B-Seite

4. August 2026

Hat ein Mensch ein Recht auf ein Kind? Die rechtlichen und ethischen Hürden der Leihmutterschaft.


Dieser Artikel ist für dich kostenlos

Du kannst diesen Beitrag lesen oder anhören, weil ein JETZT-Mitglied ihn mit dir geteilt hat. Schließe eine Mitgliedschaft ab, um auch unabhängigen Journalismus zu unterstützen!

Gezwungen, seinen Körper für andere auszubeuten - oder ein Recht auf reproduktive Selbstbestimmung? Die Waage zwischen diesen extremen Meinungen zu finden, ist eine Herausforderung - die bislang noch nicht gemeistert wurde. (Foto: IMAGO / Steinach)

Leihmutterschaft gehört zu den emotionalsten und zugleich kontroversesten Themen im Familienrecht. Welche rechtlichen Hürden erwarten Paare, die ihren Kinderwunsch mithilfe einer Leihmutter im Ausland verwirklichen? Warum machen sich Wunscheltern in Deutschland zwar nicht strafbar, stehen nach der Geburt aber dennoch vor großen Herausforderungen? Welche Rolle spielen unterschiedliche Gesetze in den beteiligten Ländern? Und warum fordert die Expertin eine klare gesetzliche Regelung statt der derzeitigen Unsicherheit?

Neben den juristischen Fragen geht es auch um die ethische Dimension der Leihmutterschaft: den Schutz der Leihmütter, die Rechte der Kinder und die Frage, ob ein modernes Rechtssystem einen verantwortungsvollen Rahmen schaffen könnte. Ein differenziertes Gespräch über Kinderwunsch, Familiengründung und die schwierige Balance zwischen Recht, Ethik und gesellschaftlicher Realität.

Darüber spreche ich mit der Rechtsanwältin Ricarda Brest. Sie ist Partnerin der Rechtsanwaltskanzlei Rose & Partner und spezialisiert auf Familienrecht und internationales Familienrecht.

Ricarda Brest ist spezialisiert auf nationales und internationales Familienrecht und berät etwa Paare mit Kinderwunsch. (Foto: Nadine Tiemann)

Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem Interview

  • Das eigentliche Problem beginnt oft erst nach der Geburt.
    Obwohl Leihmutterschaft in Deutschland (und ähnlich auch in Österreich) verboten ist, machen sich Wunscheltern nicht strafbar. Die größten Herausforderungen entstehen vielmehr bei der Rückkehr mit dem Kind: Einreise, Anerkennung der Elternschaft und die Frage, welches nationale Recht in welchem Abschnitt gilt, sorgen häufig für erhebliche Rechtsunsicherheit.

  • Das Verbot verhindert Leihmutterschaft nicht – es verlagert sie ins Ausland.
    Rechtsanwältin Ricarda Brest sieht die aktuelle Rechtslage kritisch: Weil es im Inland keine legale Möglichkeit gibt, weichen viele Paare ins Ausland aus. Dadurch entstehen nicht nur komplizierte juristische Verfahren, sondern auch ethische Fragen rund um unterschiedliche Standards und den Schutz aller Beteiligten. Sie plädiert deshalb für eine klare gesetzliche Regelung statt der aktuellen Grauzone.

  • Eine gute Lösung müsste Recht, Ethik und Kindeswohl gemeinsam denken.
    Die Diskussion über Leihmutterschaft lässt sich nach Ansicht der Anwältin nicht allein juristisch lösen. Fragen nach den Rechten des Kindes, dem Schutz der Leihmutter und fairen Rahmenbedingungen müssten gemeinsam von Juristen, Medizinern, Psychologen und Politik beantwortet werden. Ihr Fazit: Eine transparente und rechtssichere Regelung könnte allen Beteiligten zugutekommen.


Wie siehst du das - hat ein Mensch ein Recht auf ein Kind? Und wie verhält es sich mit der Leihmutterschaft? Reproduktive Selbstbestimmung oder doch Ausbeutung?
Schreib es in die Kommentare!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Verena Bauer

B-Seite-Team