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Wie Donald Trump sich über Frauen äußert, ist bekannt:
„Wenn du ein Star bist, lassen sie es dich machen. Du kannst alles machen. Grapsch ihnen an die Pussy. Du kannst alles machen.“
Das ist der berühmte, versehentlich aufgenommene Ausschnitt aus dem Jahr 2005, der im Oktober 2016, einen Monat vor den Präsidentschaftswahlen, von der „Washington Post“ veröffentlicht wurde.
Reporterinnen, die ihren Job machen und ihm Fragen stellen, müssen sich von Donald Trump ganz besonders beschimpfen lassen, gelegentlich auch mit abfälligen Kommentaren über ihr Äußeres:
Das „Quiet Piggy!“, das er Ende 2025 einer Reporterin zuwarf, war vermutlich der Tiefpunkt, „Sei still, Schweinchen“.
Bei Männern äußert sich Donald Trump auch gern über Äußerlichkeiten. Da klingt es aber oft ganz anders: Mal schwärmt er von den Muskeln eines Soldaten. Mal nennt er einen Mann einen „handsome devil“, einen schönen Teufelskerl. Wahnsinn, stöhnt er ein andermal, was sind das für gut aussehende Männer!
Dieser Zusammenschnitt kommt aus der amerikanischen Comedysendung „Daily Show“. Die machen sich natürlich über Trump lustig. Der Moderator meint, er hätte das Gefühl, Trump müsse es vielleicht mit einem Typ treiben, mal was Neues, seine Wählerbasis werde schon nichts dagegen haben.
Das ist doch eine interessante Frage: Hätte seine Wählerbasis nichts dagegen?
Es ist ja eigentlich nichts dagegen zu sagen, dass ein Mann für andere Männer schwärmt. Das macht ihn auch nicht gleich schwul. Aber bei seiner Wahl zum Präsidenten stützte sich Donald Trump nicht zuletzt auf die in den USA ziemlich große Gruppe evangelikaler Christen, und die sind beim Thema Homosexualität äußerst unentspannt.
TRUMPS GROSSE SCHWULE REGIERUNG
Das Verhältnis der aktuellen amerikanischen Regierung zu Homosexualität wirkt unglaublich widersprüchlich. Einerseits macht sie eine extrem LGBTQ-feindliche Politik. Sie hat ganz besonders Menschen im Visier, die trans sind, deren Existenz sie im Grunde auszulöschen versucht. Aber sie geht zum Beispiel auch ganz grundsätzlich gegen alles vor, was irgendwie mit DEI zu tun hat, „Diversity, Equity and Inclusion“. Das sind Programme, die dafür sorgen sollen, dass traditionell unterrepräsentierte Gruppen bewusst berücksichtigt werden, dazu gehören auch sexuelle Minderheiten.
Die Trump-Regierung hat internationale Aids-Hilfe gestrichen, HIV-Forschung, Unterstützung für Hotlines, die suizidgefährdeten LGBTQ-Menschen helfen sollen. Sie hat Transmenschen aus dem Militär ausgeschlossen. Sie hat ein Schiff der Marine umbenannt, das nach Harvey Milk benannt war, einem Veteranen und schwulen Bürgerrechtler, der 1978 ermordet wurde. Selbst Fotos des Flugzeuges Enola Gay, das die Atombombe über Hiroshima abgeworfen hat, wurden von der offiziellen Seite gelöscht. Wegen des Wortes „Gay“.
Andererseits hat diese Regierung an ziemlich prominenter Stelle homosexuelle Mitglieder und Mitstreiter. Scott Bessent, der Finanzminister, zum Beispiel ist offen schwul. Auch Richard Grenell ist es, den Trump in seiner ersten Amtszeit zum Botschafter in Deutschland gemacht hat und jetzt den schönen Titel „Gesandter für Sondermissionen unter Präsident Donald Trump“ trägt.
Dass republikanische Politiker ihr Schwulsein nicht verstecken, ist ziemlich ungewöhnlich und wäre vor ein paar Jahren noch schwer vorstellbar gewesen. Sie sind Teil eines größeren rechten, schwulen Netzwerkes. Die „New York Times“ hat vor ein paar Wochen darüber berichtet. Die Überschrift: „Donald Trump’s Big Gay Government“.
Im Mittelpunkt dieses Netzwerkes steht demnach Charles Moran, ein 44-jähriger Mann, der heute als Beamter im Energieministerium arbeitet. Als Trump im Jahr 2015 begann, die Republikanische Partei zu übernehmen, anfangs noch gegen erhebliche Widerstände, sei Moran aufgefallen, dass sich Trump früher sehr positiv über Schwule geäußert habe. Nicht ungewöhnlich für jemanden, der im Showgeschäft arbeitet und in New York lebt, aber doch für einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten.
Ein Schlüsselmoment sei auch gewesen, als Peter Thiel, der ultra-libertäre Milliardär, beim Parteitag der Republikaner in jenem Jahr Donald Trump unterstützte und das hier rief:
„Ich bin stolz, schwul zu sein. Ich bin stolz, Republikaner zu sein. Aber vor allem bin ich stolz, ein Amerikaner zu sein.“
Die Reaktion im Saal klingt nicht, als würde irgendwer mit dieser Kombination besonders fremdeln.
Seitdem haben Leute wie Charles Moran daran gearbeitet, das Netzwerk schwuler Republikaner politisch auf Trump-Linie zu bringen: Make America Great Again. Und umgekehrt wurden diese schwulen Republikaner ein wichtiger Teil der Trump-Regierung.
RICHTIGE MÄNNER
Wie geht das zusammen? Geht das überhaupt zusammen? Die „New York Times“ erinnert daran, dass aufgrund der von Trump weit nach rechts verschobenen Besetzung des Obersten Gerichtshofes sogar die gleichgeschlechtliche Ebene wieder abgeschafft werden könnte – ähnlich wie die Richter auch die bundesweite Liberalisierung des Abtreibungsrechtes rückgängig gemacht haben.
Aber diese Themen, überhaupt die klassischen Themen von LGBTQ-Aktivisten, stehen für die schwulen Republikaner offenbar nicht im Vordergrund. Wichtiger ist ihnen die rechte Politik der Trump-Regierung bei anderen Fragen.
Und: Es ist möglich, sich als schwuler rechter Mann nicht gemeint zu fühlen, wenn die Trump-Regierung Stimmung gegen LGBTQ macht. Es gibt eine Bewegung, die schon länger dafür kämpft, sich von dem TQ in dem Buchstabenkürzel zu trennen: Mit Transmenschen hätten Schwule und Lesben im Grunde nichts gemein, heißt es dort, vor allem diejenigen Schwulen und Lesben nicht, die sich so verhalten, wie man es von ihnen angesichts ihres biologischen Geschlechts traditionell erwartet.
Viele homophobe Witze zielen darauf, dass Schwule sich irgendwie feminin geben. In der rechten Trump-Welt hat man kein Problem mit Männern, die Männer lieben. Aber mit Männern, die nicht wie Männer sind.
Also, die sich nicht wie richtige Männer verhalten. Die verweiblichen. Wenn Trump für andere Männer schwärmt, sind es ja auch Merkmale ihrer Maskulinität, die ihm imponieren, Muskeln, Fitness, sowas.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass Trump bei seinen Rallyes so gern „YMCA“ von den Village People spielen lässt. Das ist zwar für viele Schwule eine Art Hymne. Und wenn man die tanzenden Bandmitglieder vor Augen hat – verkleidet als Polizist, Rocker, Cowboy, Indianer, Bauarbeiter und Soldat – unbestreitbar camp. Aber all das sind ja maskuline Stereotype.
Man kann über Trump kichern, wenn er zu YMCA tanzt, und denken: Haha, schwul. Aber dann verpasst man, worum es ihm eigentlich geht: Um traditionelle Rollenbilder. Um Männlichkeit.
Ein anderes, hervorragendes Beispiel für dasselbe Missverständnis war der MMA-Kampf, den Trump zum Geburtstag Amerikas – oder doch eher seinem eigenen – in einer Arena auf dem Rasen vor dem Weißen Haus stattfinden ließ. MMA steht für „Mixed Martial Arts“. Es ist eine Sportart, in der sich Kämpfer besonders brutal prügeln, in diesem Fall, sicher nicht zufällig: ausschließlich Männer.
Der Kommentator David Pollack feierte das in seiner Show im extrem rechten Fernsehsender One America News (OAN). Wenn die Demokraten an der Macht wären, hätten sie zum 250. Jahrestag der Gründung der Vereinigten Staaten sowas wie eine Pride-Show gemacht, sagte er verächtlich, mit halbnackten Männern.
Jon Stewart spielte diesen Ausschnitt und zeigte dann das Bild der halbnackten Männer, die tatsächlich vor dem Weißen Haus miteinander rangen.
Pollack: „They’d probably be having like a Pride show or something for 250th, with, you know, half-naked men.“
Stewart: „DID YOU EVEN WATCH???“
Das war sehr lustig, und Pollack hat hinterher auch eingeräumt, dass es sehr lustig war. Aber er fügte einen Satz hinzu, der entscheidend ist.
Pollack: „Now, look, I give you this one, Jon. It was funny. And yes, it occured to me that there would be half-naked men. But: real men.“
Es sagt: Ja, es waren halbnackte Männer. Aber es waren echte Männer.
MÄNNER SIND FRAUEN ÜBERLEGEN
Die Botschaft von Trump und MAGA lautet: Du kannst lieben, wen du willst. Aber du kannst nicht sein, wie du willst.
Der Politikwissenschaftler Dan Cassino hat auf Bluesky eine extrem aufschlussreiche Analyse veröffentlicht, zu dem MMA-Fight und ganz grundsätzlich:
„In den Vereinigten Staaten sind Präsidentschaftswahlen immer schon Wettbewerbe der Maskulinität gewesen. Trump hat diesen Subtext genommen und daraus Text gemacht, und das Fehlen jeder Subtilität ist seine Stärke. Wer Trump unterstützt, unterstützt unzweideutig traditionelle Vorstellungen von Maskulinität und bestehende Geschlechts-Hierarchien.“
Amerikanischen Männern, die sich durch Veränderungen in der Wirtschaft und Gesellschaft bedroht fühlen, gebe Trump einen einfachen Weg, die bedrohte Geschlechtsidentität zu stärken.
Cassino sagt: Solche Präsentationen von Über-Maskulinität wie in der Kampf-Arena vor dem Weißen Haus sollen die Vorstellung bestärken, dass Männer bestimmte Eigenschaften haben, die Frauen fehlen. Männer sind Frauen überlegen. So wird gerechtfertigt, dass Männer an der Macht sind. MMA-Kämpfer symbolisieren in einem ganz besonderen Maße die Eigenschaften, die Männer haben sollen: Sie sind jung, muskulös und bereit, Gewalt anzuwenden.
RICHTIGE MÄNNER, DIE AUF RICHTIGE MÄNNER STEHEN
Obwohl dieses Feiern von Männlichkeit für Trump und seine Leute nichts mit Schwulsein zu tun hat, ist es auch attraktiv für Schwule. Es gibt eine Bewegung, die daraus eine ganze Ideologie gemacht hat. Deren Anhänger, da fängt es schon an, bezeichnen sich ungern selbst als „schwul“ und erst recht nicht als „queer“. Der Begriff „gay“ ist für sie verbunden mit einer Form von männlicher Homosexualität, die sie für unmännlich halten, gerade weil sie offen dafür ist, aus klassischen Stereotypen auszubrechen, was männlich und weiblich ist. Schwulsein ist für sie was für Linke, für Weicheier, für Regenbogen-Schwenker. Sie nennen sich: androphil.
Androphilie ist zunächst einmal einfach der aus dem Griechischen stammende Fachausdruck für Menschen, die Männer lieben. Androphile Frauen sind heterosexuell, androphile Männer homosexuell. So weit, so unkontrovers.
Für den Autor Jack Donovan aber beschreibt das Wort Männer, die Männer lieben, die noch richtige Männer sind. Männliche Männer, die auf männliche Männer stehen. Und die mit all dem, was als schwul bezeichnet oder auch beschimpft wird, nichts zu tun haben wollen. 2006 hat er ein Buch mit dem Titel „Androphilia“ geschrieben. Er nennt es ein „Manifest“: „Rejecting the Gay Identity, Reclaiming Masculinity“. Er fordert, die „schwule Identität“ zurückzuweisen und Maskulinität zurückzuerobern.
In seinen späteren Werken spielt die Homosexualität – insgesamt und seine eigene – eine weniger große Rolle. Aber sie passt erstaunlich gut in seine Ideologie, die ganz auf die Stärke von Männern ausgerichtet ist, die sich in Horden organisieren und ihre Stärke messen und gegenseitig bewundern. „Maskulinität ist eine Religion“, schreibt er, „und ich sehe das Potenzial in Androphilen, ihre Priester zu werden.“ Androphile Männer könnten sich dieser Religion in einer Weise hingeben, wie es heterosexuelle Männer nicht können, die ihre Männlichkeit durch Frauen beweisen müssen, also zum Beispiel durch die Frage, mit wie vielen sie geschlafen haben.
Der Journalist Simon Volpers hat sich in seinem Buch „Neue rechte Männlichkeit: Antifeminismus, Homosexualität und Politik des Jack Donovan“ gründlich mit dieser Ideologie auseinandergesetzt. Eigentlich seien für die extreme Rechte Homosexuelle ein Feindbild: Ihnen werden männliche Eigenschaften abgesprochen und ihr sexuelles Begehren wird mit Weiblichkeit verknüpft. Donovan dreht das um. Er beschreibt die Welt der Männer als eine streng hierarchische. Der Status ist daran geknüpft, wer am Männlichsten ist. Männlichkeit bedeutet insofern, größtmögliche Anerkennung von anderen Männern zu erhalten.

Androphilie ergibt sich für ihn „aus dem Zusammenspiel von abstrakter Faszination für Männer und Männlichkeit und der in einer entsprechenden Praxis mündenden Zuneigung zu konkreten Männern“. Homosexuelle Beziehungen zwischen Männern sind für ihn „also idealerweise einfach um eine sexuelle Komponente erweiterte enge Männerfreundschaften“. Dass man sich gegenseitig anerkennt und bewundert, sei im Prinzip nicht anders als unter heterosexuellen Männern, hinzu komme einzig eine sexuelle Faszination für männliche Qualitäten. Die Unterschiede zwischen hetero- und homosexuellen Männern seien entsprechend marginal und folgenlos.“
Man kann vieles an Donovan und seiner selbst gebastelten Ideologie bizarr oder skurril finden. Zum Beispiel auch, wie er, Achtung: Analverkehr zwischen Männern interpretiert. In der extremen Rechten (aber leider auch im kulturellen und gesellschaftlichen Mainstream) gilt es als ultimative Demütigung eines Mannes, penetriert zu werden. Für Donovan aber macht dieser Akt einen Mann nicht symbolisch zur Frau, sondern, im Gegenteil: Der passive Partner demonstriere ein männliches Durchhaltevermögen, weil er potenzielle Schmerzen zu ertragen weiß.
Aber ein Vordenker und Vorleber wie Donovan, der natürlich selbst ein bärtiges, glatzköpfiges, tätowiertes Muskelpaket ist, macht rechtsextreme Ideologien in einem besonderen Maße anschlussfähig für homosexuelle Männer heute. Und er erweitert dadurch die Basis und Reichweite der neuen Rechten.
DIE NATÜRLICHE ROLLE DER MÄNNER
Donovans Ideologie baut auf dem Gedanken auf, dass Männer und Frauen grundsätzlich unterschiedlich sind, körperlich und in ihrem Denken, und dass daraus die „natürliche Rolle der Männer“ erwachse, als Beschützer, aber eben auch Besitzer von Frauen. Männerrollen neu zu definieren, sei geradezu absurd: Es liege alles in ihrer Natur.
Simon Volpers fasst Donovans Vorstellungen über die biologischen Funktionen von Männern und Frauen so zusammen: „Frauen, wesentlich und in erster Linie gekennzeichnet durch ihre Fruchtbarkeit, warten mehr oder weniger passiv, Männer schreiten zur Tat und geben Leben.“ Daraus folgen ihre unterschiedlichen und unverrückbaren Rollen, voneinander getrennte soziale Lebensverhältnisse. Geschlechtergerechte Ideale wie Fairness oder Gleichheit werden bei ihm so zu „illusionären Zielen, da diese die realen Verhältnisse ignorieren würden“.
Frauen sind in seinen Büchern eine „Ressource“ unter vielen. Sie sollen „hübsch, charmant und pflegeleicht“ sein, ihre Kernkompetenzen seien „Attraktivität oder sozialer Charme“. Und Frauen sind nicht nur minderwertig, sondern gefährlich für Männer, weil sie sie dazu drängen, „den Weg der Bande aufzugeben“ und sie „aus dem ruhelosen Bandenleben in die häusliche Sicherheit und Bequemlichkeit“ locken. Donovan wittert eine große Verschwörung, in der Frauen und „Big Government“ gemeinsam an einer Welt des Friedens und der Sicherheit arbeiten, in der sich das männliche Bedürfnis nach Risiken und Auseinandersetzung nicht mehr entfalten kann.
So. Das ist jetzt ein Punkt, an dem man vielleicht kurz innehalten und die Frage stellen muss: Kann es sein, dass das nur ein einsamer Spinner ist? Wie viel Einfluss hat dieser Jack Donovan wirklich? Auch Simon Volpers stellt diese Frage, und er hat darauf keine eindeutige Antwort.
Aber es gibt genug Indizien dafür, dass es sich lohnt, sich mit ihm und seinem Denken auseinanderzusetzen, denn für wichtige Akteure der neuen Rechten ist er eine wichtige Referenz. Seine Bücher erscheinen im Antaios-Verlag von Götz Kubitschek, einem der wichtigsten rechtsextremen Vordenker im deutschsprachigen Raum. Eines wurde von Martin Lichtmesz übersetzt, einem rechtsextremen österreichischen Aktivisten aus der Identitären Bewegung. Jack Donovan hat 2017 auch schon bei Kubitscheks Institut für Staatspolitik geredet - oder auch eher: gebrüllt, passend zu seinem Vortragstitel „Violence is golden“.
In der zugehörigen Zeitschrift „Sezession“ wurde sein Vortrag so zusammengefasst:
„Gewalt sei eine harte, goldene Währung, jede noch so institutionalisierte, rechtsförmige oder pädagogische Regel laufe am Ende darauf hinaus, daß [sic! Man verweigert sich dort der neuen Rechtschreibung] physische Gewalt ihre ultima ratio sei. Und die ist bei aller politischen Korrektheit nie ganz verschwunden, wegkultiviert, aberzogen, sondern schlummert im Manne, bereit, herausgelassen zu werden.“
Für die neue Rechte, für die Manosphäre, für Maskulinisten, für Faschisten ist die Ideologie dieses schwulen Bodybuilders sehr anschlussfähig. Es geht dabei auch um die Vorstellung, dass Menschen in Volksstämmen leben, eindeutig getrennt von anderen Volksstämmen, gegen die man im Zweifel kämpfen muss. Aber auch um die Rolle von Männern und Frauen.
Die Misogynie, der Glaube an die Überlegenheit des Mannes, eint sie. Und dass jemand diese Überlegenheit so sehr zu schätzen weiß, dass er sie sogar als Sexualpartner bevorzugt, ist dann vielleicht sogar konsequent, jedenfalls nicht zwingend ein Grund, ihn abzulehnen oder zu verfolgen.
Ich weiß nicht, ob ich das ausdrücklich betonen muss, aber sicherheitshalber an dieser Stelle der Hinweis: Natürlich ist nichts daran verwerflich, als schwuler Mann auf besonders maskuline Männer zu stehen. Und es ist auch möglich, als schwuler Mann konservativ zu sein und sich eine dezidiert nicht-linke Politik zu wünschen. Beides macht einen nicht verdächtig, ein Anhänger der Ideologie von Leuten wie Jack Donovan zu sein.
Aber es lohnt sich zu erkennen, wie sehr die rechte Welt von Trump und seinen Unterstützern durch Frauenfeindlichkeit und das Feiern von Maskulinität bestimmt wird, und dass man sich darin nicht unmöglich macht, wenn man als Mann Männer attraktiv findet.
FRAUENFEINDLICHKEIT ALS PARTEIPROGRAMM
Der schwule amerikanische Journalist Dan Savage, der mit seiner Sexualratgeberkolumne bekannt wurde, hat es schon im Oktober 2016 im Podcast „The Gist“ auf den Punkt gebracht, also noch bevor Trump überhaupt zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt wurde.

„Ich bin im Laufe meines Lebens immer wieder auf heterosexuelle Männer gestoßen, die Frauen so sehr hassten, dass man fast das Gefühl hatte: Wenn Homosexualität eine Entscheidung wäre, würden sie sich dafür entscheiden. Sie sind dazu verdammt, sowohl mit ihrem Hass und Ekel gegenüber Frauen zu leben als auch mit ihrer Angst vor weiblichen Körpern, ihrer Unsicherheit und ihrem Bedürfnis nach ihnen, ihrem Verlangen nach ihnen. (…)
Ist Trump schwul? Ich glaube nicht (…). Vielleicht wäre er [als Schwuler] glücklicher, denn dann müsste er überhaupt nicht mit Frauen zu tun haben, niemals.“
Das klingt heute ziemlich hellsichtig, und ein anderer Gedanke, den Savage damals formulierte, auch. Er sah fassungslos, wie die sexuellen Übergriffe, mit denen Trump prahlte, grab them by the pussy, vom republikanischen Establishment verteidigt wurden.
„Ich mache mir Sorgen, dass Gewalt, ähnlich wie der Klimawandel, mittlerweile zu einem parteipolitischen Thema geworden ist, und dass sich das noch 30 Jahre lang hinziehen wird.“
Dass man sich als Mann an Frauen einfach bedienen könne, sei nun Teil des republikanischen Parteiprogramms geworden.
Audioproduktion und Mix: Yannik Milz
