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30. April 2026

Rekord bei den globalen Militärausgaben. Führt Aufrüstung am Ende auch zu mehr Krieg?


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2025 wurden weltweit fast drei Billionen Dollar für das Militär ausgegeben – ein neuer Rekord und nochmal drei Prozent mehr als 2024. Führen mehr Waffen auf der Welt auch automatisch zu mehr Krieg? Katja Astner zeigt unterschiedliche Perspektiven aus der Politikwissenschaft auf.

Umgerechnet 2,5 Billionen Euro wurden 2025 weltweit für Militär ausgegeben. (Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie)

Vor wenigen Tagen hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI die aktuellsten Zahlen zu den Militärausgaben veröffentlicht und damit einen Trend bestätigt, der sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat: Die Welt rüstet auf.
Und das ist in Teilen sehr nachvollziehbar. Es gibt gute Gründe, warum Staaten ihr Militär stärken wollen. Zum Beispiel, weil sie zurecht Sorge um ihre Sicherheit haben. Polen etwa hat seine Ausgaben um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert.

Was aber, wenn alle mehr fürs Militär ausgeben? Führt eine globale Aufrüstung am Ende auch zu mehr Krieg?

Darüber spreche ich mit Katja Astner, sie ist Politikwissenschaftlerin an der Universität Innsbruck.

Katja Astner beschäftigt sich in ihrer Forschung speziell mit nuklearer Abrüstung. (Foto: Katja Astner)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • In der Politikwissenschaft gibt es verschiedene Theorien, mit denen man wie durch verschiedene Linsen auf die internationalen Beziehungen schauen kann.
  • Die Perspektive des Realismus geht davon aus, dass Staaten am Ende immer nach Macht streben und sich deswegen zwangsläufig aufrüsten, wenn sie beobachten, dass andere Staaten das auch tun. Das kann sich aufschaukeln zu einer Aufrüstungsspirale. Allerdings argumentiert der Realismus, dass hochgerüstete Staaten sich auch gegenseitig so abschrecken können, dass am Ende niemand angreift (Stichwort: nukleare Bedrohung Kalter Krieg)
  • Die Perspektive des Liberalismus geht davon aus, dass Staaten über Institutionen und Kooperationen miteinander verflochten sind. Katja Astner nennt hier die EU als Beispiel vieler Staaten, die sich seit der Gründung nicht gegenseitig angegriffen haben.
  • Die Perspektive des Konstruktivismus geht davon aus, dass hinter Staaten immer Gesellschaften – also Menschen – stehen. Und die sind situativ geprägt und haben Überzeugungen. Dementsprechend ist Aufrüstung im Konstruktivismus nicht nur rational oder nominell zu bewerten. Katja Astner sagt hier: "Für die USA macht es einen Unterschied, ob China aufrüstet, oder ob es Deutschland macht."
  • Die globale Aufrüstung wird also von den drei genannten Theorien unterschiedlich bewertet.
    Für Sorge und Beschwichtigung gibt es gute Argumente. Ein Beispiel dafür, dass auch hochgerüstete Staaten nicht zwangsläufig früher oder später ihre Waffen aufeinander loslassen, ist der Kalte Krieg. Obwohl beide Seiten hochgerüstet waren, kam es nie zur direkten Auseinandersetzung. "Da war auch eine Menge Glück dabei" sagt Katja Astner.
  • Katja Astner hofft für die Europäische Gemeinschaft, dass sie einen Zusammenhalt findet, der nicht in Misstrauen, Konflikt oder individualistischem Denken verfällt. "Ich bin auch überzeugt, dass wir uns gegen das Mächtespiel von Großmächten stellen können, wenn wir wieder internationale Abkommen schaffen, an denen möglichst viele Staaten beteiligt sind.

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Nico Knappe

B-Seite-Team