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1. Juli 2026

Keine Region in Österreich ist vor Wassermangel sicher. Wie stellen wir uns darauf ein?


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Der Wasserstand des Föhrensees in Niederösterreich (Bezirk Wiener Neustadt) war im April 2023 auf seinem Rekordtief. Der Badesee wird aus dem Grundwasser gespeist. Auch im Juni gab es wieder Berichte darüber, dass er austrocknet. (Foto: APA-Images / EXPA / Max Slovencik)

Die Hitzewelle dauert an und der Wasserverbrauch in Österreich ist überdurchschnittlich hoch. Die Stadt Wien sagt, derzeit wird täglich 45 Prozent mehr Wasser verbraucht als im Durchschnitt. Sie hat dazu aufgerufen, Wasser zu sparen, und auch selbst Anpassungen gemacht. Beispielsweise wird die Straßenreinigung jetzt erst einmal ohne Wasser auskommen müssen und Grünflächen mit etwas weniger Bewässerung. Trinkbrunnen in der Stadt, Bäder und Wasserspielplätze werden weiterhin betrieben. Auch andere Gemeinden rufen die Bevölkerung dazu auf, Wasser zu sparen. In Pöggstall in Niederösterreich haben diese Appelle nicht gefruchtet. Deshalb droht die Gemeinde der Bevölkerung jetzt damit, die Trinkwasserversorgung zeitweise zwischen 22 und 4 Uhr abzudrehen, sollte der Wasserverbrauch in der Nacht weiterhin so hoch wie untertags sein. Denn sonst können sich die Wasserstände in den Speichern über Nacht nicht erholen und wenn dann in der Früh viele Menschen gleichzeitig Wasser brauchen, wird es eng.

Jetzt sind endlich Niederschlag und Abkühlung angesagt – in Verbindung mit Unwettern, die ihre eigenen Herausforderungen bringen könnten. Aber trotzdem bringt das keine nennenswerte Entlastung für die Wasserversorgung – kurzfristig sogar eine Beschränkung in der Trinkwasserversorgung.

Österreich hat immer als wasserreiches Land gegolten. Worauf müssen wir uns künftig einstellen und wie können wir uns sinnvoll darauf vorbereiten – auf struktureller und individueller Ebene?

Darüber spreche ich mit dem Wasserexperten Thomas Ertl von der Universität für Bodenkultur in Wien. Er hat sich lange intensiv mit Abwasser befasst, ist so zu „Mr. Kanal“ geworden, aber mit der Zeit hat sich sein Forschungsgebiet in Richtung Wasserversorgung und Siedlungswasserwirtschaft ausgeweitet.

„Die Klimakrise holt uns schneller ein, als wir geglaubt haben. Die Klimaforscher müssen ihre Modelle ständig revidieren. Es brennt der Hut. Nicht nur bildlich, sondern fast schon wörtlich“, sagt Wasserexperte Thomas Ertl. (Foto: Tietze)

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:

  • Selbst starker Regen kann die niedrigen Grundwasserpegel nicht auffüllen. Es fehlt zu viel Wasser. Außerdem fällt der Regen einerseits punktuell und andererseits ist die Erde nach Dürreperioden nicht aufnahmefähig. Flächendeckender Nieselregen, der das Erdreich langsam durchtränkt, wird immer seltener.
  • In Ostösterreich ist die Wasserversorgung gut vernetzt, wodurch lokale Mängel ausgeglichen werden können – zumindest, solange die Donau Wasser liefert. Aber in Zukunft könnte es zu Nutzungskonflikten kommen, wenn etwa die Landwirtschaft auf zusätzliche Bewässerung angewiesen ist. Es wird auch keine Region vor Wassermangel gefeit sein. Selbst im Berg- und Alpenvorland gibt es derzeit stellenweise niedrige Grundwasserspiegel – „was man nie geglaubt hätte“.
  • Es ist wichtig, dass die Wasserversorgung qualitativ wie quantitativ auf mehreren Beinen steht – damit man für Ernstfälle und Spitzenzeiten gerüstet ist. Überregionale Vernetzung und größere Wasserspeicher helfen ebenfalls dabei, Mängel abzufedern. Essenziell ist jedenfalls, dass das Bewusstsein der Menschen für Wasserverbrauch geschärft wird. Niederschlag muss möglichst vor Ort gehalten werden, indem entsiegelt sowie renaturiert wird beziehungsweise Versickerungsmöglichkeiten eingeplant oder geschaffen werden. Bei der Planung müssen möglichst alle Akteure und Akteurinnen eingebunden werden, damit die Maßnahmen mitgetragen werden. „Die Technologien haben wir, die Möglichkeiten haben wir, wir müssen es umsetzen. Und das aber möglichst schnell“, sagt Herr Ertl.

Am Ende des Interviews meint Thomas Ertl natürlich den Ministerpräsidenten von Bayern.

Auf der sogenannten eHyd-Karte kannst du sehen, auf welchem Stand der Grundwasserspiegel in verschiedenen Gebieten aktuell ist.

Falls du noch tiefer in das Thema Wasser eintauchen willst: Vor ein paar Jahren war Herr Ertl im Falter Radio zu Gast und hat mit Falter-Chefredakteur Florian Klenk darüber gesprochen.

Vor Kurzem haben wir in der B-Seite thematisiert, dass die US-Regierung die neuesten Modelle der führenden KI-Firmen für das Ausland eingeschränkt hat. Die Sperren für die Anthropic-Modelle sind jetzt vollständig wieder aufgehoben worden. Ich habe mit dem Ökonomen Jürgen Janger über die Idee gesprochen, Anthropic in die EU zu holen – wie realistisch das ist und was es dafür bräuchte.


Den aktuellen Wasserstand des Föhrensees konnte ich bis Redaktionsschluss leider nicht in Erfahrung bringen. Pass weiterhin bei Hitze und Unwettern auf dich auf. Danke fürs Zuhören und noch einen guten Tag dir!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team