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28. Juli 2026

Wiens Innenstadt bleibt Welterbe. Lassen sich Denkmalschutz und Fortschritt verbinden?


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jahrelang war der Stadtkern Wiens nah dran, seinen Status als Welterbe zu verlieren. Der Grund: ein Bauprojekt. Die einen fürchteten um das kulturelle Erbe, die anderen um die Stadtentwicklung.

Die Pläne zur Neugestaltung des Heumarkt-Areals in Wien haben eine Debatte über Denkmalschutz und Stadtentwicklung angestoßen. (Foto: APA-Images / KURIER / Juerg Christandl)

Wien ist aus dem Schneider. Seit 2017 war der historische Stadtkern auf der Roten Liste bedrohter UNESCO-Welterbestätten und damit auf der Streichungsliste des UNESCO-Welterbekomitees. Aber jetzt hat das Komitee bei seiner 48. Tagung in Busan in Südkorea beschlossen, dass Wien nicht mehr als gefährdet gilt.

Dass der historische Kern der Stadt überhaupt auf die Rote Liste gekommen ist, liegt an einem Bauprojekt in der sogenannten geschützten Zone: das Heumarkt-Projekt an der Grenze vom 1. zum 3. Bezirk, geplant von Investor Michael Tojner und seiner Firma Wertinvest. Das Areal rund um das Hotel Intercontinental beim Stadtpark sollte neu gestaltet werden – dort, wo sich auch der Wiener Eislaufverein und das Konzerthaus befinden. Es gab einen Architekturwettbewerb und Teil des Siegerentwurfs für die Neugestaltung war ein 73 Meter hoher Turm mit Luxuswohnungen. Dieser Turm, hat die UNESCO befunden, hätte das geschützte Stadtbild der Wiener Innenstadt zu sehr verändert. Entweder das Projekt wird umgeplant oder der Welterbestatus aberkannt, war ihr Standpunkt.

Die Turmhöhe wurde mehrfach nach unten korrigiert. Jetzt ist ein Turm mit 49,95 Metern Höhe geplant – wobei die UNESCO eigentlich eine maximale Höhe von 43 Metern gefordert hatte. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) wäre dafür gewesen, Wien auf der Roten Liste zu belassen. Es ist das erste Mal, dass das Welterbekomitee eine solche Entscheidung nicht im Einklang mit der Empfehlung des Gremiums getroffen hat.

Am Heumarkt-Projekt hat sich wieder einmal gezeigt, dass Denkmalschutz ein großes Streitthema ist. Wie lassen sich kultureller Erhalt und die Weiterentwicklung einer Stadt vereinen?

Das möchten wir uns genauer ansehen – im Gespräch mit der Architektin und Denkmalpflegerin Heike Oevermann. Sie leitet an der TU Wien den Forschungsbereich für Denkmalpflege und Bauen im Bestand.

„Ich glaube, Städtebau und Architektur kann man auch außerhalb von jeder UNESCO-Schutzzone nicht allein an einer Höhenfrage ausgiebig und sinnvoll diskutieren“, sagt Heike Oevermann, Leiterin des Forschungsbereichs für Denkmalpflege und Bauen im Bestand an der TU Wien. (Foto: Denkmalpflege TU Wien)

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:

  • Der Welterbestatus ist ganz eng an den Denkmalschutz gekoppelt und regelt mit, wie dieser gehandhabt wird. Er bedeutet einen Erhaltungsauftrag und geht mit internationaler Aufmerksamkeit einher.
  • „Ich glaube, Städtebau und Architektur kann man auch außerhalb von jeder UNESCO-Schutzzone nicht allein an einer Höhenfrage ausgiebig und sinnvoll diskutieren", sagt Frau Oevermann. Sie hofft, dass jetzt noch einmal eine Diskussion darüber angestoßen wird, wovon die Stadt und das Areal am Heumarkt profitieren würden – gemeinsam mit allen relevanten Akteuren und Akteurinnen.
  • Denkmalschutz bietet die Chance, dass nicht einfach Standardlösungen angewandt, sondern kluge Lösungen gefunden werden, schonend mit Bestand umzugehen – etwas, das auch bei nicht denkmalgeschützten Bauten eine wesentliche Aufgabe der Architektur ist. Hier sieht Frau Oevermann – gerade hinsichtlich des Klimawandels – auch einen Auftrag an die Politik: Nicht mehr Abriss zu fördern, sondern den Erhalt der Bauten, die wir haben – über den Denkmalschutz hinaus.
  • Die beste Lösung ist die, in der die Denkmalbedeutung erhalten bleibt und Bedürfnissen des Lebens stattgegeben wird.

Der sogenannte Canaletto-Blick kommt übrigens von einer Vedute aus dem 18. Jahrhundert – einem Anblick der Stadt Wien vom Oberen Belvedere aus. Auch wenn es Canaletto-Blick heißt: Diese Ansicht ist eigentlich von Bernardo Bellotto gemalt worden, dem Neffen des berühmten italienischen Veduten-Malers Canaletto. Aber um etwas an die Bekanntheit seines Onkels anzuknüpfen, hat er sich auch Canaletto genannt. Das habe ich in der Ausstellung Canaletto & Bellotto im Kunsthistorischen Museum in Wien gelernt. Dort kannst du diese Ansicht und viele andere Veduten der beiden Künstler noch bis 6. September sehen.

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team