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20. Februar 2026

Nach dem Großglockner-Prozess: Was das Urteil für Freizeitsportler bedeutet


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Selbst Berg- und Skiführer werden selten angeklagt und noch seltener verurteilt, wenn es auf dem Berg zu einem Unglück kommt.

Rechtzeitig Hilfe geholt: Ein Bergrettungseinsatz wegen Erschöpfung beim Anstieg zum Großglockner. (Foto: APA-Images / EXPA / Bergrettung Kals)

Gestern ist am Landesgericht Innsbruck der 37-jährige Salzburger schuldig gesprochen worden, dessen Partnerin im Jänner 2025 auf dem Großglockner erfroren ist. Das Urteil lautet fünf Monate bedingte Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe von 9.600 Euro. Noch ist es nicht rechtskräftig. Der Salzburger ist kein ausgebildeter Bergführer, aber die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass er als „Führer aus Gefälligkeit“ zu werten ist, weil er wesentlich erfahrener als seine Partnerin gewesen sein soll.

In Zeiten, in denen immer mehr Menschen in die Berge gehen: Könnte so etwas öfter vorkommen? Wie verändert sich der Bergsport und was bedeutet das für Einsatzkräfte? Und wenn wir auf den Berg gehen: Was müssen wir beachten, um möglichst zu vermeiden, in eine Situation zu geraten, in der es um Leben und Tod geht?

Der Berg- und Skiführer Gerhard Mössmer hat mit mir darüber gesprochen. Er arbeitet beim Alpenverein und ist dort in der Abteilung Bergsport für Ausbildung und Sicherheit verantwortlich.

Foto: privat

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Selbst Anklagen von professionellen Berg- und Skiführern sind außergewöhnlich. Dass bei diesem Prozess ein privater Bergsportler zur Verantwortung gezogen wurde, war deshalb besonders ungewöhnlich. Das Urteil ist speziell für ehrenamtliche Bergführer und -führerinnen spannend.
  • Mit einer wesentlichen Verschiebung der Verantwortung weg vom Individuum hin zu der erfahreneren Person rechnet Mössmer dennoch nicht. Er glaubt, dass der Prozess eine Ausnahme bleiben wird. Aber, wenn man etwa als erwachsene Person mit Jugendlichen unterwegs ist oder eben mit einer deutlich unerfahreneren Person, muss man sich dessen bewusst sein, dass man Verantwortung trägt – und dass das im Ernstfall auch entsprechend bewertet werden könnte.
  • Häufig sind Ehrgeiz, Selbstüberschätzung und schlechte Planung der Grund dafür, dass Menschen in Bergnot geraten. Die Witterungsverhältnisse werden in der Regel recht gut wahrgenommen.
  • Wer als unerfahrenere Person Teil einer Tour ist, soll unbedingt mit der erfahreneren Person kommunizieren, auf einer machbaren Tour bestehen und sich nicht blind auf diese verlassen.
  • Social Media inspiriert viele Menschen dazu, in die Berge zu gehen – was an sich sehr schön ist. Aber sie sehen dann nur die schönen Bilder und nicht den Aufwand beziehungsweise die Fähigkeiten, die es braucht, um zu einem gewissen Ziel zu kommen.
  • Sogenannte Blockierungen haben in den vergangenen Jahren zugenommen, also Situationen, in denen Menschen auf dem Berg weder vor noch zurück können. Während beispielsweise die Zahl der tödlichen Unfälle mehr oder weniger gleich geblieben ist.
  • Weil aber insgesamt mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind, steigt die Anzahl der Einsätze für Rettungs- und Bergungskräfte. Auch die Situationen, in denen Menschen gerettet werden müssen, verändern sich. Teils müssen sehr schlecht ausgerüstete Menschen geborgen werden. Oder es wird erst in der Nacht ein Notruf abgesetzt, wenn der Helikopter nicht mehr fliegen kann und der Einsatz mühsamer ist.
  • Für alle, die in den Bergen unterwegs sind, gilt: lieber früher als später Hilfe holen. Im Zweifelsfall kann das Leben retten. Sobald Einsatzkräfte alarmiert sind, sollte man an einem sicheren Ort Schutz suchen und darauf achten, dass man nicht auskühlt. Auf keinen Fall sollte man aus Verzweiflung die „Flucht nach vorn“ antreten. Denn genau so kommt es dann zu einer sogenannten Blockierung oder man ist irgendwann völlig erschöpft.

Noch mehr Details zur rechtlichen Einordnung kannst du im ZiB2-Interview mit dem Alpinjuristen und ehemaligen Staatsanwalt Robert Wallner hören.


Ich hoffe, du bist heute gut durch den Schnee gekommen!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team