Wie stark ist Europa eigentlich ganz alleine? Falls die USA uns wirklich hängen lassen …

Donald Trump ist wütend und droht, uns Schutz und Freundschaft zu entziehen. Wie würden wir ohne sie überleben, wenn wir müssten?

Wie stark ist Europa eigentlich ganz alleine? Falls die USA uns wirklich hängen lassen …
Illustration: Aïda Amer/Axios

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Die Frage kriecht in letzter Zeit immer wieder in alle möglichen Diskussionen, meistens im Zusammenhang mit den USA und den Drohungen von Trump, die NATO zu verlassen und Truppen abzuziehen, die Ukraine allein zu lassen und natürlich immer mehr und willkürlichere Zölle zu erheben weil, ja genau, weil eben, und so weiter.

Dazu kommen dann die plötzlichen Kriege, die irrlichternde Wut des amerikanischen Präsidenten auf der einen Seite, aber auch die völlige, unnachgiebige Grausamkeit des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der anderen Seite. Wir haben keine freundliche Großmacht in Sicht, wir sind jetzt allein zu Haus.

Wie stark sind wir, wenn wir auf uns allein gestellt sind? Wie stark sind wir militärisch, wie stark sind wir wirtschaftlich, und das heißt natürlich auch: Wie sicher sind wir?

Das schauen wir uns jetzt an.

Und zwar in vier Bereichen, die alle fundamental wichtig und in Wahrheit auch nicht sauber voneinander zu trennen sind. Die vier Bereiche, über die wir jetzt sprechen, sind

  • Die militärische Stärke
  • Die wirtschaftliche Stärke
  • Wie abhängig – und deshalb schwach – sind wir in Bezug auf die Digital-Infrastruktur in den USA und dem Rest der Welt?
  • Wie abhängig sind wir von der Energie, die wir aus dem Rest der Welt importieren, über die wir also nicht aus eigener Kraft verfügen können?

Militär, Wirtschaft, Digitaltechnik und Energie. Das sind die vier sensiblen Felder, klar, für Essen und Kultur die Bauwirtschaft brauchen wir die Amerikaner nicht, und die Russen auch nicht, und als Touristen sind das auch die, auf die man als erstes und gerne verzichtet. Aber militärisch, da sind die USA allein so stark wie ungefähr die nächsten 25 Länder mit den nächstgrößten Armeen (im Sinne von Verteidigungsausgaben) zusammengenommen. Wegen der aktuellen Kriege sind die Zahlen kein ganz perfekter Ausdruck von den echten Möglichkeiten, die eine Armee hat – die USA haben wegen des Iran-Krieges gerade zig Milliarden mehr ausgegeben für ihr Militär, aber das hat sie nicht stärker gemacht, sondern schwächer, sie haben nämlich gerade zum Beispiel deutlich weniger Raketen als noch vor wenigen Monaten – aber die grundsätzliche Lage ist immer noch die, die NATO-Generalsekretär Mark Rutte beschrieben hat mit ungefähr diesen Worten: Wer in der NATO denke, er könne sich ohne die USA verteidigen, der träume. Und das ist ja auch, was wir alle dauernd von allen möglichen Experten hören: Wenn Putin sich entschließt, einen NATO-Staat anzugreifen – von Österreich gar nicht zu reden –, dann sieht es sehr schnell sehr dunkel aus. Ohne die USA geht dann angeblich gar nichts.

Militärische Stärke

Aber ist das wahr? Wenn wir uns die Zahlen (von 2025) anschauen, dann kommt da plötzlich ein differenzierteres, deutlich anderes Bild ans Licht: Russland steckt in einem Krieg und hat schon seit Jahren umgestellt auf eine so genannte Kriegswirtschaft, das heißt, der Staat greift massiv in die Produktion ein und sorgt dafür, dass die militärisch wichtigen Güter produziert werden. Offiziell sind mehr als sieben Prozent des russischen Bruttoinlandsproduktes Militärausgaben, inoffiziell noch mehr, eher zehn Prozent*. Das wären dann rund 220 Milliarden Euro. Eine unvorstellbare Summe, das rund 44-mal das Budget des österreichischen Bundesheeres – aber die Länder der EU zusammengenommen haben ein Budget von 381 Milliarden. Viel mehr als Russland. Putin ist ein grausamer Kriegsherr, das hat er schon in Tschetschenien bewiesen, und jetzt wieder in der Ukraine, aber, bei allem Respekt: Das sind Tschetschenien und die Ukraine, nicht Länder der EU. Wenn die USA Europa wirklich im Stich ließen, dann wären auf dem Papier Europa gemeinsam immer noch stärker als alles, was da realistischerweise kommen kann – außer, wenn die USA uns nicht nur im Stich lassen, sondern auch noch angreifen. Aber da ist ein schwieriges Begriffs-Pärchen in dem Satz: Europa zusammen. Das ist nämlich nicht nur eine Frage des Willens (und dass man es aushält, dass die Franzosen einem die ganze Zeit erklären, wie man Käse richtig schneidet), sondern militärische Zusammenarbeit wird in ganz vielen Fällen dadurch erschwert, dass die europäischen Länder oft unterschiedliche Waffensysteme benutzen. Diese 381 Milliarden Euro werden also für viele kleine Armeen ausgegeben, in denen jeder von allem ein bisschen hat, und das lässt sich nicht so leicht zu einer großen Armee zusammenführen. Wir in Europa sind also nicht so stark, wie wir sein könnten, wenn wir militärisch vollständig integriert wären, aber wir sind auch nicht so wehrlos, wie manchmal getan wird. Und wir sehen in der Ukraine und im Iran, dass zahlenmäßig unterlegene Armeen mehr oder weniger unbesiegbar werden können, wenn sie ihre Ressourcen richtig einsetzen. Das bedeutet in der modernen Kriegführung vor allem Drohnen. Da ist Europa nicht übertrieben gut aufgestellt und hat Nachholbedarf, aber wir sehen gerade im Iran: Das ist gerade nichts, wobei uns die Amerikaner besonders helfen könnten, die sind mit der iranischen Drohnenmacht selbst überfordert.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte hält die militärische Verteidigung des Bündnisses ohne die USA für unmöglich: „Träumen Sie weiter […]. Wir können es nicht!“ (Foto: IMAGO/Anadolu Agency)

Die Antwort auf die erste Frage ist also: Militärisch gesehen wird die Welt wahrscheinlich nicht sicherer, wenn die Amerikaner sich aus Europa zurückziehen, aber Europa ist nicht wehrlos und wäre sogar in einer ganz guten Position, relativ schnell auf die moderne Form der Kriegführung eingestellt zu sein. Immerhin ist die Ukraine europäisch und unser Verbündeter, und niemand weiß im Moment mehr über effektive Kriegführung als die. Sollte Russland irgendwo die Ostflanke Europas etwa im Baltikum angreifen, dann wird es länger dauern, als wir uns wünschen würden, bis Europa ohne die USA das zurückschlagen kann, aber Putin wird sich nicht Estland einverleiben können, oder gar Polen. Das ist, um mal mit Mark Rutte zu sprechen, auf Putins Seite auch ein Traum, Amerika hin oder her.

Wirtschaftliche Stärke und Energieabhängigkeit

Kommen wir zu Punkt zwei: Die Wirtschaft. Wie stark ist Europa da? Können wir ohne die USA? Und die Antwort tut weh, sie lautet: Das kommt darauf an. Beginnen wir mit dem Guten: Die Europäische Union. Die  ist — trotz aller Krisen, aller Zentrifugalkräfte, aller nationalen Eitelkeiten — ein wirtschaftlicher Gigant. Das gemeinsame Bruttoinlandsprodukt der 27 Mitgliedstaaten macht die EU zur zweit- oder drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, je nachdem, ob man nominale Wechselkurse oder Kaufkraftparität zugrunde legt. Der europäische Binnenmarkt sind rund 450 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher — mehr als die USA, mehr als jede andere demokratische Volkswirtschaft der Erde.
Allein diese Zahl ist Macht. Wer in den europäischen Markt will — ob amerikanische Tech-Konzerne, chinesische Elektroautobauer oder indische Pharmaunternehmen — der muss europäische Regeln spielen. Das ist kein Zufall, das ist Kalkül. Brüssel hat in den vergangenen Jahren konsequent die sogenannte Brüssel-Effekt” genutzt: Weil der EU-Markt so groß und so reguliert ist, übertragen sich europäische Standards oft auf die ganze Welt. Der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) folgte eine Welle ähnlicher Gesetze — von Brasilien bis Indien. Der AI Act wird möglicherweise – da schwingt jetzt ehrlicherweise ein bisschen Optimismus mit –  die globale KI-Regulierung prägen, obwohl die KI-Konzerne alle nicht in Europa sitzen, dazu kommen wir nachher nochmal. Aber: In der Regulierungsmacht ist Europa tatsächlich Weltklasse.
Auch kulturell und demokratisch hat Europa Gewicht. Als Wertegemeinschaft, als Rechtsstaat-Modell, als Raum, in dem Menschen aus 27 Nationen ohne Grenzkontrollen leben, arbeiten und reisen können — das ist historisch einmalig. Die Soft Power Europas ist real, auch wenn sie schwer zu messen ist.

Wirtschaftlich ist Europa also stark — aber anders stark als Amerika oder China. Die USA dominieren die Tech-Industrie: Apple, Google, Microsoft, Amazon, Meta, Tesla — kein einziges dieser Unternehmen kommt aus Europa. China hat eine beispiellose industrielle Kapazität aufgebaut und kontrolliert Lieferketten für kritische Rohstoffe, Batterien, Solarpanele und zunehmend auch KI-Hardware. Man muss das mal so klar sagen: China produziert heute alles besser als der Rest der Welt.
Europa hat aber exzellente industrielle Mittelständler — den viel gerühmten Mittelstand”. Es hat starke Sektoren in Chemie, Automobil, Maschinenbau, Pharma und Luft- und Raumfahrt (Airbus ist ein echter europäischer Stolz). Da fehlt im Moment die Wachstumsdynamik, und Trumps Krieg hilft bei der Herausforderung nicht, aber es ist auch nicht so, dass die USA Europa einfach ersetzen könnten. In praktisch jeder Zukunftstechnologie, zum Beispiel auch in der Hardware, die für KI nötig ist, stecken europäische Teile – so wie gerade in der Mondrakete Artemis.

Artemis II startet Richtung Mond – und ist auch ein typisches Symbol für Europas eigenartige Stärke, denn das NASA-Programm zeigt einerseits US-amerikanische Dominanz, wäre ohne das von Airbus mit der europäischen Weltraum-Agentur ESA gebaute European-Service-Modul (ESM) nicht durchführbar. (Foto: IMAGO/Newscom World)

Der Ökonom Mario Draghi – das ist der ehemalige EZB-Chef und Ex-Ministerpräsident Italiens – der hat 2024 einen vielbeachteten Report zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit vorgelegt. Der war ernüchternd: Europa riskiert seiner Analyse nach, abgehängt zu werden. Es fehlt an Risikokapital für Start-ups. Es fehlen einheitliche digitale Märkte. Es fehlt an einer Energieunion, die günstige und sichere Energie für alle Mitglieder garantiert. Der europäische Kapitalmarkt ist im Vergleich zu den USA viel zu kleinteilig, europäisches Geld fließt dann oft nach Amerika, weil dort die Renditen verlockender sind.
Die Abhängigkeiten sind strukturell: Europa importiert kritische Rohstoffe aus China (das sind so genannte seltene Erden, Lithium für Batterien, Silizium für Halbleiter). Wir importieren heute Flüssiggas aus den USA und kaufen Halbleiter in Taiwan. Fast nirgendwo ist Europa wirklich autark. Und das ist keine Schwäche, die man über Nacht behebt.
Aber es gibt Bewegung: Die EU hat einen Critical Raw Materials Act” verabschiedet, um Abhängigkeiten von China zu reduzieren. Europäische Halbleiterproduktion soll mit dem Chips Act“ aufgebaut werden – das sind formulierte Ziele, das heißt natürlich noch lange nicht, dass sie jetzt auch schnell umgesetzt werden, aber jedes Mal, wenn Donald Trump wieder erratische Zölle ankündigt und wieder streicht und dann ganz anders wieder einführt, sorgt er unabsichtlich dafür, dass in Europa ein Projekt schneller wird – weil nichts europäische Einigkeit mehr stärkt als eine Bedrohung von außen. Vielleicht müssen wir ihm dafür irgendwann wirklich ein Denkmal bauen (irgendwo dort, wo die berühmtesten Szenen aus Der Dritte Mann“ gedreht wurden, würde ich vorschlagen).
Zu den durch Trump beschleunigten Entwicklungen gehört aber auch die Energiewende. Mit der aktuellen Situation im Nahen Osten und in der Straße von Hormuz steigt auch der Wille, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen abzuschütteln. Denn dort sind wir noch erpressbar, das hat Putin gerade noch aufgezeigt, aber es stammt immer mehr Strom aus europäischen, erneuerbaren Quellen. Das macht uns autarker.

Zusammengefasst: Die Weltwirtschaft ist so verflochten, dass es für niemanden einfach wird, auf sich allein gestellt zu sein. Es ist eigentlich sogar undenkbar, aber das gilt für alle, auch für die USA und China. Es geht also eigentlich schon nicht mehr darum, autark zu sein, sondern eine gute Verhandlungsposition zu haben und nicht leicht erpressbar zu sein. Und da steht Europa ganz gut da. Die Frage nach der Energie haben wir damit auch schon angerissen, und gerade in Österreich spüren wir extrem, wie schnell die internationale Situation jeweils auf die Preise der Energie in unseren Wohnzimmern durchschlägt.
Das liegt natürlich an der europäischen und auch österreichischen Abhängigkeit von importierter Engergie, aber es liegt auch an einer einfachen Wahrheit, die oft vergessen wird – und die ist so einfach, dass es sich fast falsch anfühlt, sie überhaupt auszusprechen: Alles Öl, das auf der Welt gefördert wird, wird auch verbraucht. In ganz vielen Zusammenhängen wirkt die öffentliche Diskussion so, als könnte man zum Beispiel dem Iran einfach kein Öl mehr abkaufen, oder Russland, und so eine Abhängigkeit verringern und diesen Ländern gleichzeitig Einkommen entziehen. Das funktioniert so nicht, die Fördermenge der Welt ist im Wesentlichen die Menge, die auch gebraucht und verbraucht wird. Russland wird immer Kunden finden, genau wie der Iran. Und wenn 20 Prozent des weltweiten Öls in der Straße von Hormuz feststecken, dann gibt es noch eine Zeit lang Reserven, und woanders können Fördermengen ein bisschen erhöht werden, und so weiter, aber es kommt der Punkt, da ist zu wenig Öl da. Da kann nicht mehr jede Maschine betrieben werden, die gestern noch lief.

Eine Öl-Raffinerie (in diesem Fall im Irak): Sollte dauerhaft der Transport durch die Straße von Hormuz gestört bleiben, wird die weltweite Rezession alle Planungen zunichte machen. (Foto: IMAGO/Anadolu Agency)

Manches regelt sich über Preise, so wie in ärmeren Vierteln in Südostasien die Menschen ihre Klimaanlagen bei Hitze gerade mehr nicht anstellen, weil sie sich den Strom nicht leisten können. Aber 20 Prozent aller fossilen Energie sind zu viel, um es über mehr oder weniger freiwillige Einsparungen abfedern zu können – es würde irgendwann an manchen Orten der Welt einfach kein Benzin mehr vorhanden sein, oder durch staatliche Rationierung nicht erhältlich, und damit zum Beispiel auch weniger Strom oder keine Heizung. Im Moment ist in den Vorhersagen der Wirtschaftsforscher nur eingepreist, dass die Energiepreise weiter steigen. Sollte es wirklich dazu kommen, dass es massive Energieengpässe gibt, mit allen Auswirkungen auf Lieferketten, Transporte und alles andere, dann hält keine der Vorhersagen und wir bekommen eine Weltwirtschaftskrise, gegen die Corona lustig war. Dann müssten wir uns fragen: Wie stark ist Europa hinterher. Aber das ist eine Frage für einen anderen Tag, der hoffentlich niemals kommt.

Technologie und digitale Infrastruktur

Ein Thema haben wir noch, und das ist das schwierigste: Technologie, besonders digitale Technologie, und da ist Europas Rückstand eklatant. Das kann man nicht schönreden. Das Silicon Valley und seine Konzerne definieren, wie die Welt kommuniziert, wie sie konsumiert und sich informiert. China baut parallel eine eigene Tech-Welt auf — Baidu, Alibaba, Huawei, TikTok — und investiert massiv in Künstliche Intelligenz.
Und Europa? Europa hat den Datenschutz. Und das ist nicht nur Ironie: Europas regulatorischer Ehrgeiz ist real und hat strategische Tiefe. Aber er reicht nicht, um Weltmarktführer in KI zu werden. Das liegt nicht an mangelndem Talent — Europas Universitäten und Forschungseinrichtungen produzieren erstklassige KI-Forscherinnen und Forscher. Das Problem ist Geld. Wer in Europa eine KI-Firma aufbaut, kämpft gegen einen Strom: Das Risikokapital fließt nach Amerika, die besten Köpfe wandern dorthin, und die regulatorischen Hürden sind höher.

Das EU-Programm „Horizon Europe“ fördert Forschung mit fast 100 Milliarden Euro – ein Beispiel, dass Europa bei allem mühsamen Kleinklein auch ziemlich große Projekte angehen kann. (© European Union)

Es gibt Ansätze. Das europäische KI-Ökosystem wächst — in Frankreich (Mistral AI ist ein echter europäischer Lichtblick), in Deutschland, in den Niederlanden. Die EU investiert Milliarden in Forschungsprogramme wie Horizon Europe. Und beim Thema KI-Sicherheit und Ethik ist Europa weltweit führend — was langfristig ein Standortvorteil sein könnte – wir haben ja gerade zum ersten Mal gehört, dass die Trump-Regierung eine Kehrtwende macht und jetzt vielleicht doch neue KI-Modelle auf Sicherheit überprüfen lassen will (es fällt sehr schwer, irgendeine Nachricht aus dem Weißen Haus zu glauben, es könnte auch sein, dass Donald Trump wieder einmal eine Gelegenheit nutzt, einer Branche zu drohen um Gegenleistungen zu erpressen. Der aktuelle US-Präsident agiert oft mehr wie ein Mafia-Pate als wie ein Politiker oder Geschäftsmann).
Ähnliches gilt für den Raumfahrtsektor: Arianespace kämpft gegen SpaceX, Europas institutionelle Trägheit gegen Musks manische Innovationsmaschine, und während alle Aufmerksamkeit – oft zu Recht – auf den spektakulären Erfolgen von SpaceX liegt, bedeutet das nicht, dass Europa nur schläft.

Da stehen wir also: Europa ist eine Supermacht. Es ist ein Magnet für Menschen aus aller Welt, auch weil wir die Hüter der Demokratie sind, und die ist so kompliziert, mit so vielen Ebenen, von der kleinsten Gemeinde bis zu EU, so viele unterschiedliche Länder – das alles hat übrigens auch eine stabilisierende, demokratisierende Qualität –, dass wir unsere größten Hindernisse selbst bauen. Wir sind stark, aber oft nicht sofort so stark, wie wir wären, wenn wir uns mal schneller einigen könnten. In irgendetwas. Europa ist komplex und die größte Kraft wie auch die größte Bremse liegt in unserer Vielfalt. Das kann sehr nerven, und es kann sehr glücklich machen, und zwar gleichzeitig, wie wir in Wien in den nächsten Tagen von einer sehr bunten Horde europäischer Musik-Fans vorgeführt bekommen werden, wenn der ESC in die Stadt kommt.
Deshalb ist die Frage vielleicht gar nicht, wie stark wir sind, sondern wie stark wir sein müssen. Denn gibt es einen besseren Ort zum Leben auf der Welt als Europa? Für mich nicht, glaube ich, und das heißt eben auch: Wir haben gar keine Wahl, als Europa zu verteidigen. Also, lasst es uns tun.
Falls du jemanden kennst, der diese Argumente unbedingt mal hören müsste, oder sollte, oder vielleicht auch nur Freude daran haben könnte, dann teil gerne diese Geschichte mit ihr oder ihm. Danke für deine Zeit, sag mir in den Kommentaren, was du dazu denkst.

Audioproduktion und –Mix: Yannik Milz