Dieser Mann will die SPÖ retten. Wer er ist und was er verspricht
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71 Jahre alt, Medienmanager, Millionär: Gerhard Zeiler möchte Andreas Babler ablösen – als Parteivorsitzender, eventuell auch als Vizekanzler. Dafür riskiert er eine öffentliche Führungsdebatte.

Einige Wochen lang gab es schon Gerüchte darum, ob Gerhard Zeiler SPÖ-Chef Andreas Babler herausfordert. Jetzt sagt er: „Ich bin der Richtige!“ Er möchte die Partei aus dem Umfragetief zu führen. Schon der historische Wahl-Tiefstwert von 21 Prozent bei der Nationalratswahl 2024 war für die einstige Volkspartei ein Schock. Aktuell steht sie bei 15 Prozent Zustimmung – nur noch einen Punkt vor den Grünen. Obendrein fährt der Boulevard eine Kampagne gegen SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler. Er gefährdet das Geschäftsmodell des Boulevards, weil er sich als Medienminister für eine Reform der Medienförderung einsetzt.
Wer ist Gerhard Zeiler, der meint, er könnte die SPÖ aus diesem Tief hinausführen?
Er ist 71 Jahre alt und kommt aus dem Wiener Arbeiterbezirk Ottakring. Man muss ihn vor allem Medienmanager nennen, er hat aber schon Erfahrung in und mit der österreichischen Politik gemacht. Er war schon in der Sozialistischen Jugend aktiv, später Pressesprecher von SPÖ-Bundeskanzler Fred Sinowatz und dessen Nachfolger Bundeskanzler Franz Vranitzky. 1986 startete Gerhard Zeilers Karriere in den Medien, mit der er zum Millionär geworden ist. Er war zuerst ORF-Generalsekretär, später ORF-Generaldirektor, hat bei RTL steile Karriere bis in den Vorstand des Mutterkonzerns Bertelsmann gemacht und ist jetzt schon über zehn Jahre lang für den US-Medienkonzern WarnerMedia tätig.
Gerhard Zeiler war also lange nicht mehr in der österreichischen Politik aktiv, aber immer wieder im Gespräch. 2016 hat sich Zeiler als möglicher Nachfolger von SPÖ-Chef und Bundeskanzler Werner Faymann in Position gebracht, am Ende aber seine Kandidatur zurückgezogen und ÖBB-Manager Christian Kern unterstützt. Als Kern dann zwei Jahre später schon wieder den Rückzug angetreten hat, wurde Zeiler neben Pamela Rendi-Wagner erneut als Kandidat gehandelt – einmal mehr ohne Erfolg.
Ist der internationale Medienmanager und Millionär jetzt die Person, die die SPÖ aus ihrer Krise führen kann?
Das bespreche ich mit der Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle, bisher Professorin an der Fachhochschule Kärnten beziehungsweise CU Carinthia University of Applied Sciences, ab Oktober Rektorin der Hochschule.
Hinweis: Im Originalaudio und -text war die Information enthalten, dass Zeiler 2011 noch einmal erfolglos versucht hat, ORF-Generaldirektor zu werden. Nachdem das so missverstanden werden kann, dass er tatsächlich kandidiert hat, haben wir die Information wieder entfernt. Tatsächlich hat er überlegt, zu kandidieren, hatte dann aber nicht den Rückhalt in der SPÖ.

*Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:
- Um gegen Andreas Babler anzutreten, bräuchte Gerhard Zeiler Unterstützungserklärungen von Parteimitgliedern und öffentlichen Rückhalt von SPÖ-Größen und Teil- beziehungsweise Landesorganisationen. In der SPÖ gibt es zwar Unzufriedenheit mit der Situation der Partei, aber die Frage ist, ob sich eine bedeutende Mehrheit hinter Zeiler als Kandidaten stellt. „Im Moment fühlt sich Andreas Babler doch noch sehr sicher.“
- Öffentliche Machtkämpfe führen in der Regel dazu, dass Umfragewerte sinken. Sie machen Parteien außerdem handlungsunfähig. Das hätte in diesem Fall auch gravierende Auswirkungen auf die Bundesregierung, die sich für den Herbst viele Reformprojekte vorgenommen hat. Die Regierung hat bei den Wählern und Wählerinnen keine Mehrheit mehr und auch Bundeskanzler Christian Stocker sitzt als ÖVP-Chef nicht besonders fest im Sattel.
- Gerhard Zeiler müsste es schaffen, die Parteifunktionäre und -funktionärinnen bei zentralen Themen auf eine gemeinsame Linie zu bringen und die Gräben in der Partei zuzuschütten – etwas, das den vorhergegangenen Parteispitzen und auch Andreas Babler nicht gut genug gelungen ist. Entscheidend für den Erfolg auf Bundesebene ist auch, dass die SPÖ es schafft, Parteinachwuchs aufzubauen, der Vertrauen in der Bevölkerung aufbauen und sich in den Bundesländern behaupten kann.
- Dass Zeiler Millionär ist, könnte er als Aufstiegsgeschichte aus einfachen Verhältnissen zu seinen Gunsten verkaufen – ein Aufstieg, den er im Ausland fernab der politischen Netzwerke in Österreich geschafft hat. Damit könnte er sich auch bewusst von der ÖVP absetzen, gegen die es in den vergangenen Jahren immer wieder Vorwürfe der Freunderlwirtschaft gab – und gegen Ex-Klubobmann August Wöginger im jüngst auch eine Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs. Politisch grenzt er sich bewusst von Andreas Bablers linkem Kurs ab und kündigt an, einen wirtschaftsfreundlichen Kurs zu fahren. Womöglich orientiert er sich an dem Modell von Franz Vranitzky, der selbst aus dem Bankenwesen kam.
- Die inhaltlichen Verhandlungen innerhalb der Koalition wären mit Gerhard Zeiler an der SPÖ-Spitze nicht automatisch einfacher. Die SPÖ ist in ihren Positionen bisher durchaus pragmatisch. Eventuell könnte ein Wechsel aber einen Motivationsschwung und neue Umgangsformen innerhalb der Koalition bringen.
- Zeilers Alter ist kein Problem für sein Ziel, Parteichef zu werden und die SPÖ in die Zukunft zu führen. Die Politik ist dynamischer und Parteiführungen ohnehin nicht mehr jahrelang im Amt. Auch ältere Amtsträger und -trägerinnen schaffen es durchaus, eine junge Zielgruppe anzusprechen. Entscheidender werden seine Kommunikation und das Auftreten gegenüber der Partei und der Bevölkerung sein.
Ich hoffe, du hattest einen guten Start in die neue Woche!
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Pia Miller-Aichholz