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5. März 2026

Leben im Informationszeitalter: Wie unsere Aufmerksamkeit gebündelt wird und wie wir sie schützen


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Foto: Getty/ Marco Piunti

Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran wird ein Dritter Weltkrieg in den Raum gestellt. Österreicher und Österreicherinnen bemühen sich, aus dem Krisengebiet nach Hause zu kommen, Öl- und Benzinpreise steigen, ständig prasseln neue Entwicklungen auf uns ein – neue Angriffe, weitere Tote, Krisensitzungen und politische Kommentare.

Wenn ein Thema in den Nachrichten so dominant ist, dann gehen andere unter, die unsere Aufmerksamkeit theoretisch auch verdienen würden. Unsere Aufmerksamkeit hat eben ihre Grenzen. Um diese geht es heute, aber auch darum, welchen Wert und welche Bedeutung Aufmerksamkeit hat, wie sie deshalb immer wieder bewusst instrumentalisiert wird und wie wir entgegenwirken können.

Darüber habe ich mit dem Kommunikationsforscher Marian Adolf vom Department of Communication der FH Wien gesprochen.

Kommunikationsforscher Marian Adolf sagt, Aufmerksamkeit ist schon immer bewusst genutzt worden. Heute passiert das aber in einer anderen Quantität und Qualität. (Foto: feelimage/Matern)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Immer mehr Menschen hören vollkommen auf, Nachrichten zu konsumieren. Psychohygienisch ist das nachzuvollziehen, aber demokratietheoretisch problematisch, weil wir informierte Bürger und Bürgerinnen haben wollen, die entsprechend Entscheidungen treffen können.
  • Bis zu welchem Punkt wir eine gewisse Fülle an Informationen aufnehmen können, hängt auch davon ab, welcher Generation wir angehören. Jüngere Generationen sind bereits in einem schnelleren, vielfältigeren Kommunikationssystem aufgewachsen, haben sich also in gewisser Weise daran gewöhnt. Aber auch die persönliche Resilienz spielt eine Rolle dabei, wie gut wir Nachrichten verarbeiten können.
  • Die Fülle an dramatischen Nachrichten aus der Welt kann dazu führen, dass wir ein permanentes Krisengefühl mit uns herumtragen. Es führt auch dazu, dass wir uns mehr mit der „Welt da draußen“ beschäftigen – und deshalb wohl auch weniger Zeit haben, um uns auf uns selbst zu besinnen.
  • Die Digitalisierung verändert, wie wir Nachrichten konsumieren, aber auch, wo wir sie konsumieren. Das beeinflusst auch, wie sich unsere Öffentlichkeiten bilden und den gesellschaftlichen Diskurs.
  • Zwar verändert sich, wo Informationen konsumiert werden, aber es ist immer noch zu sehen, dass sich Menschen in Krisenzeiten wieder den traditionellen Medien und bekannten Medienmarken zuwenden.
  • Klassische Medien und Journalismus können sich nicht der Mediatisierung der Kommunikation entziehen: dass es wichtig ist, eine Online-Präsenz zu haben oder visuelle Stilelemente einzusetzen. Dass es notwendig ist, sich damit auseinanderzusetzen, zu welchem Zeitpunkt man über etwas berichtet, wie man sich oder Formate verkauft und wann und in welchem Rahmen man die Menschen am besten erreicht.
  • Guter Content und guter Journalismus haben in der neuen Kommunikationswelt immer noch Platz, aber heute ist es mehr denn je wichtig, seine eigene Nische zu finden. Gleichzeitig stößt konstruktiver Journalismus auf natürliche Grenzen, weil wir Menschen von negativen Nachrichten stärker bewegt werden.
  • Zwar wurde Aufmerksamkeit immer schon genutzt, allerdings passiert das heutzutage in einer anderen Quantität und Qualität. Wer unsere Aufmerksamkeit kapern will, nutzt dazu gern emotionale Themen. Denn wer emotional oder schockiert ist, neigt eher zu unüberlegten Reaktionen. Eine andere Weise, unser Bewusstsein zu beeinflussen, ist, uns wiederholt Informationen vorzusetzen. Denn der sogenannte Mere-Exposure-Effekt führt dazu, dass wir diese dann weniger hinterfragen.
  • Heute wird unsere Aufmerksamkeit auch mit Bildern gelenkt. Das ist nicht unbedingt schlecht. Bilder eröffnen auch neue Möglichkeiten dabei, Informationen zu vermitteln – beispielsweise im Datenjournalismus. Aber wir können uns heute in verschiedenen Situationen nicht mehr sicher sein, ob das, was wir sehen, der Wahrheit entspricht.
  • Am Ende des Tages sollten wir uns immer daran erinnern, dass wir selbst bestimmen, was wir konsumieren und wie viel davon. Wir können der Flut an Nachrichten und dem Versuch, unsere Aufmerksamkeit zu kapern, mit bewusstem Medienkonsum begegnen – auch auch dadurch, dass wir Empfangsgeräte bewusst abschalten oder weglegen.

Bei JETZT setzen wir uns bewusst damit auseinander, wie Nachrichten gemacht und erzählt beziehungsweise Themen ausgewählt werden. Wir sind überzeugt davon, dass Medien in einer liberalen Demokratie eine wichtige Funktion erfüllen. Und wir wollen messen, wie sich das, was wir machen, langfristig auswirkt – an verschiedenen Stellen unserer gemeinsamen Reise mit unseren Mitgliedern. Dafür haben wir im ersten Schritt eine Umfrage für den Start einer JETZT-Mitgliedschafterstellt. Die bekommt an sich jedes neue Mitglied zugeschickt. Falls das bei dir untergegangen ist: Nimm gerne noch daran teil.

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team