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Vor ein paar Jahren wollte ich mit Zug, Bus und Fähre über 3000 Kilometer von Wien nach Georgien fahren. Leider werde ich schnell krank. Meine Apothekerin hat mir damals ein Nasenspray empfohlen, es soll vor virusbedingten „Verkühlungen” schützen. Es sei natürlich und ohne Nebenwirkungen, weil es auf einem Extrakt aus einer afrikanischen Rotalge basiere. Ich habe es damals gekauft und bin auf der zweimonatigen Reise tatsächlich nicht krank geworden, trotz voller Züge, trockener Klimaanlagen und eines verkühlten Mitreisenden. Statistisch gesehen irgendwie überraschend. Mittlerweile verwende ich das Nasenspray seit zwei Jahren, immer dann, wenn viele Menschen um mich herum sind, bei Konzerten, in den Öffis und auch bei der Redaktionssitzung, und ich bin erkältungsfrei.
Kann uns ein Nasenspray wirklich vor virusbedingten Erkältungskrankheiten schützen? Man hätte mehr Zeit für Freundinnen, Freunde und Familie, es gäbe weniger Krankenstände und Risikogruppen könnten sich in der Grippesaison freier bewegen. Um das herauszufinden, bin ich nach Niederösterreich gefahren.
Korneuburg ist eine etwas farblose Kleinstadt nördlich von Wien. Dort in der Hovengasse, wo die 60er-Jahre-Einfamilienhäuser in ein Industriegebiet übergehen, steht ein weißer Neubau mit Autos, die auf einer Wiese parken. Könnte eigentlich eine Wohnanlage für Speckgürtelfamilien sein, es ist aber ein Labor der Firma Marinomed. Hier wurde das Algen-Nasenspray erfunden, das vor Viren schützen soll und ziemlich erfolgreich ist: weltweit wurde es über 25 Millionen Mal verkauft.

Der Virologe Andreas Grassauer, weißes Hemd, kurze, graue Haare, begrüßt mich an einem hübschen Aquarium mit roten Anemonen und gelbem Doktorfisch. Grassauer hat das Unternehmen Marinomed vor knapp 20 Jahren mitgegründet und leitet die Geschäfte seitdem.
Er zeigt mir stolz das Labor des Unternehmens. Hier macht Marinomed In-vitro-Studien, also wissenschaftliche Experimente, die nicht am Menschen, sondern außerhalb eines lebenden Organismus durchgeführt werden, zum Beispiel an Zellen.
„Hier sehen Sie Inkubatoren, da schlafen die Zellen drinnen und werden auch kultiviert. Sie können zum Beispiel Zellen mit einem Virus infizieren, immunologisch stimulieren und dann schauen, eine Substanz dazugeben, schauen, wirkt es oder wirkt es nicht.”
Auf einem Warnschild steht „Biosafetylevel 2”. Alle lebenden Materialien müssen so behandelt werden, als wären sie infektiös. Nach den Versuchen muss jede Flüssigkeit, jede Pipette, die mit dem biologischen Material in Berührung gekommen sein könnte, sterilisiert werden.
Im Labor nebenan arbeiten zwei Mitarbeiterinnen in weißen Kitteln an einem blutigen Stück Fleisch.
„Das ist ein Teil von einem Schwein, wo wir Schweinegewebe verschiedenen Behandlungen unterziehen und schauen, ob unsere Wirkstoffe dann wirklich auch dorthin kommen, wo sie hinkommen sollen, und wenn ja, wie viel.”
Überall stehen teure Maschinen. Flüssiger Stickstoff lässt die Zeit bei -184 Grad stehenbleiben. Die Luft wird achtmal pro Stunde ausgetauscht, die Luftqualität mittels Alarmsystem überprüft. Ein Hochleistungsgeschirrspüler erinnert äußerlich an Omas altes Gerät aus den 80er Jahren, kostet aber stolze 20.000 Euro. Bei Unfällen mit Chemikalien stehen Augen- und Ganzkörperdusche direkt im Labor bereit.
Ein Hochleistungschromatograph trennt mit bis zu 1000 bar Druck Substanzen auf. Mit einer UV-Lichtschranke können Inhaltsstoffe und die Haltbarkeit eines Arzneimittels analysiert werden.
„Auch hier gibt es in der Auswertung enorme Fortschritte, was die digitale Auswertung betrifft, zum Teil auch KI-gestützt. Da gibt es sehr dynamische Entwicklungen, die es dem Operator im Labor erleichtern. Knapp 40 Jahre ist es her, dass ich meine Ausbildung an der HTL in Wels begonnen habe und das erste Chromatogramm gemacht habe, da hat man auch noch Papier ausgeschnitten und einfach abgewogen.“
Und dann gehen wir in den Kühlraum und ich sehe endlich, feinsäuberlich in Plastik verpackt, das Herzstück von Andreas Grassauers Nasenspray-Erfindung: die Alge.
„Das sind Rotalgen. Sie schauen so ein bisschen aus wie rotbräunlich. Wenn Sie am indischen Ozean gegangen sind, zum Beispiel in Sansibar oder auch auf den Philippinen oder sonst irgendwo in Afrika, wird das zum Teil kultiviert, wird dort hauptsächlich von Frauen angebaut. Es braucht ungefähr drei bis vier Wochen, bis der Salatkopf groß ist und eine schöne rote Farbe hat. Dann wird das geerntet und in einer speziellen Anlage prozessiert. Daraus wird dann eben der Rohstoff gemacht, den wir verwenden für die Nasensprays, die für die Nasensprays verwendet worden sind.“

Die Gruppe der Rotalgen (Rhodophyta) ist mit mehreren Tausend Arten in Salz- und Süßwasser sehr groß. Im Nasenspray von Virologe Andreas Grassauer kommt Eucheuma spinosum zum Einsatz. Diese Algen produzieren Carrageen, einen Stoff, der ähnlich wie die Zellulose in Pflanzen den Algen Struktur und Stabilität gibt. Eine Variante wird als E 407 bei industriellen Lebensmitteln, zum Beispiel in Joghurt, zur Verdickung eingesetzt.
Der chemische Stoff Iota-Carrageenan ist schon lange bekannt. Was Andreas Grassauer und seine Kolleginnen und Kollegen allerdings entdeckt haben, ist die antivirale Wirkung. Das funktioniert durch die physische Barriere auf der Nasenschleimhaut. Für diese Erkenntnis hat sich Marinomed sogenannte Second- Medical-Use-Patente gesichert. Man bekommt sie für bereits bekannte Substanzen, aber eben mit neuen Anwendungsbereichen. Und Grassauer hat dem wissenschaftlichen Namen Iota-Carrageenan eine werbewirksame Wortmarke verpasst, die „Carragelose”.
Wenn es viel Virenmaterial in der Atemluft gibt, zum Beispiel weil ein infizierter Mensch niest, dann versuchen die Viren auch in anderen Personen anzudocken. Bei Erkältungsviren ist die Nasenschleimhaut das größte Einfallstor. Mund, Rachen und Augen spielen seltener eine Rolle. Wir gehen weiter durch das Firmengebäude und kommen zu einer riesigen Nase im Querschnitt. Andreas Grassauer beginnt, an der Riesen-Nase zu hantieren, und nimmt kleine Bälle in die Hand, die er auf die Nasenschleimhaut anbringt.
„Ein Virus da, und ein Virus ist nichts anderes, wie eine molekulare Klette, das versucht auf der Nasenschleimhaut hängen zu bleiben, das tut es mit Rezeptoren. Aber wenn wir die Nasenschleimhaut mit einer Flüssigkeit oder mit einem Gel auskleiden, dann kann diese Klette, also der Virus, sich nicht halten, da fällt es runter. Und im Endeffekt verhindert dieses Gel, dass die Viren hängen bleiben können.”
Aber lässt sich das, was Andreas Grassauer behauptet, auch belegen? Es wurden einige Studien im Labor, also in-vitro, durchgeführt. Sie zeigen, dass sich gewisse Viren auf Carragelose tatsächlich nicht ausbreiten und nicht in Zellen eindringen können. Allerdings erlauben In-vitro-Versuche keine sicheren Rückschlüsse auf klinische Effekte am Menschen.
Klinische Studien hingegen, also Tests am Menschen, gibt es nur wenige, und die Studien haben wenige TeilnehmerInnen. Ein Beispiel: In drei Kliniken in Argentinien haben insgesamt knapp 400 gesunde Spitalsangestellte mit Covid-PatientInnen gearbeitet. Während 21 Tagen hat die eine Hälfte des medizinischen Personals ein Carragelose-Nasenspray verwendet, die andere Hälfte ein Placebo. Mit dem Rotalgenextrakt in der Nase haben sich nur ein Prozent an Covid angesteckt, ohne sind fünf Prozent erkrankt. Das ist ein signifikanter Unterschied, die Aussagekraft ist aber Auslegungssache. Wenn man die Studienergebnisse positiv deuten will, könnte man sagen, das Nasenspray führte zu einer Reduktion von satten minus 80 Prozent Ansteckungen. Aber in absoluten Zahlen gibt es nur eine sehr geringe Belastbarkeit: zwei Angesteckte mit Rotalge und zehn Ansteckungen ohne. Die Datenlage ist also mau.
Ich rufe bei Professor Ulrich Schubert an, er ist molekularer Virologe am Virologischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er forscht an respiratorischen Viren wie SARS-CoV-2 und auch an der antiviralen Wirkung von Carragelose.
Ulrich Schubert legt offen, dass seine Arbeit unter anderem von Marinomed finanziert wird. Als Wissenschafter sei er aber dem international gültigen Conduct of Science verpflichtet und nicht den Interessen eines Unternehmens.
„Dazu zählt, dass man unparteiisch ist, dass man das, was man sieht und misst, nicht selektiv zur Publikation bringt, wir lassen nicht irgendwelche Ergebnisse unter den Tisch fallen und werden auch durch Förderungen von staatlicher Seite finanziert, damit kann gar keine Manipulation stattfinden.“
Der Experte sagt, dass die Carragelose aus den Rotalgen unspezifisch zu wirken scheint.
„Es ist nicht so, dass die Carragelose an einen bestimmten Rezeptor, an ein bestimmtes Protein bindet. Es gibt da keine spezifische Wechselwirkung, sondern es ist eher eine relativ unspezifische elektrostatische Wechselwirkung. Und dadurch lässt sich vielleicht auch erklären, warum es mit fast ähnlicher Effizienz sowohl das Influenza-A-Virus als auch SARS-CoV-2 hemmt.”
Schubert nimmt das Beispiel Corona. Wenn man exponiert ist, zum Beispiel in den Öffis mit vielen Menschen, würde sich das Algen-Nasenspray lohnen, weil es vorbeugend helfen würde, dass weniger Viren über die Nasenschleimhaut eindringen und sich im Körper vermehren könnten.
„Man weiß allgemein, dass es eine gewisse Zeit dauert, selbst wenn Sie schon mehrfach mit SARS-CoV-2 infiziert wurden, bevor das Immunsystem aktiviert und hochgefahren ist. Und das ist, wenn ich das jetzt mal so einfach versucht habe auszudrücken, vielleicht die hauptsächliche Wirkung, diese attimulierende Wirkung, diese abschwächende Wirkung, dass man dem Immunsystem einen Vorlauf gibt. Und deswegen sollte man das früh nehmen, also prophylaktisch nehmen. Also wir würden niemals behaupten, dass die Anwendung der Iota-Carragelose vor einer Infektion mit einem bestimmten respiratorischen Virus hundertprozentig schützt. Es bewirkt lediglich, dass weniger Viren eine erfolgreiche Infektion initiieren können.”
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeine und Krankenhaus-Hygiene e. V. empfiehlt seit 2020 Carragelose-Nasensprays der allgemeinen Bevölkerung zur Prophylaxe gegen Covid. Die österreichischen Kollegen enthielten sich bei einer Empfehlung damals, auf Anfrage von JETZT heißt es: „Wegen der eher dürftigen Studienlage”.
Professor Schubert war übrigens recht skeptisch, mir ein Interview zu geben. Öfter wurde er in ein unseriöses Licht gerückt, weil Arzneimittel und Stoffe aus Pflanzen schnell mit Quacksalberei gleichgesetzt werden.
„Was nicht so positiv ist, ist die Tatsache, dass sich im Bereich der Naturstoffe und der Nahrungsergänzungsmittel auch viele Scharlatane tummeln, die ohne substanzielle Forschung, ohne entsprechende klassische, richtige Experimente an Naturstoffe Claims heften, die manchmal nicht validiert sind. Somit haben viele dieser Entwicklungen auch den Mythos, dass es sich nur um Hokuspokus handelt. Und man wird dann mit Naturstoffen, das habe ich selber beobachtet, eben nicht so ernst genommen. Die Leute versuchen, mit allen möglichen Sachen und allen möglichen Behauptungen Geld zu verdienen, das wiederum stört die seriöse Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet.”
Schuberts Forschung zeigte in vitro, dass Carragelose auch gegen SARS CoV-2-Viren schützen kann. Und das brachte ihm Gegenwind.
„Und es kamen auch Vorwürfe, die hießen, damit spielst du ja den Impfgegnern in die Hände. Das hat mich sehr verletzt, das muss ich ganz ehrlich sagen. Wir haben dann in einem Fall keine öffentliche Förderung mehr bekommen. Auf der anderen Seite haben wir so viele anerkennende Worte bekommen, es gibt ja auch Menschen, die konnten sich nicht impfen lassen. Und denen hat natürlich die Carragelose geholfen, sie haben damit ein Produkt in der Hand, mit dem sie sich schützen können.”
Der Virologe Ulrich Schubert sagt, es gebe viel zu wenig Geld für die Forschung an Naturstoffen, und dadurch gebe es in dem Bereich oft nur kleine Studien.
„Hinsichtlich der Anerkennung wäre es natürlich sehr vorteilhaft, wenn es ein Zulassungsverfahren und mehrere klinische Studien gegeben hätte, die in multizentrischer Form gezeigt hätten, dass es tatsächlich mit einer Effizienz von so und so viel Prozent eine Infektion verhindert. Das wäre natürlich sehr wünschenswert, aber diese Studien bezahlt keiner.”
Zurück nach Korneuburg, in den Hauptsitz der Firma Marinomed. Auch Andreas Grassauer sieht die Probleme bei der Finanzierung von Studien.
„Also so eine Studie kostet locker 20, 30 Millionen Euro. Und wir hatten zu dem Zeitpunkt mit Carragelose nicht einmal 10 Millionen Umsatz. Das heißt, das kriegst du als kleines Unternehmen nicht gebacken. In den USA ist das anders. Wenn es ein nationales Interesse gibt, dann sind die Amerikaner mit ihren nationalen Programmen, mit dem DARPA-Programm oder den NIH-Grants, deutlich im Vorteil gegenüber uns. Weil es dort auch für größere oder frühe klinische Studien öffentliches Geld gibt, beziehungsweise Unterstützung bei der Durchführung vom Militär. Da kann man schneller zeigen, ob ein Wirkstoff für gewisse Patienten sinnvoll ist.”
Nasensprays mit Iota-Carrageenan gibt es übrigens nur in der Apotheke zu kaufen, es sind aber keine Arzneimittel (also Medikamente im klassischen Sinne), sondern sogenannte Medizinprodukte. Der Algenextrakt Iota-Carrageenan ist keine aktive Substanz, die der Körper verstoffwechselt, sondern lediglich eine physikalische Barriere. Die Zulassungskategorie „Medizinprodukt” beinhaltet auch Wundverbände und Fieberthermometer und gilt als weniger streng reguliert. Andreas Grassauer sagt, dass eine Zulassung als Arzneimittel gar nicht möglich wäre. Viele Punkte bei einem Antrag, darunter Pharmakokinetik, Pharmakodynamik, systemische Wirkung, könnte er gar nicht ausfüllen.
„Ich würd’s mit einer Atemwegsmaske vergleichen. Es gibt halt eine flüssige Maske, die man halt in die Nase sprüht oder in den Hals oder vielleicht eine leichte Lutschpastille nimmt. Es legt sich auf die Schleimhaut, wie eine erweiterte Maske. Dann sagt die Behörde zu Recht: Das ist ein Medizinprodukt. Nein, es ist kein hundertprozentiger Schutz, ganz klar. Es werden Leute trotzdem krank werden, aber es ist eine zusätzliche Barriere. Mehr ist es nicht.“
Auch mit kleinen Studien darf man in Österreich mit gesundheitsfördernden Eigenschaften für Medizinprodukte werben. Nasensprays mit Carragelose einer österreichischen Marke werben folgendermaßen: „Kann das Risiko einer viralen Infektion und die Virusverbreitung stark reduzieren”.
Carragelose-Nasensprays, entwickelt in Korneuburg, wurden bisher über 25 Millionen Mal verkauft, in dreißig Ländern, von Neuseeland bis nach Kuwait. Marinomed selbst hat die Rezeptur an andere Firmen lizenziert und vertreibt selbst keine Produkte. Produziert wird von Lohnherstellern in Österreich, Frankreich und der Türkei. Auch antivirale Lutschpastillen und befeuchtende Augentropfen werden mit dem Stoff aus der Rotalge hergestellt. Derzeit wird an Augentropfen gegen Pollenallergien geforscht.
Anfang des Jahres verkaufte Marinomed die Patente und die Marke von Carragelose an den französischen Pharmakonzern Unither. Der Kaufpreis ist abhängig vom weiteren Erfolg des Produkts, mindestens 5 Millionen Euro und bis zu 20 Millionen kann es der Korneuburger Firma bringen. In Amerika hat der Kosmetikriese Procter&Gamble (P&G) die Lizenz für Carragelose erworben und wartet derzeit auf eine Zulassung von der US-Behörde Food and Drug Administration (FDA).
Ist Carrageenan in Lebensmitteln gefährlich?
Immer wieder stoße ich bei der Recherche auf Artikel, die behaupten, dass Carrageenan in Lebensmitteln vielleicht auch gefährlich ist. Du erinnerst dich, es wird als E 407 als Verdickungsmittel zum Beispiel in Joghurts eingesetzt. Es gibt Studien, bei denen Lambda-Carrageenan, also ein anderer Subtyp als im Nasenspray, über langen Zeitraum in hohen Mengen an Tiere verfüttert wurde, was zu Entzündungen im Verdauungstrakt führte.
Gibt es auch Gefahren beim Algennasenspray? Der neue Eigentümer Unither antwortet via E-Mail: „Bei dem Inhaltsstoff im Nasenspray handelt es sich um Iota-Carrageenan, es ist ein größeres Molekül als Lambda-Carrageenan und nicht entzündungsfördernd. Es wird lokal auf der Nasenschleimhaut aufgetragen und nicht vom Körper absorbiert. Bei einem mehrjährigen Beobachtungszeitraum mit 8 Millionen verkauften Einheiten hat es lediglich zwei dokumentierte Beschwerden gegeben.”
Eine Analyse von mehreren bestehenden Forschungsergebnissen, publiziert im Medicine and Pharmacy Reports von der Universität Cluj-Napoca, bestätigt die Sicherheit des Nasensprays, es seien aber auch noch umfangreiche klinische Studien erforderlich, um eine solide wissenschaftliche Basis für die Wirksamkeit bei Erkältungskrankheiten zu schaffen. „Das Konzept einer physikalischen Barriere, die das Eindringen von Viren in Epithelzellen der Nasenschleimhaut verringern kann, ist jedoch vielversprechend und könnte zu alternativen Ansätzen mit positiven Auswirkungen auf die globale Gesundheit führen.”
Zurück zu unserer Frage. Sind die Versprechen des Nasensprays also zu schön um wahr zu sein? Ich kann sie leider nicht endgültig klären und ich selbst finde das auch etwas unbefriedigend. Einerseits ist die klinische Studienlage der Carragelose-Nasensprays dünn, andererseits wurden 25 Millionen Stück weltweit verkauft. Spricht das für die Wirkung? Nicht unbedingt. Red Bull ist auch sehr erfolgreich und es verleiht trotzdem keine Flügel. Was ich aber gelernt habe: Der Algenextrakt zeigt in vitro klar, dass gewisse Viren nicht andocken und sich nicht vermehren können. Gleichzeitig gibt es wenige und zu kleine klinische Studien am Menschen. Ein Grund dafür ist das fehlende Geld für die Forschung, in den USA ist das anders. Auch ein gewisses Misstrauen in der Allgemeinheit gegenüber pflanzlichen Arzneimitteln und Naturstoffen spielt eine Rolle, obwohl damit seriös geforscht wird und es großes Potenzial gibt.
*Wenn du noch mehr zu Carragelose erfahren möchtest, empfehle ich eine kritische Bewertung von Medizin Transparent, eine positive Beurteilung der Deutschen Apothekerzeitung und einen wissenschaftlichen Beitrag von Prof. Schubert. Das zeigt auch, dass kleine Studien sehr unterschiedlich bewertet werden können. Ich freue mich, von dir zu hören mit konstruktiver Kritik, Ideen für Recherchen und natürlich: Tipps bei Verkühlungen. Drei Tipps habe ich die unten selbst angehängt.
Sounddesign und Audioproduktion: Katharina Darya Ressl
Mixing und Mastering: Patrik Haas
