Dieser Artikel ist für dich kostenlos
Du kannst diesen Beitrag lesen oder anhören, weil Wolfgang Rössler JETZT-Mitglied ist und ihn mit dir geteilt hat.
Im Studio sitzt Danica Vučenić im grellen Licht der Scheinwerfer und wird verkabelt. „Noch eine Minute“, sagt der Kameramann. Sie nimmt zwei schnelle Züge aus ihrem Tabakerhitzer, einen Schluck Wasser, ein letzter Blick auf die Notizen, wieder ein Zug, ein Zupfen, noch zehn Sekunden, noch fünf, dann erscheint auf dem Screen der Vorspann von „N1 Direktno“.
Danica Vučenić begrüßt die Zuschauer der Abendnachrichten. Dann schaltet die Moderatorin live in die Stadt Loznica. Von dort berichtet eine Reporterin über Proteste gegen eine geplante Lithium-Mine. Einen solchen Bericht gibt es im serbischen Fernsehen fast nur noch beim Sender N1. Viele Menschen in Serbien vertrauen dem Sender. Er ist ihre wichtigste Informationsquelle.
Der serbische Präsident Aleksandar Vučić ist da anderer Meinung. Regelmäßig verleumdet er die Journalisten des Senders N1 als Agentinnen, die im Dienst ausländischer Mächte die Heimat Serbien zerstören wollen. Oder er beschimpft sie als Terroristen, die jeden Tag an neuen perfiden Lügen über ihn arbeiteten. Das Ziel der Verräterinnen - so Aleksandar Vučić - sei sein Sturz, obwohl er doch unermüdlich für das Wohl des serbischen Volkes arbeitet.
Agentinnen, Terroristen, Verräterinnen.
Danica Vučenić ist eines der letzten TV-Gesichter in Serbien, dem die Menschen noch vertrauen. (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Danica Vučenić ist eines der letzten TV-Gesichter in Serbien, dem die Menschen noch vertrauen. (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Danica Vučenić ist eines der letzten TV-Gesichter in Serbien, dem die Menschen noch vertrauen. (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Danica Vučenić ist eines der letzten TV-Gesichter in Serbien, dem die Menschen noch vertrauen. (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
„Solche Beschimpfungen kennen in Serbien alle Journalisten, die ihren Job ernst nehmen“, sagt mir Igor Božić, der N1-Chefredaktor, bei unserem Besuch in der Redaktion. Aleksandar Vučić, der Mann, seit über zehn Jahren im Amt, vertrage keine Kritik, weshalb er dem Nachrichtensender N1 das Überleben so schwer mache wie er nur könne: Seine Behörden verweigern Sendelizenzen und setzen Werbekundinnen unter Druck. Die Pressefreiheit gilt in Serbien nur für Medien, die Aleksandar Vučićs Sicht auf die Welt teilen.
Igor Božić sitzt rauchend an seinem Schreibtisch und sagt zu den Schikanen und Verleumdungen kämen jetzt noch Drohungen und Gewalt dazu. Im Sommer landete ein Brief in seiner Redaktion, auf dem stand: Ihr werdet enden wie Charlie Hebdo. Damals, am 7. Januar 2015, stürmten Islamisten die Redaktionsräume der Satirezeitschrift in Paris und brachten elf Menschen um. Auf Demonstrationen wurden seine Reporterinnen von Polizisten geschlagen und von Vermummten mit Feuerwerk beschossen. Einer seiner Kameramänner wurde von einem Bewohner eines Camps verletzt, das Unterstützer von Aleksandar Vučić neben dem Präsidentenpalast aufgebaut haben.
Der ideale Mann für den Job. So lange man ihn lässt
N1 ist der letzte Nachrichtensender Serbiens, dessen Journalisten noch frei von politischer Einflussnahme berichten: Über einen Präsidenten, der die serbische Demokratie aushöhlt, im Staat einen Selbstbedienungsladen für Parteifreunde zu sehen scheint, der ein System von Korruption aufgebaut und Wahlen manipuliert hat. Nicht nur bei Breaking News erreicht N1 regelmässig die höchsten Einschaltquoten, auch die Website ist eine der bestbesuchten in Serbien. Dabei können überhaupt nur etwas mehr als ein Drittel der Serbinnen das Programm über Kabel empfangen, weil dem Sender eine nationale Sendelizenz über Satellit von den staatlichen Regulierungsbehörden mehrfach verweigert wurde.
Igor Božić, 54, begann seine Karriere bei B92, dem 1989 gegründeten legendären Radio, das in den Neunzigerjahren von Diktator Slobodan Milošević mehrmals abgeschaltet wurde. Später baute er für das Unternehmen einen Fernsehsender mit auf und war Chefredakteur dessen Nachrichtensenders.
Seit der Gründung 2014 arbeitet er bei N1, seit 2021 ist er Chefredakteur. „Er ist der ideale Mann für den Job“, sagt Igor Bandović vom Belgrader Zentrum für Sicherheitspolitik, einer unabhängigen Denkfabrik, die seit Jahren die Lage der Demokratie in Serbien im Blick hat. „Er ist einer der bekanntesten Journalisten aus der Schule von B92. Die Journalisten dort hatten den Mut, sich Slobodan Miloševićs Sicherheitsdiensten zu widersetzen. Nun widerstehen sie Aleksandar Vučićs Machtapparat.“
Igor Božić bewirtschafte eine der wenigen Oasen in einer polarisierten Medienlandschaft, in der keine normalen politischen Debatten mehr geführt würden. „Er versucht, journalistische Standards von Objektivität und Fairness zu verteidigen. Dafür wird seine Redaktion herumgeschubst und der Sender unter Druck gesetzt.“
Die Angriffe auf N1 haben zugenommen, seit seine Journalistinnen stundenlang live von den Demonstrationen der Studenten berichtet haben. Ihr Auslöser war der Einsturz des Vordachs am Bahnhof in Novi Sad im November 2024. Dabei starben 16 Menschen. Der Bahnhof war nach einer Renovierung erst drei Monate zuvor wieder eröffnet worden. Schlamperei am Bau und vor allem die in Serbien verbreitete Korruption gelten als Ursachen für das Unglück. „Haltet euch endlich an die Gesetze!“ Die simple Forderung der Studentinnen führte zu Massenprotesten im ganzen Land. Am 15. März 2025 versammelten sich mehr als 300.000 Menschen in Belgrad zur größten Demonstration in der jüngeren serbischen Geschichte.
Belgrader Impressionen (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Belgrader Impressionen (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Belgrader Impressionen (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Belgrader Impressionen (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Belgrader Impressionen (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Belgrader Impressionen (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Belgrader Impressionen (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Diesmal ist es anders
Der 52-jährige Aleksandar Cvrkotić lächelt, wenn er von der ausgelassenen Stimmung der ersten Demonstrationen erzählt. Seit Jahren gibt es in Serbien grössere Protestwellen. Viele davon hat er als Kameramann begleitet. Dieses Mal war es anders. „Als die Studenten von Novi Sad nach Belgrad marschierten, wurden sie bejubelt. Frauen haben die jungen Leute vom Strassenrand aus verpflegt, mit Wasser, Tee, Broten und Plätzchen.“
Als immer mehr Menschen sich den Protesten anschlossen, hätten die Polizisten begonnen, sie gewaltsam aufzulösen. Sie nahmen auch die Presse ins Visier. „Nach so vielen Jahren weiss ich, wo ich die besten Bilder bekomme. Das ist in den ersten Reihen einer Demonstration. Dort bin ich oft in Kontakt mit den Polizisten. Manche schlagen mit ihren Stöcken. Dabei versuchen sie oft, die Kamera zu treffen.“
Sein Handy klingelt. Er drückt den Anruf weg. Aleksandar Cvrkotić ist stolz, dass in all den Jahren nur drei oder vier Kameras zerstört wurden. „Früher war das ein grosses Problem. In den neunziger Jahren hat eine Kamera 20.000 Euro gekostet.“ Er hat wie sein Chefredakteur bei B92 gearbeitet: „Der Sender war ein Licht in der Finsternis, aber immer schlecht bei Kasse.“
Aleksandar Cvrkotić hat als Kameramann schon viel gesehen – aber er ist noch lange nicht fertig. (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Aleksandar Cvrkotić hat als Kameramann schon viel gesehen – aber er ist noch lange nicht fertig. (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Aleksandar Cvrkotić hat als Kameramann schon viel gesehen – aber er ist noch lange nicht fertig. (Fotos: Tobias Kruse/Ostkreuz)
Das Handy klingelt wieder. Die Reporterin drängelt. Zusammen müssen die Beiden noch nach Loznica. Dort demonstrieren Bauern von „Ne damo Jadar“ („Wir geben Jadar nicht her“), einer Umweltbewegung, gegen eine geplante Lithium-Mine des Konzerns Rio Tinto im Tal von Jadar. Cvrkotić verabschiedet sich, dreht sich noch einmal um und sagt: „Ich hoffe, dass N1 nicht das Schicksal von B92 teilen wird.“
Diese Gefahr ist seit Ende Februar die grösste Sorge der N1-Journalistinnen. B92 ist nach einem Besitzerwechsel vor zehn Jahren nur noch ein kommerzielles Hitradio.
Auch N1-Chefredakteur Igor Božić hat inzwischen einen neuen Vorgesetzten, Brent Sadler, 75, ein ehemaliger CNN-Journalist, der in Belgrad lebt. Sadler ist Chief News Executive des neu geschaffenen Adria News Network. Unter dessen Dach hat die United Group – ein in den Niederlanden registrierter Telekommunikations- und Medienkonzern – ihre Medien aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens gebündelt. In Serbien sind das N1, der Fernsehsender Nova S, die Zeitung Danas und das Magazin Radar. Alle sind bekannt für ihre kritische Haltung gegenüber Präsident Vučić.
„Bis jetzt gibt es keinen Einfluss auf unsere journalistische Arbeit“, erzählt uns Božić während unseres Besuchs vor einigen Wochen. Und dann, aus heutiger Sicht sehr hellsichtig: „Wir sind gespannt, wie es weiter geht.“ In seiner Redaktion herrschte Unruhe. Denn die Neustrukturierung hat eine Vorgeschichte.
Im vergangenen Sommer veröffentlichte das Organized Crime and Corruption Reporting Project ein Telefongespräch zwischen Stan Miller, Chef der United Group, und Vladimir Lučić, Chef der staatlichen Telekom Srbija. Lučić erklärt darin Miller, Präsident Vučić wünsche, dass N1 an Einfluss verliere. Miller bestätigte das illegal aufgenommene Gespräch, sagte aber, die erwähnte Passage sei aus dem Kontext gerissen worden. Es gebe keinen Deal mit der serbischen Regierung. Vielmehr sei der neue Rahmen speziell darauf ausgelegt, sicherzustellen, dass es keine unzulässige Einflussnahme durch die Regierung, politische Akteure, Aktionäre oder das Management der UG geben kann.

Igor Bandovic vom Belgrader Zentrum für Sicherheitspolitik ist skeptisch. Die Studentenbewegung hat die politische Landschaft durcheinandergewirbelt. Die Studentinnen haben angekündigt, bei den kommenden Wahlen mit einer eigenen Liste anzutreten. Auf ihr sollen bekannte Wissenschaftler und Aktivistinnen stehen. In Umfragen schneidet die Liste gut ab. Das erste Mal seit mehr als zehn Jahren scheint die Macht von Präsident Vučić und seiner Serbischen Fortschrittspartei in Frage gestellt.
„Im Herbst könnte es Parlamentswahlen geben“, sagt Bandovic. „Ich fürchte, Vučić will die ganze Medienlandschaft auf Linie bringen. Bis auf N1 und Nova hat er alle Sender schon unter seiner Kontrolle. Wir sind eine der ältesten Gesellschaften Europas und ältere Menschen schauen wie überall auf der Welt viel Fernsehen. Bei uns ist das ihre wichtigste Informationsquelle.“ Bandovic glaubt, Adria News Network könne ein Instrument sein, um zukünftig die Medien leichter verkaufen zu können, und Brent Sadler sei lediglich ein Strohmann.
Erst einmal machen Igor Božićs Reporter einfach weiter. Sie recherchieren Fakten, führen Gespräche, dokumentieren Missstände, filmen, schneiden und senden Berichte. Jetzt eben auch über das, was mit ihrem Sender passiert.
Im Newsroom arbeitet Mladen Savatović an einem Beitrag für die Abendnachrichten. Es geht um die schleppenden Ermittlungen zu einem Angriff von Vermummten auf eine Reporterin und ihren Kameramann. Der 34-jährige Savatović weiß, wie sich so etwas anfühlt. Er ist selber zweimal bei der Berichterstattung körperlich attackiert worden. Regelmässig wird er bedroht, man werde ihn vergewaltigen und umbringen.

Es war eine Pressekonferenz, die seine Arbeit verändert hat. Aleksandar Vučić griff wie so oft N1 an. Zwei Männer waren festgenommen worden, die einen Mordanschlag auf ihn geplant haben sollen. Er äusserte die Vermutung, der Fernsehsender habe die beiden Männer zu ihrem Plan inspiriert. „Ich bin aufgestanden und habe ihm mit allem Respekt gesagt, dass das eine durch nichts belegte Behauptung sei“, erzählt Savatović. „Die Pressekonferenz wurde übertragen. Am Abend bekam ich die ersten Morddrohungen.“
Mladen Savatović hat in Novi Sad Journalismus studiert und 2017 einen Talent-Campus bei N1 besucht. „Ein paar Wochen später haben sie angerufen und gesagt: Wenn du bei uns anfangen willst, dann hast du zwei Wochen Zeit, um nach Belgrad zu ziehen“, sagt er. Journalistische Unabhängigkeit sei für ihn zentral: „Ich würde kündigen, wenn einer vor meinem Tisch stehen und sagen würde: Ich will diesen Beitrag von dir. Die Fakten sind mir egal. Journalist zu sein ist nicht nur mein Beruf, es ist meine Art zu leben.“ Erst einmal steht nur ein Kollege vor seinem Tisch, in der Plastiktüte die Verpflegung für die Abendschicht, Pizza Chicago-Style.
Mladen Savatović ist ein Lieblingsfeind der Aleksandar Vučić ergebenen Medien, besonders von Informer TV. Beim Fernsehableger einer Boulevardzeitung tragen die Moderatoren gerne T-Shirts oder Baseballkappen, auf denen die Zahl 577 gedruckt ist. Sie klingt auf Chinesisch ähnlich wie Vučić. Informer TV produziert keine Nachrichten. Die Moderatoren kommentieren giftig das Tagesgeschehen oder verbreiten ungeprüft Gerüchte aus dem Internet. Am liebsten beschimpfen sie alle, die nicht die Meinung des Präsidenten teilen: Studentinnen sind angeblich vom Westen gesteuerte Provokateure. Kritische Journalistinnen wahlweise Söldner oder auch Nazis.
Der Sender läuft auf einem der an den Wänden montierten Bildschirme in der Nachrichtenredaktion von N1. Wie BBC oder CNN. „Das hat nichts mit Masochismus zu tun“, sagt Savatović. „Vučić lässt über den Sender gerne Neuigkeiten verbreiten. Er ruft dort auch live in Sendungen an.“
Im vergangenen Jahr ist Vučić 411 mal in verschiedenen TV-Sendern aufgetreten. „Fernsehen ist wichtig für seinen Regierungsstil“, sagt Igor Bandovic. „Er macht Ankündigungen, stellt Behauptungen so lange auf, bis sie für seine Anhänger postfaktische Wirklichkeit werden, und verleumdet seine Gegner.“ Bei N1 war er noch nie zu Gast, obwohl Igor Božić ihn oft eingeladen hat. „Er hat sogar seinen Ministern verboten, zu uns zu kommen. Stattdessen nannte er uns Besatzungsmedien oder kriminelles Fernsehen“, sagt Božić mit einem sarkastischen Lachen.
Während er erzählt, lässt Igor Božić Dampf ab. Er raucht so ausdauernd wie Dustin Hofmann als Carl Bernstein im Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, mal in Form von Tabakerhitzern, mal in Form von Zigaretten. Er liebt das Nachrichtengeschäft und schaut ständig auf die Bildschirme im Newsroom oder das Display seines Handys. Er kann sich nicht vorstellen, beruflich je etwas anderes zu machen und es wäre für ihn nie in Frage gekommen, seine Redaktion im Stich zu lassen. „Ich bin stolz auf unsere Arbeit“, sagt er damals. „Wir bekommen viele Hinweise auf Missstände. Die Leute vertrauen uns mehr als den Behörden. Für Serbien ist das eine traurige Tatsache.“
Keine Antworten
Wie geht es weiter? „Mit N1 oder mit Serbien?“, fragt Danica Vučenić, und ohne eine Antwort abzuwarten, sagt die Moderatorin der Abendnachrichten: „Ich fürchte, das hängt eng zusammen. Der Wahlkampf wird für uns und die Demokratie zur Überlebensfrage“, glaubt Vučenić, „Präsident Vučić ist bereit, alles für seinen Machterhalt einzusetzen. Wenn er die Wahlen verlieren würde, bedeutet das für ihn wahrscheinlich Gefängnis.“ Es habe für unabhängigen Journalismus in Serbien nie wirklich gute Zeiten gegeben, sagt Vučenić, die früher auch für B92 gearbeitet hat. „Wir sind auf uns angewiesen und können nur uns selbst vertrauen.“
Nachrichten-Moderatorin Danica Vučenić
Nachrichten-Moderatorin Danica Vučenić
Nachrichten-Moderatorin Danica Vučenić
Einer der wenigen Verbündeten ist Filip Švarm, 59, Chefredakteur von Vreme (Die Zeit), einem wöchentlichen Nachrichtenmagazin, das 1989 gegründet wurde und seitdem immer wieder mit den Mächtigen im Clinch lag. „Wir haben in all den Jahren journalistische Fehler gemacht, wie jedes Magazin auf der Welt, aber nie moralisch versagt“, sagt Švarm. „Darauf sind wir stolz. Auf ihre Arbeit kann auch die Redaktion von N1 stolz sein.“
Die Entwicklungen um den Sender machen ihm Sorgen. Die Gründung des Adria News Network wirke auf ihn wie eine vorbereitende Maßnahme, um durch einen Verkauf die Sender abzudrehen. Er klingt wenig optimistisch, wenn er über die Journalisten von N1 sagt: „Wenn sie morgen nicht mehr arbeiten können, wird ihr Vermächtnis bleiben.“
Tatsächlich fürchtet auch Igor Božić, N1 könnte verkauft werden. „Wenn ein Käufer aus Serbien kommen sollte, wäre klar, dass er im Auftrag von Vučić handeln würde.“ Er hat daher zusammen mit den Chefredakteuren von Nova S und der Zeitung Danas die United Group gefragt, ob sie sich ein Management-Buy-Out vorstellen könnten. „Wir wollen zusammen mit Investoren N1 kaufen. Wir wollen weiter unsere Arbeit als Journalisten machen. Ohne Vorgaben und Zensur.“
Igor Božić hat keine Antwort bekommen.
Vielmehr ist er Anfang April, zwei Wochen nach unserem Redaktionsbesuch, freigestellt worden. Eine Begründung hat Brent Sadler, der neue Chef von N1, nicht mitgeteilt. Für die Redaktion war die Nachricht ein Schock. Am Tag der Entlassung von Igor Božić standen Reporter Mladen Savatović, Moderatorin Danica Vučenić und Kameramann Aleksandar Cvrkotić mit ihren Kollegen vor der Redaktion. Zusammen mit Demonstranten, die spontan zum Sender gekommen waren. Die Menge rief: „Wir lassen uns N1 nicht wegnehmen!“
Im Audio wurde folgender Beitrag zitiert:
N1 Direktno (22.4.2026)
Audioproduktion und Mix: Yannik Milz
