Einzelfall oder Systemfehler: Wie viel Rassismus steckt in unseren Schulen?
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Rassismus in der Schule ist kein Randphänomen. Welche Auswirkungen Rassismus auf Schüler und Schülerinnen hat, und wie Lehrkräfte effektiv eingreifen können.

„Junge Menschen starten nicht mit denselben Voraussetzungen ihren Bildungsweg. Rassismus ist dabei kein Randphänomen.“ So beginnt das Editorial des Rassismus-Reportes vom Jahr 2025 vom Verein ZARA - einer Initiative für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit. Hier können Betroffene rassistische Vorfälle melden und sich beraten lassen.
Heute ist der Rassismus-Report veröffentlicht worden. Im vergangenen Jahr hat ZARA 1539 Meldungen dokumentiert und im Report aufgearbeitet. Mehr als die Hälfte davon spielt sich im Internet ab - Hass im Netz ist weiterhin ein zunehmender Trend. Es folgen der öffentliche Raum, Dienstleistungen, staatliche Behörden und Institutionen, Polizei und Arbeitswelt.
Vergangenes Jahr fiel der Dokumentationsstelle ZARA besonders auf, dass Betroffene im Bildungsbereich es als schwierig wahrnehmen, bei rassistischen Vorfällen Unterstützung zu bekommen. An den meisten Schulen gibt es dafür keine Anlaufstellen. Auch die Schwere der Fälle bewegt die Initiative dazu, den Fokus im Rassismus-Report heuer auf Rassismus und Ungleichbehandlung in Bildungsinstitutionen zu setzen. 96 Meldungen gingen bei ZARA ein. Davon entfallen 4 Prozent im Kindergarten, 59 Prozent in der Schule und 37 Prozent in Hochschulen oder sonstigen Ausbildungen. Wie viel Rassismus steckt in unseren Schulen? Und wie können Lehrkräfte effektiv eingreifen, statt wegzusehen?
Dafür spreche ich heute mit Caroline Schmüser. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit bei ZARA zuständig und Redakteurin. Sie hat den diesjährigen Rassismus-Report mit erstellt.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:
- Laut einer EU-Studie melden nur etwa 14 Prozent der Betroffenen rassistische Vorfälle. Die tatsächliche Zahl der Vorfälle in Österreich ist also vermutlich viel höher.
- Besonders an Schulen verhindern starke Hierarchien und Abhängigkeitsverhältnisse, das Vorfälle gemeldet werden. Es fehlen oft niederschwellige, interne Anlaufstellen.
- Die Beratungsstelle von ZARA sieht durch die beschriebenen Fälle, dass Rassismuserfahrungen durch Lehrkräfte relativiert werden oder eine Täter-Opfer-Umkehr stattfindet.
- Auch subtiler Rassismus ist Teil des Problems. Vorurteile bei der Notenvergabe und niedrige Erwartungshaltungen allein aufgrund von Namen und Aussehen prägen das Selbstwertgefühl von Schülern und Schülerinnen.
- Die Demotivierung durch geringes Zutrauen der Lehrkräfte beeinflusst den langfristigen Bildungserfolg massiv, kann zu ständigen Stress und Angst führen bis hin zu körperlichen Beschwerden.
- Begriffe wie "Brennpunktschulen" erzeugen negative Bilder, die dazu führen, dass Jugendliche als "Problem" wahrgenommen werden, anstatt ihre Mehrfachbelastung (Rassismus, Klassismus) zu sehen.
- Um präventiv gegen Rassismus vorzugehen, bräuchte es rassismuskritische Bildung, Strukturen vor Ort, Lehrmaterial.
- Schmüser betont, dass Schulen ihren gesetzlichen Schutzauftrag ernst nehmen müssen und bei Diskriminierung professionell einschreiten, anstatt wegzusehen.
In meinem Umfeld spreche ich immer wieder mit Freunden und Freundinnen darüber, wie der erlebte Rassismus, besonders in der Schule, ihr Leben geprägt hat. Wie ist das bei dir: Hast du selbst oder in deinem Umfeld Situationen erlebt, in denen Rassismus im Bildungsbereich Thema war – und wie wurde damit umgegangen?
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Celeste-Sarah Ilkanaev