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10. September 2026

Was tun gegen Desinformationskampagnen?


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In den letzten Wochen hat man immer wieder Berichte gelesen, in denen es um sogenannte Desinformationskampagnen geht. Auch aktuell vor den Wahlen in Deutschland sind gefälschte Videos und Deepfakes im Internet kursiert , die so aussehen, als würden sie von seriösen Medien und von öffentlich Rechlichen Sender kommen.

Foto: IMAGO / Dreamstime

In diesen Videos hört man beispielsweise Aussagen von deutschen Politikern und Politkerinnen, die sie so nie wirklich gesagt haben.

Desinformationskampagnen beschränken sich aber nicht nur auf Deutschland. Auch der Premierminister von Spanien, Pedro Sanchez macht Desinformationskampagnen ausgehend von Russland oder Israel für die Fluchbewegung auf Ceuta verantwortlich. Er beruft sich dabei auf Erkenntnissen vom Diplomatischen Dienst der EU. Und in Frankreich gibt es im Vorfeld von den Präsidentschaftswahlen nächstes Jahr ebenfalls schon gezielte Kampagnen gegen gewisse Kandidatinnen und Kandidaten.

Wie entstehen solche Desinformationskampagnen, was bewirken sie und wie gehen wir als Gesellschaft damit um?

Dazu spreche ich mit Markus Schwinghammer. Er beschäftigt sich mit hybriden Bedrohungen im Informationsraum, insbesondere im Bereich Desinformation. Als Gründer und Lead Analyst von Disinfo Consulting berät er NGOs, Unternehmen und Entscheidungsträger:innen beim Aufbau langfristiger Resilienz gegenüber Desinformationskampagnen.

Zuvor war er im österreichischen Bundeskanzleramt tätig, wo er sich auf die Bekämpfung hybrider Bedrohungen (insbesondere ausländischer Informationsmanipulation und -einmischung (FIMI)) spezialisierte. In dieser Rolle arbeitete er eng mit Partner:innen der EU-27 zusammen, unterstützte intergouvernementale sowie EU-Gremien und verfasste Lageeinschätzungen für Entscheidungsträger:innen zu Risiken durch Informationsmanipulation (u. a. während der NR und EP Wahl 2024). Markus Schwinghammer hat Politikwissenschaften und Kommunikationswirtschaft studiert.

Markus Schwinghammer ist Gründer und Lead Analyst von Disinfo Consulting. (Foto: Antje Wolm)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Interview:

  • Fake News“ war gestern: Der Begriff „Fake News“ ist politisch aufgeladen und unpräzise. Fachlich unterscheidet man mittlerweile zwischen Desinformation (gezielt falsch mit Schadensabsicht), Misinformation (unwissentliche Weitergabe) und Malinformation (echte Inhalte, gezielt aus dem Kontext gerissen). Eine Desinforamtionskampagne zeichnet aus, dass gewisse Akteur:innen Inhalte koordinieren, um über einen längeren Zeitraum strategische Ziele zu verfolgen.

  • Strategie der Überlastung und Verschleierung: Kampagnen wie Matrioschka bzw. Overload überladen Faktenchecker:innen und Medien gezielt mit falschen Inhalten, um ihnen möglichst viel Ressourcen wegzunehmen.

  • Desinformationskampagnen können nur schwer eindeutig zugeordnet werden. Nicht nur aus diplomatischen Gründen, sondern auch, weil Angreifer über Drittstaaten und/oder „Strohfirmen” arbeiten.

  • Abwehr und Ursachen: Technische Lösungen und das Löschen von Inhalten allein reichen nicht aus. Desinformation kann extrem günstig und schnellerstellt werden. Die Abwehr ist allerdings sehr teuer und zeitintensiv. Desinformation wirkt vor allem dort, wo bereits tiefes Misstrauen in Politik und Medien oder Unsicherheiten aufgrund von sozioökonomischen Faktoren bestehen.

  • Lösungsansätze: Es gibt keine einfache Lösung. Was es braucht sind der Aufbau einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz, transparente politische Kommunikation, kritische Kontextualisierung von Inhalten und ein kontinuierlicher Dialog auf Augenhöhe mit der Bevölkerung.


Aber mich würd jetzt natürlich auch deine Meinung interessieren. Was machst du, wenn jemand in deinem Umfeld etwas glaubt, das nachweislich nicht stimmt?
Und wie schafft man es, trotzdem miteinander zu reden?

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Simon Altorff

B-Seite-Team