Morgenüberblick

4. September 2026

Russland lockt Zivilisten mit Geld zur Sabotage


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Guten Morgen ,

und einen wunderschönen Freitag aus dem Funkhaus in Wien!

Die Vorfälle rund um den Flughafen in Leipzig waren wohl das Thema der Woche und werden es wahrscheinlich auch noch bleiben. Man hat ja schon in den letzten Monaten immer öfter Berichte gelesen, in denen es zum Beispiel um Desinformationskampagnen geht, um Botnetzwerke auf Social Media oder eben auch Grenzüberschreitungen in der realen Welt.

Polen könnte von mutmaßlich fehlgeleiteten Drohnen, Raketen und Luftraumverletzungen ein Lied singen.

Von mir hörst du heute allerdings kein Lied. Mein Name ist Simon Altorff. Heute ist Freitag, der 4. September, und das ist dein Morgenüberblick von JETZT.

Löschpulver bedeckt Rohre und den Boden neben Baucontainern hinter einem Bauzaun, nachdem es in der Nacht zu einem Brandanschlag in München gekommen war. Später wurden zwei Tatverdächtige festgenommen. Foto: IMAGO / Anadolu Agency

Dänischer Geheimdienst: Russland wirbt Dänen für Sabotagepläne an
Es fängt eigentlich ganz harmlos an. Du bist am Handy oder vorm Computer, bist auf einer Spieleplattform unterwegs oder auf Social Media. Plötzlich eine Nachricht. Jemand bietet dir Geld an – gar nicht mal so wenig. Die Person aus dem Internet will einfach nur ein Foto. Und zwar ein Foto von einem Firmengelände. Was du zu dem Zeitpunkt vielleicht nicht weißt: Du hilfst gerade Russland bei der Vorbereitung für einen Sabotageakt.

Genau so beschreibt es zumindest der Leiter der Spionageabwehr vom dänischen Geheimdienst, Emil Gresholm. In einem Interview mit der Zeitung Berlingske warnt er Menschen in Dänemark davor, Russland bei Sabotageakten gegen heimische Rüstungsunternehmen zu unterstützen. Egal ob absichtlich oder unabsichtlich. Gresholm sagt, es sei äußerst schwerwiegend, wenn Privatpersonen den russischen Geheimdiensten helfen.

Russland bestreitet zwar, sich an hybrider Kriegsführung zu beteiligen. Der Leiter der dänischen Spionageabwehr warnt aber, dass Russland genau solche Sabotageakte gegen Rüstungsbetriebe in ganz Europa plant und ausführt.

Brandanschlag auf Rüstungsunternehmen in München
Wie das dann konkret aussehen könnte, hat man eventuell gerade erst in der Nacht auf Donnerstag in München gesehen. Gegen Mitternacht haben zwei Personen Brandsätze aus einem fahrenden Auto geworfen. Ziel dürften offenbar Gebäude und Baustellen von Rüstungs- und Sicherheitsfirmen gewesen sein. Davon geht gerade der bayerische Innenminister Joachim Herrmann aus.

Ein Zeuge hat den Vorfall beobachtet und die Polizei gerufen. Kurze Zeit später hat die Polizei zwei Personen an einer Tankstelle festgenommen. Es handelt sich um zwei Menschen aus Bulgarien – die schweigen bis jetzt allerdings. Der bayerische Innenminister geht aber in jedem Fall von einer politisch motivierten Tat aus und warnt, dass so etwas jeden Tag an einem anderen Ort in Deutschland wieder passieren könnte.

Der deutsche Verfassungsschutz warnt jedenfalls seit Sommer schon vor russischer Sabotage gegen Rüstungsunternehmen. Er hält aber auch linksextreme Täter für möglich.

Wer letztendlich wirklich dahintersteckt, wissen wir mit Stand Freitagfrüh einfach noch nicht.
Neben Warnungen aus Dänemark und den ganzen Vorfällen in Deutschland stellt sich natürlich auch die Frage, wie es in Österreich aussieht. Ziel einer Drohne oder von Brandanschlägen war Österreich bis jetzt noch nicht.

Wie ist die Situation in Österreich?
Nach den Erkenntnissen über den fehlgeschlagenen Drohnenangriff am Flughafen Leipzig hat Außenministerin Beate Meinl-Reisinger den russischen Botschafter einbestellt. Am Rande einer Pressekonferenz mit dem jordanischen Außenminister Safadi sagt Meinl-Reisinger:

„Also zunächst möchte ich sagen, dass die zunehmenden hybriden Angriffe auf europäische Staaten von russischer Seite sehr bedrohlich sind und inakzeptabel sind. Ich finde es daher gut und wichtig, auch dass Deutschland diese Attribuierung vorgenommen hat und auch die Europäische Union sehr klar, die Länder der Europäischen Union sehr klar auch diesen Angriff verurteilt haben.“

Aus dem Außenministerium heißt es außerdem, dass der österreichische Informationsraum gerade massiv unter Druck steht. Gemeint sind damit zum Beispiel automatisierte Konten – also Bots – auf der Plattform X. Dort verbreiten sie gezielt russische Erzählungen unter Postings vom Bundeskanzler oder von der Außenministerin. Gerade seit der Übernahme von Elon Musk ja auch keine besonders große Überraschung.

Den Grünen reicht das allerdings nicht. Sie fordern eine klare Strategie gegen Russlands hybride Kriegsführung und einen Russland-Untersuchungsausschuss. Die Regierung will in den nächsten Wochen ihre Sicherheitsstrategie präsentieren.

Mir gibt bei dieser Meldung vor allem die Warnung vom dänischen Spionageabwehrchef zu denken. Ich hab da oft dieses klassische Bild von einem Geheimagenten im Kopf, der höchstprofessionell vorgeht und sich monatelang auf so eine Sabotage vorbereitet. Die ganze Planung passiert auch. Aber ausgeführt werden viele Schritte dann einfach nur von Leuten, die übers Internet genug Geld angeboten bekommen haben. Wie vielleicht ja auch beim Brandanschlag in München.

Todesurteil für 27-jährigen im Iran
Aber bleiben wir noch kurz in München. Dort hat im Februar eine Kundgebung von Reza Pahlavi stattgefunden – also dem Sohn des 1979 gestürzten iranischen Schahs. Auf der Bühne ist auch ein junger Mann gestanden. Der 27-jährige Ali Sarei. Am Donnerstag ist er von einem iranischen Gericht zum Tode verurteilt worden.

2022 war er bei den landesweiten Protesten unter dem Motto „Frau. Leben. Freiheit“ dabei. Sicherheitskräfte haben damals Waffen mit Schrotkugeln benutzt und in die Menschenmengen geschossen. Viele von den Protestierenden haben damals ihr Augenlicht verloren. Auch Ali Sarei hat sein rechtes Auge verloren. Er konnte damals nach Deutschland flüchten und wurde dort auch medizinisch behandelt. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Internationale Gesellschaft für Menschenrechte – kurz IGFM.

Aber zurück zur Kundgebung in München Ende Februar 2026. Auf der Bühne hat er sich bei Reza Pahlavi bedankt und gerufen: „1979 ist vorbei … lang lebe der Schah“. Laut der IGFM – also dieser Menschenrechtsorganisation – ist Sarei kurz danach aus persönlichen Gründen in den Iran zurückgekehrt. Dort angekommen wurde er sofort festgenommen. Am Donnerstag hat ihn ein iranisches Gericht zum Tod durch Erhängen verurteilt. Der Vorwurf lautet „Korruption auf Erden“. Ein Urteil, das in den letzten Wochen mindestens 30 Menschen hören mussten, bevor sie vom iranischen Regime hingerichtet wurden.

Iran wirft USA Kriegsverbrechen vor
Und genau dieses Regime hat am Donnerstag den USA Kriegsverbrechen vorgeworfen. Am Dienstag haben die USA ja wieder den Iran angegriffen. Nach Angaben der USA allerdings nur militärische Einrichtungen.

Iranische Medien berichten aber, dass bei den US-Angriffen auch ein Gebäude in Sirik an der iranischen Küste getroffen wurde. In dem Gebäude hat zum gleichen Zeitpunkt gerade eine Hochzeit stattgefunden. Mindestens vier Menschen wurden bei dem Angriff getötet – darunter auch ein Kind. Der Chef der Revolutionsgarde hat jetzt Rache angekündigt.

In der Nacht auf Freitag hat sich jetzt auch US-Vizepräsident JD Vance dazu geäußert. Er lässt die Berichte untersuchen, kündigt er an. Zeitgleich zeigt er sich aber skeptisch und meint, dass die iranischen Staatsmedien in diesem Krieg bisher nicht besonders zuverlässig berichtet haben.

Nur kommen die Berichte nicht nur aus iranischen Staatsmedien. Während ich an dieser Meldung geschrieben habe, ist um ein Uhr früh noch eine Meldung reingekommen. Die Nachrichtenagentur Reuters hat vier Waffenexperten Bilder und Videos von der Hochzeit vorgelegt. Drei von ihnen sagen, es handelt sich sehr wahrscheinlich um Munition aus den USA. Und der Einschlag war demnach direkt. Eine fehlgeleitete iranische Rakete schließen sie weitgehend aus.

Von den Waffenexperten wusste Vance am Donnerstag noch nichts. Trotzdem war er sich bei einer Sache so sicher, dass ich hellhörig geworden bin:

„Was ich mit 100-prozentiger Sicherheit sagen kann, ist, dass die USA im Gegensatz zur iranischen Revolutionsgarde niemals Zivilisten ins Visier nehmen. Das werden wir niemals tun. Das haben wir noch nie getan. Und leider passieren natürlich manchmal Dinge.”

An der Stelle möchte ich kurz nochmal zurück zum Kriegsbeginn: Ende Februar wurde im Iran eine Mädchenschule bombardiert. Dabei sind damals rund 170 Schülerinnen und Lehrer getötet worden. Unabhängige Recherchen sind mittlerweile zu dem Ergebnis gekommen, dass wahrscheinlich die USA dafür verantwortlich sind.

Ja und weil die USA den Krieg gegen den Iran ja nicht alleine führen, hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu noch einmal betont, dass der Sturz der iranischen Führung die wichtigste Aufgabe ist, die noch vor ihnen liegt. Laut Netanjahu ist die Führung in Teheran so schwach wie noch nie und der Sturz ist nahe.

Stürzen müssten dieses Regime aber die Menschen im Iran. Also genau die Menschen, die von ihrem Regime gerade hingerichtet werden und auf die von außen Bomben fallen.

Und zum Schluss möchte ich dir jetzt aber noch die neue Geschichte von Wolfgang Rössler empfehlen. Und die ist für dieses Wochenende besonders relevant. In Sachsen-Anhalt finden am Sonntag nämlich Landtagswahlen statt. Aktuellen Umfragen zufolge könnte die rechtsextreme AfD dabei einen Erdrutschsieg feiern – möglicherweise sogar mit der absoluten Mehrheit für den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Wolfgang zieht Parallelen zu Jörg Haiders Aufstieg in Kärnten vor fast vier Jahrzehnten und fragt, ob Siegmund am Leben der Menschen im Bundesland tatsächlich etwas verbessern könnte – oder ob ihm dafür schlicht das politische Handwerk fehlt.

Und ein kurzer Hinweis zur Geschichte: Beim Audiofile von Wolfgangs Geschichte hat es eine kurzfristige Änderung gegeben. Deshalb kommt das erst im Laufe des Vormittags.

Lesen kannst du die Geschichte aber sofort. Und zwar wie gewohnt in der JETZT-App oder auf JETZT.at.

Mein Name ist Simon Altorff und das war dein Morgenüberblick von JETZT. Schönes Wochenende!



Simon Altorff

Einen schönen Tag wünscht dir

Simon Altorff

Morgenüberblick-Team