte und Verweilorte für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen geschaffen werden.
Die Stadt Wien will außerdem prüfen, wie mehr Räume für soziale und kulturelle Initiativen zur Verfügung gestellt werden können. Geplant ist, verstärkt städtische Liegenschaften sowie leerstehende Gebäude für gemeinnützige und nichtkommerzielle Projekte zu nutzen. Dazu sollen rechtliche und organisatorische Hürden analysiert und abgebaut werden. Grundlage dafür soll ein systematischer Überblick über den tatsächlichen Raumbedarf gemeinwohlorientierter Initiativen sein.
Das sind nur drei Punkte von vielen. Der gesamte Plan ist zum Nachlesen hier verlinkt.
In den letzten Jahren gab es jedenfalls Bemühungen, Klimaoasen und Freizeiträume im Öffentlichen zu schaffen. In einigen Grätzln wurde auch die Nachbarschaft eingebunden. Umgesetzt wurden etwa die Umfunktionierung des Tangentenparks, wo früher eine Autobahnausfahrt war, oder der Stadtpark Atzgersdorf. Die Neugestaltung der Gumpendorfer Straße, bei der es ebenfalls Bürgerbeteiligung gab, sollte ursprünglich bis Herbst 2026 realisiert werden, wurde jedoch aufgrund fehlender Förderungen der Stadt Wien vorerst gestoppt. Der Umbau des Naschmarkts – nun Naschpark genannt – wurde im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen. Viele dieser Maßnahmen wirken vor allem in den warmen Monaten.
Generell ist es im Sommer wesentlich einfacher, konsumfreie Zonen in Wien zu finden. Die Stadt verfügt über zahlreiche Grünflächen, Parks und Sportplätze, die frei zugänglich sind. Ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene war und ist seit Langem der Donaukanal. Doch auch dort wird der Platz immer enger. So nimmt es Thomas wahr. Einer der Schüler, der im Café Stein sitzt.
„Überall gibt es dann immer so kleine Geschäfte, die eröffnet werden, wo Platz weggenommen wird. Also öffentlicher Freiraum. Da muss man sich schon mal was kaufen, damit man Platzmöglichkeiten hat. Natürlich ist es blöd, weil es einfach eine finanzielle Belastung ist. Es summiert sich halt“, sagt Thomas.
Seit den 1990er-Jahren gilt der Donaukanal als Erholungsraum für Wienerinnen und Wiener. In den vergangenen Jahren hat er sich jedoch zunehmend zu einer Gastronomie-Meile mit teuren Cafés und Lokalen entwickelt. Deshalb setzen sich immer mehr Initiativen dafür ein, den Donaukanal wieder als kostenfreien Erholungsraum zu etablieren. Auch die Stadt Wien reagiert auf die zunehmende Kommerzialisierung und plant für 2026 neue konsumfreie Flächen sowie mehr Grün entlang des Kanals. Künftig soll es dort mehr Liege- und Sitzmöglichkeiten geben.

Apropos Sitzmöglichkeiten: Die Initiative Geht.Doch.Wien hat gemeinsam mit zwei weiteren NGOs eine Karte mit konsumfreien Sitzgelegenheiten in Wien erstellt. Diese ist auf ihrer Website abrufbar. Laut der Initiative hinkt Wien anderen Städten deutlich hinterher; etwa Kopenhagen. Dort verfügen durchschnittlich acht von zehn Straßen über konsumfreie Sitzmöglichkeiten, in Wien sind es nur zwei von zehn.
Kopenhagen wird auch von Verena Maria Huber als positives Beispiel genannt. Bei einem Besuch dort lernte sie das KU.BE kennen: ein vierstöckiges, öffentliches Gebäude, das Menschen aller Altersgruppen, unabhängig vom Einkommen, Räume und Aktivitäten bietet. Es gibt Indoorspielplätze für Kinder, Arbeitsmöglichkeiten für Eltern und Studierende, Räume für Jugendliche, Tanzkurse für Seniorinnen und Senioren sowie Konzerte am Abend.
„Ein sehr schönes Beispiel, wie man Nachbarschaften begegnet, wie man Menschen in der Stadt begegnet, wie man den Bedürfnissen von Menschen begegnen kann“, sagt Huber.
Bis es solche vierstöckigen, konsumfreien Begegnungsräume auch in Wien gibt, sitzen Jugendliche wie Marianna, Lea und Vicky vermutlich weiterhin bei McDonald’s und warten sehnsüchtig auf den Sommer.
Konsumfreie Räume für Kinder und Jugendliche in Wien
Sounddesign und Audioproduktion: Katharina Darya Ressl
Mixing und Mastering: Patrik Haas
