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19. Februar 2026

Prozess gegen Meta und Google: Soziale Netzwerke als Suchtmittel? Die Wissenschaft sieht Hinweise darauf


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Meta-Chef Mark Zuckerberg sagte vor Gericht zum Suchtpotential seiner Plattform Instagram aus. (Foto: Imago/Anadolu)

In Kalifornien wird gerade verhandelt, ob Meta und Google ihre Plattformen Instagram und YouTube wissentlich so gestalten, dass Menschen süchtig werden – auch Kinder. Eine mittlerweile 20-jährige Nutzerin hat die bekanntesten Plattformen verklagt, die im Wesentlichen über Bilder beziehungsweise Videos funktionieren: Instagram, YouTube, Snapchat und TikTok. Snapchat und TikTok haben sich verglichen und sind damit einer Verhandlung aus dem Weg gegangen.

Ob Letztere nun Teil des Prozesses sind oder nicht: Er gilt als wegweisend. Was dabei herauskommt, müssen wir abwarten. Aber inzwischen schauen wir uns an, welche Erkenntnisse die Wissenschaft zum jetzigen Zeitpunkt dazu hat, wie sich die Nutzung sozialer Medien und viel Zeit vor Bildschirmen auf Kinder und Jugendliche auswirken, inwieweit sie Suchtpotenzial haben – und was noch erforscht werden muss.

Dazu habe ich mit Martin Korte gesprochen. Er ist Professor für zelluläre Neurobiologie an der Technischen Universität Braunschweig.

Martin Korte ist Professor für zelluläre Neurobiologie an der Technischen Universität Braunschweig. (Foto: privat)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • In der Verhandlung in den USA ist die Herausforderung, nachzuweisen, dass es sich bei der Nutzung von Social Media um Suchtverhalten handelt. Bei anderen Süchten, wie Substanz- oder Spielsucht, ist das entscheidende Kriterium, dass die Menschen in ihrer Lebensentfaltung und -gestaltung so stark beeinträchtigt und eingeschränkt werden, dass es gesundheitliche Folgen hat.
  • Die Unternehmen hinter den Plattformen sind jedenfalls daran interessiert, ihre Nutzer und Nutzerinnen lange bei sich zu halten. Sie simulieren dafür soziale Interaktionen und sorgen dafür, dass unser Belohnungssystem im Gehirn bedient wird. Das wird umso stärker aktiviert, je überraschender positive Impulse sind und je mehr Erwartung auf einen positiven Reiz sich in uns aufbaut – wie etwa bei Spielautomaten wie dem einarmigen Banditen.
  • Die Warnung vor zu hoher Social-Media- und Bildschirmnutzung ist kein Unkenruf älterer Generationen. Die wachsende Zahl an Jugendlichen mit Depressionen und Angststörungen, eine sinkende Sprach- und Lesekompetenz – all das korreliert mit der steigenden Nutzung von sozialen Netzwerken. Inwieweit es hier auch einen direkten Zusammenhang gibt, muss geprüft und erforscht werden. Schon jetzt ist mit bildgebenden Verfahren nachgewiesen worden, dass Kleinkinder, die mehrere Stunden am Tag vor Bildschirmen verbringen, ein weniger ausgeprägtes Sprachzentrum im Gehirn haben. Junge Gehirne können außerdem den emotionalen Gehalt vieler Videos nur schwer interpretieren. Ihre Geschwindigkeit ist viel zu hoch. Das führt dazu, dass ihre Gehirne übersensibel auf sensorische Signale reagieren. Es gibt also messbare strukturelle Veränderungen im Gehirn, die nicht mit sogenannten Lernanpassungen zu vergleichen sind. Lernanpassungen sind Veränderungen in der Gehirnstruktur, die passieren, wenn wir etwas besonders intensiv oder oft machen. Das ist dann lediglich eine Art Fingerabdruck auf der bereits grundlegend ausgeprägten Hirnstruktur. Bei den Auswirkungen auf Jugendliche muss noch mehr geforscht werden.
  • Kinder und Jugendliche sind erwiesenermaßen empfänglicher für Suchtreize. Die Kontrolle der Belohnungszentren im Gehirn ist noch nicht so effektiv. Erwachsene können hingegen kurzfristige Belohnungen gegenüber einem langfristigen Ziel eher aufschieben.
  • Soziale Medien sind in mancherlei Hinsicht ein Gewinn für Kinder und Jugendliche. Wie jede Generation auch wollen sie für sich in Anspruch nehmen, selbst zu bestimmen, wie und mit wem sie kommunizieren. Aber es müssen Jugendschutzkriterien eingebaut und durchgesetzt werden. Damit wäre es möglich, dass sie jugendgerechter werden.

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Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team