Mehr Steuern, mehr Profite, weniger Sucht? (Teil 2) Jahrelang florierte illegales Onlineglücksspiel.

Jetzt will die Regierung die Casinoanbieter erlauben, unter Auflagen. Ist das eine gute Idee? In Deutschland zeigt sich nach fünf Jahren der Liberalisierung: Aktuelle Regeln sind löchrig, illegale Angebote weiter zugänglich. Die Glücksspielbehörde steht einer mächtigen Industrie gegenüber.

Mehr Steuern, mehr Profite, weniger Sucht? (Teil 2)  Jahrelang florierte illegales Onlineglücksspiel.
Illustration: Getty Images

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Willkommen zur Folge 3 dieser Glückspiel-Serie. Wenn du die ersten beiden Folgen noch nicht gelesen oder gehört hast, dann fang vielleicht lieber dort an. Dieser Teil schließt nämlich direkt daran an.

In Teil 2 sind wir bei der Frage hängen geblieben, wie viel Geld man monatlich im Online-Glücksspiel verzocken können soll. Und die Antwort ist, wie bei vielen Fragen: Es kommt darauf an, wen man fragt.

Der Psychologe und Glücksspielforscher Tobias Hayer von der Uni Bremen plädiert aus suchtpräventiver Sicht für maximal 300 Euro. In Österreich sind es dann doch knapp 1.700 Euro, die man für Glücksspiel ausgeben kann.

In dieser Folge blicken wir weiter nach Deutschland. Denn Deutschland hat die Liberalisierung des Online-Glücksspiels schon vor fünf Jahren durchlaufen. Hier kann man 1.000 Euro im Monat setzen – das ist der offizielle gesetzliche Maximaleinsatz. Aber dann gibt es da diese riesige Lücke. Und damit sind wir bei…

Kapitel 4: der maximalere Einsatz

Glücksspielende in Deutschland können ihr 1.000-Euro-Monatslimit sehr einfach selbst erhöhen, und zwar auf 10.000 Euro. Auch hier: Pro Monat.

Halten wir kurz inne und überlegen uns … wer hat denn überhaupt 120.000 Euro im Jahr auf der Seite, um sie ganz einfach legal zu verspielen? Millionäre, ja. Die sollen das verspielen dürfen. Laut Gesetz muss die „wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ gegeben sein. Aber man muss eben kein Millionenvermögen nachweisen, um im Nachbarland 10.000 Euro verzocken zu dürfen. Es reicht eine speziell geschaffene Glücksspiel-Auskunft. Geregelt ist das Ganze durch eine lang geheim gehaltene Vereinbarung zwischen den Bundesländern und den Glücksspielanbietern.

Fällt die Auskunft positiv aus, erhöhen Onlinecasinos das Limit. Zuständig ist die Schufa, ein privates Unternehmen, das die Kreditwürdigkeit beurteilt. Nun sind aber Kreditwürdigkeit bzw. eine mögliche Verschuldung etwas anderes als Vermögen. Oder in den Worten von Glücksspielanwalt István Cocron: „Wenn Sie obdachlos sind und auf der Straße leben, haben sie vielleicht keine Schulden. Und dann können Sie Ihr Limit trotzdem raufsetzen. Da zeigt sich, wie absurd diese Prüfung ist.“

Mit einer Schufa-G-Auskunft (das G steht für Glücksspiel) können deutsche Glücksspielende legal bis zu 10.000 Euro im Monat verspielen. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)

Maximal ein Prozent aller Glücksspielenden deutschlandweit können ihr Limit sogar auf 30.000 Euro monatlich setzen. Für die 10.000-Euro-Grenze hingegen gibt es diese Prozenteinschränkung nicht. Und das erhöhte Limit wird schnell gewährt. Konrad Landgraf von der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern hat das ausgetestet: Schon vor Jahren konnte er sein eigenes Limit problemlos auf 10.000 Euro im Monat erhöhen, erzählt er mir — und das bei einem Monatseinkommen, das deutlich darunter liege. Gereicht haben wenige Klicks. „Bei diesen Beträgen kann man letztendlich die Idee des Limits auch aufgeben“, kommentiert der Psychologe Tobias Hayer.

Überleg dir mal: Hast du ein Hobby, für das du 1.000 Euro im Monat ausgibst? Geschweige denn bis zu 30.000 Euro?

Es geht hier nicht nur um eine Handvoll Personen. Rund 300.000 Menschen in ganz Deutschland haben ihr Limit erhöht – dürfen also mehr als 1.000 Euro monatlich an erlaubte Glücksspielanbieter überweisen. Das ist der Stand vom März 2025, aktuelle Zahlen wollte die deutsche Glücksspielbehörde auf E-Mail-Nachfrage nicht herausgeben. Eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz fördert dann zutage: Im Juli 2026 spielen bereits mehr als 380.000 Spieler mit erhöhtem Limit.

Dabei ist das gesetzliche 1.000-Euro-Limit eigentlich zentral für den Spielerschutz. Es ist der persönliche Fallschirm. Er soll vor dem Absturz schützen. Aber der Fallschirm hat riesige Löcher. Und manchmal, da ist er nicht mal mit an Bord.

Kapitel 5: Limitverletzungen – Wenn Glücksspielfirmen mehr Geld akzeptieren, als sie dürften

An die gesetzlich vorgegebenen Grenzen dürften sich Glücksspielfirmen nicht immer halten. Anwältinnen und Anwälte gehen gegen sogenannte „Limitverletzungen“ vor. Also Fälle, in denen legale Onlinecasinos ihren Kunden erlaubt haben, mehr Geld einzuzahlen, als sie gesetzlich dürften. Laut dem Anwalt Marc Ellerbrock kommen solche Limitverletzungen „extrem häufig“ vor; die Bereitschaft zum Einhalten der Limits sei zumindest in den ersten ein bis zwei Jahren nach Inkrafttreten des deutschen Glückspielstaatsvertrags 2021 „sehr gering“ gewesen. Und auch István Cocron sagt, er habe regelmäßig Anfragen von Klientinnen und Klienten, die viel Geld verloren haben, mehr, als sie können dürften. Einer seiner heftigsten Fälle: ein Mandant, der 100.000 Euro in einem Monat einzahlen konnte.

Um das nochmal zusammenzufassen: Mehr als 1.000 Euro darf kein deutscher Glücksspieler im Monat an Glücksspielunternehmen überweisen. Theoretisch. Denn mit einer einfachen Kreditauskunft dürfen es auch 10.000 Euro sein. In Ausnahmefällen sogar 30.000. Aber 100.000 Euro im Monat dürften Casinos niemals akzeptieren. Laut Anwalt Cocron ist das aber vorgekommen, und nicht etwa bei einem kleinen schwarzen Schaf in der Branche, sondern bei einem der großen Anbieter. Die Glücksspielbehörde gibt keine Auskunft zu dem konkreten Fall.

Der Münchner Anwalt István Cocron vertritt deutsche Glücksspielende gegen Onlinecasinos. (Foto:privat)

Wie ist das überhaupt möglich bei einer zentralen und staatlichen Spielerdatei möglich?

Manchmal melden Casinoanbieter Einzahlungen von Kundinnen und Kunden gar nicht zentral – oder aber verspätet. Nachweisen lässt sich das allerdings schwer, denn die Daten müssen jeden Monat gelöscht werden, so sieht es das deutsche Gesetz vor. Die Glücksspielbehörde schreibt dazu: „Mit Ablauf des Monats fällt somit der stärkste und einfachste Beweis weg, ob eine Einzahlung gemeldet und angenommen oder nicht gemeldet bzw. nicht angenommen wurde.“ — Versagt hier die Kontrolle?

Priglinger-Simader arbeitet beim österreichischen Casinolobbyverband und ist gleichzeitig auch Vizepräsident des Deutschen Onlinecasino-Verbands. Er erklärt Limitverletzungen mit technischen Fehler des Systems. Die staatlich eingesetzte Technik dürfte tatsächlich fehlerhaft sein. So wurden Glücksspielenden manchmal mehrere IDs zugeordnet – eine Person wurde also als zwei verschiedene Spieler erkannt und konnte somit doppelt so viel wetten wie eigentlich erlaubt.

Aber eine parlamentarische Anfragebeantwortung liefert noch andere Hinweise: Glücksspielkonzerne ignorieren offenbar eben sehr wohl manchmal die Gesetze. Im Jahr 2023 hat ein AfD-Abgeordneter bei der Landesregierung von Sachsen-Anhalt nach Verstößen von erlaubten Anbietern gefragt. In Sachsen-Anhalt hat die Glücksspielbehörde ihren Sitz. Aus einer Tabelle in der Antwort geht hervor, Anbieter haben nicht nur teils zu hohe Einzahlungen zugelassen. Sie haben auch eigentlich gesperrte Spieler zugelassen. Und sie haben unerlaubte Spiele angeboten. All diese Gesetzesbrüche kommen also vor. Aber das interessanteste findet sich in einer anderen Spalte der Tabelle. Dort, wo die sogenannten Verwarnungsgelder aufgelistet sind. Die lagen nämlich pro Verstoß bei 50 Euro (fürs Anbieten unerlaubter Spiele) bzw. bei 55 Euro (fürs Zulassen gesperrter Spieler).

Wird hier bewusst das Gesetz gebrochen? Die Vermutung liegt nahe. Anwalt Cocron sagt: „Als Wirtschaftsunternehmen kann man sich ja ausrechnen, der Verstoß bringt mir 100 und die Ertappung kostet mich 2, dann habe ich 98 Gewinn. Warum soll ich auf den Verstoß verzichten?“ Sein Anwaltskollege Marc Ellerbrock sieht nicht nur die Anbieter von Glücksspielen in der Haftung – sondern auch die deutsche Glücksspielbehörde. Denn die müsste eigentlich sicherstellen, dass sich deutsche Glücksspielende nicht verschulden können.

Simon Priglinger-Simader ist Präsident der Österreichischen Vereinigung für Wetten und Glücksspiel und Vizepräsident des Deutschen Onlinecasino-Verbands. (Foto: JETZT)

Simon Priglinger-Simader vom Deutschen Onlinecasino-Verband sieht keinen Vorsatz: Würden sich die Anbieter bewusst nicht an Regeln halten, würden sie ihre Erlaubnis riskieren und alleine deswegen hätten sie kein Interesse daran, sagt er mir. Doch die Glücksspielbehörde in Sachsen-Anhalt ist nicht bekannt dafür, hart durchzugreifen. Seit 2021 wurde erst zwei Anbietern ihre Erlaubnis entzogen.

Kapitel 6: Das System illegale Offshore-Casinos

Nicht nur halten sich erlaubte Casinos nicht immer an die Regeln und das 1.000-Euro-Limit kann leicht umgangen werden, sondern die illegalen werben ja nach wie vor im Internet, und sie denken gar nicht daran eine Lizenz zu beantragen und sich dadurch einschränken zu lassen.

Die deutsche Glücksspielbehörde soll diese Casinos bekämpfen. Dazu lässt sie zum Beispiel aktiv Domains sperren und geht gegen Zahlungsanbieter vor, die nicht so genau nachfragen, wer ihre Kunden sind und wo sie Geschäfte machen. Die illegalen Onlinecasinos wiederum reagieren darauf. Sie weichen auf Kryptowährungen aus. Und schalten immer wieder neue Domains frei, die noch nicht gesperrt sind. Wenn ein Staat beispielsweise casinos1.com sperren lässt, schaltet das Casino casinos2.com frei und leitet Kundinnen und Kunden um. Aktion und Reaktion. Viele Onlinecasinos wollen sich von nationalen Regeln nicht aufhalten lassen.

Das illegale System funktioniert, und das seit Jahren. Betreiberinnen und Betreiber profitieren, und das läuft so:


Du suchst um eine Offshore-Lizenz an, Curaçao in der Karibik ist ein Klassiker. Deine Casinoadresse ist ein Briefkasten auf der Insel — ein Treuhandbüro kümmert sich um deine Post, du als Eigentümer kannst gegenüber den Spielern und fremden Behörden anonym bleiben.

Dann gehst du online, bewirbst dein Casino und versprichst fantastische Gewinne. Die passieren selten, du hältst die Kunden aber mit Gratisspielen und regelmäßigen Werbe-Mails bei der Stange. Die, die viel Geld verlieren, nennst du VIPs. Du stellst ihnen einen eigenen Kundenbetreuer bereit, der per Whatsapp erreichbar ist. Sie sollen nur nicht aufhören, zu spielen. Wenn sie hoch verlieren, überweist du ihnen ein wenig Geld zurück, damit sie weiterspielen. Schickst ihnen Geschenke. Diese Kunden sind deine Cashcows, du willst sie regelmäßig melken.

Sollte einer deiner Kunden ausnahmsweise doch einen hohen Betrag gewinnen, verzögerst du die Auszahlung. Du verlangst Dokumente und noch mehr Dokumente, du sagst dem Kunden, du musst ihn überprüfen. Jetzt wirst du streng. Außerdem, ja leider, dein Casino hat ein Auszahlungslimit. Leider nur ein bestimmter Betrag pro Woche. Wenn du Glück hast, verspielt der suchtkranke Kunde das Geld in der Zwischenzeit.

Am Ende hast du, lieber anonymer Offshore-Onlinecasinobesitzer, gewonnen. Gratuliere!


Der Markt ist riesig. Alleine auf der kleinen Karibikinsel Curaçao geht es um Milliarden. Mein Kollege Nikolai Atefie und ich haben dieses illegale System für das ARD-Radiofeature „Suchtgeschäft“ nachgezeichnet. Anwältinnen und Anwälte in Deutschland und Österreich klagen gegen die Karibikanbieter – aber die Prozesse dauern oft Jahre und der Erfolg ist alles andere als garantiert. Manchmal melden Casinos Insolvenz an, es werden neue Casinos eröffnet, mit neuen Adressen. Das System läuft weiter – und verlagert sich mitunter einfach in andere Länder.

Der Karibikstaat Curaçao vergibt Online-Glücksspiellizenzen, in Österreich und Deutschland sind diese allerdings nicht gültig. Vielen Casinos ist das egal. (Foto: IMAGO / Dreamstime)

Nach meiner Recherche in Deutschland habe ich den Eindruck, hier bekämpft eine kleine Behörde in Sachsen-Anhalt einen globalen Glücksspiel-Milliardenmarkt — das ist kein faires Spiel. Die Industrieplayer wissen, was sie tun, und sind meistens zehn Schritte voraus.

Und in Österreich gibt es diese Behörde noch nicht mal – sie soll erst jetzt im Zuge der Liberalisierung entstehen – also jetzt, wenn Onlinecasinos offiziell erlaubt werden sollen. Inzwischen operieren karibische Casinoanbieter relativ unbehelligt vom Staat.

Kapitel 7: Eine Art Conclusio

Das, was Österreich machen will – also die Onlinecasinos unter Auflagen erlauben – das hat Deutschland bereits gemacht. Deutschland blickt auf fünf Jahre Erfahrung zurück. Werden suchtkranke Menschen nun besser geschützt? Und gibt es weniger Menschen, die erkranken?

Die ernüchternde Antwort ist: Man weiß es nicht. Irgendwann wurde die Methodik der Erhebung geändert. Heißt: Man kann die deutschen Zahlen von früher nicht mit denen von heute vergleichen. Klar ist aber: Die Zahl der Glückspielenden, die sich sperren lassen – wohl aus gesundheitlichen Gründen – ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen: von 123.000 im Mai 2022 auf 387.000 im Mai 2026. Sie hat sich also innerhalb von vier Jahren mehr als verdreifacht.

Klar ist auch: Die deutschen Gesetze schützen die Glücksspielenden nicht so gut, wie sie eigentlich sollten: Jede und jeder kann bis zu 10.000 Euro pro Monat verlieren. Sehr einfach sogar. Ganz legal. Und ganz ehrlich: Wie viele Menschen kennst du, die sich einen Verlust von 10.000 Euro im Monat leisten können? Und wie lang können sie das?

Und dann gibt’s da noch die Glücksspielunternehmen, die in zahlreiche Gerichtsverfahren verwickelt sind. Mit Malta haben sie als Firmenstandort eine sehr wohlwollende Umgebung gefunden. Eine wilde Gemengelage.

Menschen mit Glücksspielsucht jagen oft ihren Verlusten hinterher. (Foto: Getty Images)

Was lernen wir daraus für Österreich?

Jahrelang haben illegale Onlinecasinos dafür lobbyiert, dass sie in Österreich erlaubt werden. Haben zwischenzeitlich trotzdem ihre Slots angeboten. Große Konzerne und kleinere, nunja, Marktteilnehmer.

Oder in den Worten von Simon Priglinger-Simader vom Lobbyverband Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel: „Das Ziel war schon vor zehn Jahren, das Online-Glücksspielmonopol in Österreich nach europäischen Standards zu einem Lizenzsystem umzuformen, was uns jetzt möglicherweise in Österreich auch gelingen wird.“ Die Industrie hat es geschafft, Glücksspiel im Internet zu normalisieren. Der Staat hat dem wenig entgegengesetzt.

Um wieder auf die Metapher von Folge 2 zurückzukommen: Mir kommt das ein bisschen so vor, als wenn ich jahrelang offen Drogen auf der Straße verkaufe. Und dann sage: Schau, die Leute konsumieren doch. Du musst mir erlauben, Kokain zu verkaufen. Erst dann lass ich mich überreden, dass ich maximal ein Gramm pro Person abgebe. Mach das einfach legal.

Das mag ein radikaler Vergleich sein, aber sowohl Drogen als auch Glücksspiel können eben süchtig machen. Um fair zu sein: Man kann das natürlich auch mit Marihuana statt mit Kokain durchdeklinieren. Der Konsum von Marihuana ist – wie der Konsum von Glücksspiel – so normal geworden, dass man durchaus argumentieren kann: Vielleicht ist eine Legalisierung der richtige Weg. Weil man einfach nicht drum herumkommt. Und durch die Legalisierung eben regulieren kann. Streng oder weniger streng. Aber man kann regulieren.

Der Status Quo im Glücksspiel – dass die Onlinecasinos machen, was sie wollen – ist jedenfalls unhaltbar. Da sind sich alle einig. Der Neos-Abgeordnete Christoph Pramhofer sagt, das Hauptziel der österreichischen Glücksspielreform ist, möglichst 100 Prozent der Onlinecasinos im regulierten Bereich zu haben  – wobei er weiß, dass 100 Prozent unrealistisch sind.

Der Psychologe Tobias Hayer leitet die Arbeitseinheit Glücksspielforschung an der Universität Bremen. (Foto: Kai Uwe Bohn / Universität Bremen Hochschulkommunikation)

Was wird also passieren?

Glücksspielunternehmen werden weiterhin in Zukunft im Internet Profite machen, der Staat wird dadurch mehr Steuern einnehmen. Das ist für beide gut. Und gerade in Zeiten knapper Staatskassen durchaus attraktiv. Ob es allerdings auch suchtkranken und suchtanfälligen Menschen helfen wird  – weil sie eben von den illegalen Casinos mit ihrem Riesenabgrund zu legalen Casinos mit einem möglichen Sicherheitsnetz wechseln … das kann sein, muss aber nicht sein.

Offen ist auch, wie durchsetzungsfähig eine neue österreichische Glücksspielbehörde überhaupt sein wird. Auch darauf wird es ankommen. Möglicherweise wird das alles viel zu schnell gehen und der Staat und die Zuständigen sind am Ende überfordert.

Und wenn die Anbieter jetzt legal werden, heißt das auch: mehr Werbung und auch mehr Wettbewerb. Und es gibt Forschende, die argumentieren: Wenn es mehr Glücksspielangebot gibt, spielen auch die Menschen mehr. Legal und illegal. Der Psychologe Tobias Hayer wünscht sich einen anderen Ansatz zum Glücksspiel: weg von ökonomischen Interessen, hin zu Suchtprävention und Spielerschutz.

Wird das Problem mit der Glücksspielsucht in Österreich durch die geplante Reform größer oder kleiner werden? Die ehrliche Antwort am Ende dieser Recherche: Man weiß es schlicht nicht. Oder anders formuliert: Die Politik hofft, dass die Reformen das Problem kleiner machen. Das Ganze könnte aber auch gewaltig nach hinten losgehen.

Österreichs Glückspielreform ist also selbst ein Glücksspiel – mit hohem Einsatz.

Sprecherinnen und Sprecher : Katharina Darya Ressl, Enis Bunjaku, Luca Schmidt

Audioproduktion und Sounddesign: Katharina Darya Ressl
Mixing und Mastering: Wolfram Leitner