B-Seite

7. September 2026

Die Regierung setzt Künstliche Intelligenz auf den Lehrplan. Welche Kompetenzen Kinder künftig brauchen


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Kinder wachsen heute ganz selbstverständlich mit KI auf. Aber der kritische Umgang mit ihr will gelernt sein – ebenso wie Fähigkeiten, die Menschen von Maschinen abheben.

In Deutschland wird an Schulen der DSGVO-konforme Chatbot AIS.chat verwendet, ehemals telli. (Foto: APA-Images / dpa / Carmen Jaspersen)

Im Osten Österreichs hat das neue Schuljahr begonnen, der Westen folgt kommende Woche. Es gibt zum Schulstart einige Neuerungen, von denen Simon schon im Morgenüberblick erzählt hat. In der B-Seite blicken wir dieses Mal aber noch weiter. Nach einem Sommer, in dem Microsoft-Gründer Bill Gates vor den Fortschritten Künstlicher Intelligenz gewarnt hat, in dem KI-Systeme ihre eigenen Grenzen gesprengt und sogar ihre Entwickler und Entwicklerinnen überrascht haben, sehen wir uns an, wie die österreichischen Schulen für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz gerüstet sind – und vor allem dafür, Kinder und Jugendliche darin zu schulen.

Ab Herbst 2027 soll der Umgang mit Künstlicher Intelligenz explizit Teil des Informatikunterrichts werden – in der Oberstufe allgemeinbildender höherer Schulen (AHS). Das Fach heißt dann „Informatik und Künstliche Intelligenz“. Das haben Neos-Bildungsminister Christoph Wiederkehr und ÖVP-Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll am Anfang der Schulsommerferien angekündigt. Der Umgang mit KI soll für Schüler und Schülerinnen so selbstverständlich werden wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Das größere Ziel ist eine österreichische Gesamtbevölkerung, die kompetent mit KI umgehen kann. Geht es nach Bildungsminister Wiederkehr, soll der Lehrplan insgesamt überarbeitet werden – „entrümpelt“, wie er es im Jänner gesagt hat. Weniger Latein, mehr Informatik.

Zwar startet das Fach „Informatik und Künstliche Intelligenz“ erst in einem Jahr, aber die Begutachtungsphase für den Lehrplan ist bis Mitte August gegangen. Wir sprechen darüber, was darin enthalten ist und sehen uns an, wie der Umgang mit KI-Werkzeugen und Sprachmodellen in der Schule umfassend gelehrt werden kann – auch früher als in der Oberstufe. Und wir fragen: Welche Fächer beziehungsweise Fähigkeiten brauchen Schüler und Schülerinnen künftig wirklich?

Mediendidaktikerin und Medienpädagogin Sonja Gabriel von der Kirchlich pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich hat mit mir darüber gesprochen.

„So, wie wir Schule oft noch die letzten Jahrzehnte gedacht haben, funktioniert es absolut nicht mehr“, sagt Medienbildungsexpertin Sonja Gabriel. (Foto: privat)

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:

  • Kinder und Jugendliche kommen schon früh mit Künstlicher Intelligenz in Berührung – in Form von Sprachmodellen, Sprachassistentinnen oder etwa Empfehlungsalgorithmen. Die Generation Alpha ist die erste, die selbstverständlich damit aufwächst. Theoretisch wissen sie meist, dass sie auf ihre Daten achtgeben und Quellen überprüfen sollten. Aber in der Praxis rückt die Vorsicht in den Hintergrund, etwa, wenn es darum geht, den neuesten Fotoeffekt auszuprobieren.
  • Die Kompetenz von Kindern und Jugendlichen muss über gutes Prompten, also die Anweisungen an ein Sprachmodell, hinausgehen. Sie benötigen Critical AI Literacy – kritische KI-Kenntnis. Das bedeutet, dass sie verstehen, wie Sprachmodelle in Grundzügen funktionieren, um die Technologie zu entmystifizieren, dass sie ihre größeren, systemischen Auswirkungen verstehen. Kinder sollten auch wissen, wer hinter KI-Systemen steckt, welche Macht dort liegt und welche Trainingsdaten verwendet werden. Es gibt analoge Lernmaterialien, mit denen sie bereits früh an verschiedene Aspekte herangeführt können – etwa unter dem Titel „AI Unplugged“.
  • Basiswissen und -kompetenzen werden weiterhin bedeutend sein – nicht zuletzt, um Antworten, die man bekommt, bewerten zu können. Ganz generell sollten Kinder früh lernen, zu fragen und hinterfragen. Dafür muss sich im Bildungssystem und mitunter auch in der Erziehung das Mindset ändern. Neben dem kritischen Denken bleiben auch die restlichen drei 4K-Kompetenzen (Kollaboration, Kreativität und Kommunikation) wichtig.
  • Um künftig Leistung zu beurteilen, würde es sich anbieten, eher den Prozess zu bewerten als das Produkt, das an dessen Ende steht. Dazu würde sich fächerübergreifendes Projektarbeiten eignen. Damit sinkt auch das Risiko, dass Schüler und Schülerinnen benachteiligt sind, welche aus Familien kommen, die sich den Zugang zu den neuesten KI-Werkzeugen nicht leisten können.
  • Das österreichische Bildungssystem hat gute Grundlagen dafür, Kindern digitale Kompetenz beizubringen. Aber in der Umsetzung gibt es große Unterschiede.

Wie schätzt du dich selbst im Umgang mit Künstlicher Intelligenz in ihren verschiedenen Formen ein?

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team