Fast Fashion Von der Stange auf die Deponie.

Und wie Europa dem Textilmüll den Kampf ansagen will

Fast Fashion  Von der Stange auf die Deponie.
Foto: Fred Dott / Greenpeace

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Modetrends wechseln so schnell, dass wir oft gar nicht mehr nachkommen, was gerade in oder schon wieder out ist. Noch nie wurden in der EU so viele Kleidungsstücke gekauft wie heute. Die Konsequenz dieser Überproduktion: Bis zu 600.000 Tonnen ungetragener Textilien landen in Europa jährlich auf dem Müll. Seit 19. Juli dürfen große Unternehmen unverkaufte, fabriksneue Kleidung nicht mehr vernichten. Aber lässt sich so das Problem Fast Fashion lösen?

Es klingt verrückt, ist aber die Realität in der Textilbranche: Bis zu neun Prozent aller Kleidungsstücke in der EU werden zerstört, bevor sie überhaupt einmal getragen wurden. Warum passiert das? Die nicht minder verrückte Antwort lautet: Weil es sich für die Unternehmen aus wirtschaftlicher Sicht lohnt. Vernichten ist billiger als die Ware, die niemand haben will, zu lagern, zu ändern oder wieder zu verwerten. Das Geschäft mit der Mode ist schnelllebig, Trends kommen und gehen, täglich werden Unmengen an neuen T-Shirts, Hemden und Hosen auf den Markt geworfen. Um die Dimension der Branche deutlich zu machen, hier einige Zahlen: Weltweit werden pro Jahr etwa 150 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Die Menge hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Laut EU-Umweltagentur werden pro Jahr rund 1,7 Millionen Tonnen gebrauchter Textilien aus der Europäischen Union exportiert, der Großteil landet in Afrika – und dort auf dem Müll. Die Modeindustrie ist nach der Ölindustrie der zweitgrößte Umweltverschmutzer, sie verursacht weltweit mehr CO2-Emissionen als Luftfahrt und Schifffahrt zusammen.

Die EU hat nun im Rahmen der so genannten Ökodesign-Verordnung ein Vernichtungsverbot für unverkaufte, neue Kleidung erlassen. Konkret bedeutet das: große Unternehmen, das sind per Definition jene Konzerne, die mehr als 250 Beschäftigte oder einen Jahresumsatz in der Höhe von 50 Millionen Euro haben, dürfen unverkaufte Textilien und Schuhe nicht mehr vernichten. Stattdessen können die Ladenhüter in Outlets sowie im Second-Hand-Verkauf angeboten werden, sie können aufgearbeitet oder in neue Produkte umgewandelt werden, möglich sind auch Spenden oder Recycling. Für mittelgroße Unternehmen gibt es eine Frist bis zum Jahr 2030, kleine Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten und höchstens zehn Millionen Euro Jahresumsatz sind von dem Verbot ausgenommen. Ziel der Maßnahme ist es, dass Hersteller vorausschauender produzieren und insgesamt weniger überschüssige Ware herstellen. Aber kann das gelingen?

600.000

Tonnen ungetragene Textilien landen in Europa jährlich im Müll

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßt das EU-Vernichtungsverbot als „wichtigen historischen Meilenstein gegen Wegwerf-Mode.“ Die Umweltschützer kritisieren aber, dass es Ausnahmen und Schlupflöcher gibt, Greenpeace-Sprecher Sebastian Theissing-Matei verweist auch noch auf ein anderes Problem: „Das Verbot ist in Österreich derzeit noch ein Papiertiger, da Minister Norbert Totschnig nicht das erforderliche Begleitgesetz vorgelegt hat, in dem drohende Strafen festgelegt werden. Somit ist es derzeit zwar verboten, neuwertige Waren zu vernichten, allerdings bleibt das Vergehen straffrei, weil keine Strafen festgelegt wurden.“ Greenpeace sieht darin „einen klaren Verstoß gegen EU-Recht“ und wird deshalb Beschwerde bei der EU-Kommission einreichen. Ein Anwalt sei schon beauftragt, wird betont. Aus dem Umweltministerium heißt es dazu: „Selbstverständlich setzt Österreich die EU-Ökodesign-Verordnung um. Das Umweltministerium arbeitet momentan am nationalen Begleitgesetz. Im Fokus stehen die Kontrolle des Vernichtungsverbots samt Sanktionen, der Digitale Produktpass sowie Vorgaben zu Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit – und damit konkrete Maßnahmen gegen Fast Fashion.“

Nunu Kaller, Umweltaktivistin und Publizistin, die einst ein Jahr lang keine neue Kleidung mehr kaufte, betont, dass sie den Ansatz der EU durchaus positiv sehe, sie macht aber noch auf eine weitere Umgehungsmöglichkeit des Vernichtungsverbots aufmerksam: „Die Unternehmen sind nun verpflichtet, andere Wege der Verwertung zu finden. Etwa die Ware an karitative Organisationen zu spenden. Doch diese Organisationen ersticken schon jetzt in Altkleidern. Wenn nach acht Wochen die Spende nicht angenommen wird, dürfen die Textilien verbrannt werden.“ Kaller ist überzeugt, dass die gemeinnützigen Organisationen die Spenden auch mal ablehnen werden, einfach weil sie selbst gar nicht wissen, wohin mit all der Kleidung.

Thomas Waitz, ist EU-Abgeordneter der Grünen und war Mitglied im für die Ökodesign-Verordnung zuständigen Ausschuss. (Foto: Serena Vittorini)

Keine große Begeisterung über das neue Gesetz herrscht, wenig überraschend, bei der Textilbranche. Beklagt wird etwa ein großer Bürokratie- und Dokumentationsaufwand – Unternehmen müssen künftig genaue Artikelnummern, Stückzahlen und Gründe für die Entsorgung auflisten. Auch vor zusätzlichen Kosten, die auf die Kundinnen und Kunden abgewälzt werden könnten, wird gewarnt. Und schließlich wird die Wirksamkeit der Maßnahme angezweifelt. Überall anders als in der Modeindustrie wird das Vernichtungsverbot jedoch als Schritt in die richtige Richtung gesehen. Nicht als Allheilmittel, aber als Anfang. So sagt etwa Thomas Waitz, er ist EU-Abgeordneter der Grünen und war Mitglied im für die Ökodesign-Verordnung zuständigen Ausschuss: „Die Verordnung versucht, die Verschwendung von ungetragener neuer Kleidung zu stoppen. Aber irgendwie gehen wir das Problem halt von der Spitze des Eisberges her an. Denn das Problem ist viel größer. Fast-Fashion-Kleidung, die kaum noch etwas kostet, wird meist unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt, in Ländern, in denen es die billigsten Arbeitskräfte gibt. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber das generelle Problem mit extrem billiger Kleidung haben wir damit nicht gelöst.“

Was Thomas Waitz hier anspricht, weckt Erinnerungen an eine tödliche Katastrophe in Bangladesch: Am 24. April 2013 ereignete sich in der Nähe der Hauptstadt Dhaka das bis heute größte Unglück in der Geschichte der Textilindustrie. Beim Einsturz der Rana Plaza Fabrik in Dhaka wurden 1135 Menschen getötet und mehr als 2400 Personen verletzt. Drei der acht Etagen des Gebäudes waren illegal errichtet worden, eine neunte Etage befand sich im Bau. In dem Gebäude waren neben Banken und Geschäften fünf Textilfabriken, die Kleidung für große internationale Marken, etwa Benetton, Mango, C & A und viele weitere, produziert hatten, untergebracht. Arbeiterinnen und Arbeiter hatten dem Management Risse in den Mauern gemeldet, doch sie wurden von den Fabrikbetreibern dazu gezwungen, weiter zu arbeiten. Als das Haus in der Früh in sich zusammenbrach, kam für viele jede Hilfe zu spät. Eine Untersuchungskommission stellte fest, dass die Hauptursache für die Katastrophe grobe Fahrlässigkeit war. Unter anderem seien für den Bau des Hauses minderwertige Baumaterialien verwendet worden, das Bauland habe sich für ein mehrgeschossiges Gebäude nicht geeignet. Dennoch dauerte es mehr als ein halbes Jahr, bis ein Entschädigungsabkommen zustande kam. Viele der in Rana Plaza produzierenden Firmen wehrten sich vehement dagegen, für die Missstände, die zu dem Einsturz geführt hatten, Verantwortung zu übernehmen und einen finanziellen Beitrag für die Entschädigung zu leisten. Erst nach mehr als zwei Jahren kamen die benötigten 30 Millionen US-Dollar endlich zusammen. Am sechsten Jahrestag der Katastrophe nahm sich einer der damaligen Helden, die Überlebende aus den Trümmern gerettet hatten, das Leben. Nowshad Hasan Himu war nach dem Einsturz der Fabrik 2013 mehr als 17 Tage als freiwilliger Helfer im Einsatz, der damals 21-Jährige barg Verletzte und Leichen, er verbrachte Tage im Krankenhaus um den Opfern beizustehen. Der Einsatz hat tiefe Spuren hinterlassen, der junge Mann war schwer traumatisiert, konnte die dramatischen Ereignisse nie verarbeiten. Am 24. April 2019 übergoss sich Himu mit Kerosin und zündete sich an – er starb im Krankenhaus an den Folgen der Selbstverbrennung.

Laut EU-Umweltagentur werden pro Jahr rund 1,7 Millionen Tonnen gebrauchter Textilien aus der Europäischen Union exportiert, der Großteil landet in Afrika – und dort auf dem Müll. Im Bild: Plastik- und Textilabfälle an den Ufern von Accra/Ghana in der Nähe der Korle Lagune. (Foto: Kevin McElvaney / Greenpeace)

Die Rana Plaza-Katastrophe hat damals eine große Debatte über die schlechten Arbeitsbedingungen im Textilbereich ausgelöst. Und allgemein über die Auswirkungen des Überkonsums und der Fast Fashion. Die Probleme sind nicht weniger geworden, werden nur beiseite geschoben oder verdrängt. Und die Berge an Altkleidern werden immer größer. Greenpeace hat im vergangenen Jahr einen aufschlussreichen Versuch veröffentlicht: 20 Kleidungsstücke wurden mit GPS-Trackern versehen und bei fünf verschiedenen Altkleiderfirmen gespendet, um herauszufinden, wo Kleiderspenden landen und ob sie wirklich wiederverwendet werden. Die Kleidungsstücke legten gewaltige Reisestrecken von bis zu 11.300 Kilometern zurück. Alle 20 Kleidungsstücke kamen von Juni 2024 bis März 2025 zusammen auf knapp 81.000 Kilometer und umkreisten damit die Erde zwei Mal. Die drei weitesten Strecken legten ein Paar Stiefel mit 11.300 Kilometern, eine Jacke mit 10.200 Kilometern und eine kurze Hose mit 9.700 Kilometern zurück. Die Kleidungsstücke verteilten sich weltweit. Acht Stück reisten quer durch Europa, drei gelangten bis nach Asien (Pakistan) und sieben landeten in Afrika (Elfenbeinküste, Tunesien, Kamerun). In Österreich sind lediglich zwei Stück geblieben, weil sie unmittelbar nach der Spende aus den Spendencontainern entwendet wurden. Nur drei der 20 Kleidungsstücke könnten von Menschen weitergenutzt worden sein. Die meisten Teile wurden zerstört. Ein Stück landete am Straßenrand in einem Gewerbegebiet in Spanien. Fünf Stück blieben ungenutzt in Lagern und ein Stück pendelte zwischen einem Marktplatz und einem Lager in Tunesien. Greenpeace-Sprecher Sebastian Theissing-Matei: „Fast Fashion führt zu Überproduktion und massiver Verschwendung. Nur ein Drittel der neu produzierten Ware wird überhaupt verkauft. Pro Jahr werden in Österreich etwa 62 neue Kleidungsstücke pro Person gekauft, doch ein Viertel der vorhandenen Kleidung liegt bereits ungenutzt in Österreichs Kleiderkästen.“ Greenpeace fordert ein Verbot von Altkleiderexporten in Drittstaaten und ein nationales Anti-Fast-Fashion-Gesetz. Kaputte Kleidung dürfe nicht länger in Ländern ohne Entsorgungsinfrastruktur landen. Gleichzeitig brauche es gesetzliche Maßnahmen gegen Überproduktion und Billigimporte, um den Markt zu entschleunigen und Ressourcen zu schonen, so die Umweltschutzorganisation.

Nunu Kaller hat 2012 beschlossen, ein Jahr lang keine neuen Kleidungsstücke mehr zu kaufen. (Foto: Florentina Olareanu)

Nunu Kaller beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Thema Fast Fashion, es ist ihr „roter Faden“ geworden, wie sie betont. 2012 hat sie beschlossen, ein Jahr lang keine neuen Kleidungsstücke mehr zu kaufen. Sie hat begonnen, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, Unterlagen zusammenzutragen und sich genau anzuschauen, wie Kleidung entsteht. „Die ganze Fast Fashion Produktion ist wirklich zu meinem Lebensthema geworden - weil ich ein Gerechtigkeitsmensch bin und es ganz schlecht aushalte, wenn Leute wegen meines Lebensstils schlecht behandelt werden. Ich möchte aber auch betonen, dass mir Mode Spaß macht, ich bin eine `Modetussi´. Eine Zeit lang waren Tauschpartys mein größtes Hobby, ich kaufe viel Second Hand oder bei heimischen Designerinnen. Aber zugegeben, auch ich habe den einen oder anderen Ausreißer beim Shoppen“, sagt Kaller. Die Aktivistin berichtet von der enormen Überproduktion in der Modebranche: Bis zu 30 Kollektionen im Jahr sind keine Seltenheit mehr, es werden eigene Abverkaufs-Kollektionen herausgegeben, die nie einen normalen Preis hatten, sondern nur als besonderer Kaufanreiz gedacht sind. Kaller hat konkrete Beispiele auf Lager: „Die Billigmodekette Primark hat die Vorgabe, jeden Tag neue Produkte in der Filiale zu haben, der Onlinehändler Asos hat pro Tag durchschnittlich 10.000 neue Produkte auf der Website.“

ca. 150

Milliarden Kleidungsstücke werden jährlich weltweit produziert

Aber ist es nicht so, dass es dieses riesige Angebot ohne die entsprechende Nachfrage gar nicht gäbe? Kaller schüttelt energisch den Kopf. „Nicht die Nachfrage bestimmt das Angebot, das Angebot macht das Angebot.“ Die Aktivistin spricht von Neuromarketing, das uns dazu bringen soll, mehr zu kaufen als wir brauchen. Meist erfolgreich. „Es werden bewusst Trends gesetzt, damit wir ständig hinterherlaufen, den neuen Mustern, der neuesten Trendfarbe, den neuen Schnitten. Dauernd wird uns eingeredet, dass gerade wieder etwas anderes in ist“, sagt Kaller. Es sei absolut überfällig, dass die Konzerne weniger produzieren.

EU-Abgeordneter Thomas Waitz von den Grünen geht noch einen Schritt weiter, er fordert, dass Unternehmen, die gewisse Kriterien nicht einhalten und absolut mangelhafte Produkte erzeugen, nicht am europäischen Markt teilnehmen sollen. Im Klartext bedeutet dies ein Verbot für chinesische Billigkleidung. „Ich denke schon, dass gewisse Qualitätskriterien Voraussetzung sein sollten, um ein Produkt am europäischen Markt überhaupt verkaufen zu dürfen. Denn wenn ein Produkt sofort kaputt geht, ist das Betrug an den Konsumentinnen und Konsumenten“, so Waitz. Aus seiner Sicht ist ein gesamteuropäisches Vorgehen in diese Richtung gar nicht einmal so unwahrscheinlich, denn die Europäische Union habe ja schon bei vielen anderen Produkten, ob Elektrogeräte, Fahrzeuge oder Batterien, strenge Normierungen. „Ich denke, wir sollten bei Textilien genauer hinschauen, dass gewisse Mindestkriterien eingehalten werden. Wenn das dazu führt, dass gewisse chinesische Anbieter ihre Ware nicht mehr in Europa verkaufen dürfen, dann ist das völlig richtig. Denn am Ende zahlen die Menschen, die das produzieren, es zahlt die Umwelt, auf deren Kosten das produziert wird und wir erzeugen noch dazu riesige Müllberge und Unmengen an Emissionen“, so Thomas Waitz.

Derzeit gibt es statt einem einheitlichen Gesetz mehrere nationale Vorstöße, etwa in Frankreich. Dort versucht die Regierung mit einem Gesetz chinesische Wegwerfmode einzudämmen. Neben einem Werbeverbot für Ultra Fast Fashion, das auch Social Media und Influencer beinhaltet, soll es auch einen Produktionsmalus geben. Das bedeutet: Wenn die Mode-Labels zu viele Produkte so billig anbieten, dass sich eine Reparatur nicht lohnt, werden sie zur Kasse gebeten. Je nach Umweltbelastung und Verkaufszahlen müssen Strafabgaben pro verkauftem Artikel geleistet werden. Bis zum Jahr 2030 sollen die Aufschläge schrittweise auf bis zu 20 Euro je Kleidungsstück steigen, gedeckelt auf 50 Prozent des Nettopreises. Noch sind allerdings viele Fragen offen. So hat etwa die EU-Kommission Vorbehalte hinsichtlich der Vereinbarkeit der Werbebestimmungen mit dem EU-Recht geäußert. Und China steigt natürlich auf die Barrikaden, Gegenmaßnahmen wurden bereits angedroht. Diese könnten vor allem die französische Luxusgüterindustrie mit Marken wie Louis Vuitton oder Hermès, für die der chinesische Markt große Bedeutung hat, treffen.

"Recycling von Textilien ist eine Herausforderung, weil die Kleidung sehr viele Komponenten hat", sagt Christian Schimper, Leiter des Josef Ressel Forschungszentrums auf dem Gelände der Fachhochschule Tulln. (Foto: FHWN)

Zurück zum Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung: Eine gute Alternative zum Verbrennen ist auch Recycling. Derzeit wird weltweit allerdings nur ein Prozent der alten Kleidung recycelt. Das Problem sind Mischtextilien, der Mix aus verschiedenen Materialen macht die Wiederverwertung besonders schwierig. Im Josef Ressel Zentrum auf dem Gelände der Fachhochschule Wiener Neustadt in Tulln wird an einer Lösung geforscht, an der Entwicklung eines Verfahrens zur Trennung der Textilien. „Recycling steht in der Rohstoffhierarchie ziemlich weit hinten. Recycling von Textilien ist eine Herausforderung, weil die Kleidung sehr viele Komponenten hat. Denken wir etwa an die Plastikflasche, die hat wesentlich weniger Komponenten, dennoch hat es einige Jahre gedauert, bis das Recycling gut funktioniert hat. Und bei den Textilien ist es noch viel komplexer“, sagt Christian Schimper, Leiter des Forschungszentrums. Er plädiert für ein Umdenken: „Kleidungsstücke sind eigentlich ein Rohstoff, den wir wiederverwenden können. In der EU importieren wir jedes Jahr acht bis neun Millionen Tonnen Textilien, diese werden nach dem Tragen dann größtenteils wieder aus der EU hinaus gebracht. Wir könnten die Rohstoffe aber auch für Produkte der Zukunft verwenden.“ Schimper hofft auf eine politische Weichenstellung: „Ein verpflichtender Recycling-Anteil mit Material aus Europa würde der Industrie einen enormen Schub geben. Ich bin sicher, dass sehr viele Firmen bereit wären, Investitionen zu leisten, wenn sie sehen, dass dies Sinn macht.“

Abschließend lässt sich sagen: Für einen grundlegenden Wandel wird das Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung allein also nicht reichen, es wird einen Mix aus gesetzlichen Vorgaben, finanziellen Anreizen und einem generellen Umdenken geben müssen. Ein Umdenken, das sowohl bei den Modefirmen als auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten stattfinden muss. Nunu Kaller bringt es auf den Punkt: „Fast Fashion ist der zweitgrößte Klimatreiber der Welt. Wir müssen uns gerade in der heutigen Zeit bewusst sein, dass sehr wohl ein Zusammenhang besteht zwischen der Art, wie wir konsumieren und der Art, wie wir derzeit schwitzen.“

Audioproduktion und Mix: Yannik Milz