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28. April 2026

Waldbrände werden nicht häufiger, aber größer. Wie wir uns darauf einstellen können


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Foto: APA-Images / APA / FLORIAN JOST

Am Montag war beinahe ein Waldbrand im Lesachtal in Westkärnten komplett abgelöscht, da hat es schon wieder in einem Waldstück in Liebenfels in der Nähe von Klagenfurt gebrannt. Am Sonntag hat es im Tiroler Ötztal ein Feuer gegeben, weil jemand eine Zigarette weggeworfen hatte. In Oberösterreich ist am Wochenende am Wolfgangsee ein ungefähr 800 Quadratmeter großes Waldstück den Flammen zum Opfer gefallen und seit drei Tagen brennt es nördlich von Graz auf einer Fläche von mittlerweile 70 Hektar, also 100 Fußballfeldern. Dabei hat der Frühling gerade erst begonnen. Aber es ist aktuell sehr trocken und dazu teilweise recht windig.

Mehrere Bundesländer haben deshalb die Waldbrandverordnung aktiviert. Im Wald Feuer zu machen ist in Österreich generell verboten, wenn man nicht befugt dazu ist. Dort zu rauchen auch. Mit der Verordnung wird das Verbot verschärft, beispielsweise auch auf Waldeigentümer ausgeweitet, und die Bevölkerung soll dadurch für die besondere Gefahr sensibilisiert werden.

Wie können wir mit der gesteigerten Brandgefahr in Wald und Vegetation umgehen? Gibt es vielleicht sogar einen Weg, unsere Wälder resistenter gegen Brände zu machen?

Das habe ich Waldbrandforscher Mortimer Müller von der Universität für Bodenkultur in Wien gefragt. Er betreut den Waldbrand-Blog des Instituts für Waldbau, beschäftigt sich viel mit Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit zu dem Thema und ist hauptverantwortlich für die Waldbrand-Datenbank. Das ist österreichweit die einzige Stelle, an der möglichst sichtbar ist, wo es welche Brände gibt. „Möglichst“ deshalb, weil es keine zentrale Erfassung von Brandereignissen gibt. Die Informationen für die Datenbank sucht Herr Müller selbstständig zusammen – durch Kontakt zu Feuerwehren und Behörden, Medienrecherche und Suchagenten mit bestimmten Schlagwörtern.

Es gibt nicht mehr Waldbrände, aber immer mehr Großbrände, sagt Forscher Mortimer Müller. (Foto: Biorama / Thomas Weber)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Es gibt immer mehr Tage mit hoher potenzieller Waldbrandgefahr – unter anderem durch höhere Temperaturen und häufigere Trockenperioden.
  • Waldbrände kommen zwar nicht häufiger vor als früher, aber sie werden größer – wegen der günstigen Bedingungen.
  • 80 Prozent der Waldbrände werden von Menschen ausgelöst – einerseits direkt durch Brandstiftung oder Unachtsamkeit, andererseits indirekt durch menschliche Technik beziehungsweise Zivilisation. Spontane Waldbrände durch Glasscherben sind übrigens ein Mythos.
  • Neben klimatischen Veränderungen kann auch eine gewisse Vegetation Brände begünstigen – Nadelwälder, viel Totholz und offene Flächen.
  • Die meisten Waldbrände sind Bodenfeuer. Diese verändern in der Regel die Vegetation nicht nachhaltig.
  • Nadelwälder wie beim aktuellen Brand im Lesachtal sind besonders gefährdet für Kronenfeuer, die heißer brennen als Bodenfeuer. Sind erst einmal große Flächen an Nadelwäldern abgebrannt, sterben die Bäume ab und bieten dann auch keinen Erosions-, Steinschlag- oder Lawinenschutz mehr. Der Wald muss dann also aufgeforstet oder andere Schutzmaßnahmen getroffen werden.
  • Laubbäume können unter bestimmten Umständen Feuer gut überstehen, Nadelbäume nicht.
  • Kann sich Wald nach Bränden durch günstige Umstände regenerieren, nimmt er das Kohlenstoffdioxid, das durch den Brand freigesetzt worden ist, wieder auf.
  • Tiere im Wald flüchten vor Bodenfeuern und kehren danach wieder zurück. Gefährlich sind allerdings intensive Kronenfeuer und Großbrände, die viel Lebensraum zerstören.
  • Das Institut für Waldbau plädiert dafür, in Zukunft mehr bodennahe Vegetation oder totes Material im Wald kontrolliert abzubrennen, um die Gefahr von extremen Bränden zu verringern. Andere Maßnahmen sind Beweidung und Waldpflegemaßnahmen.
  • Waldumbau sieht Herr Müller kritisch. Es ist eine sehr langfristige Maßnahme, wird also ad hoc nicht Abhilfe schaffen. Außerdem sind die österreichischen Wälder kleinparzellig gegliedert. Man müsste viele verschiedene Interessen diverser Waldeigentümer und -eigentümerinnen unter einen Hut bringen.
  • Aus Sicht des Instituts für Waldbau muss das Thema Waldbrandgefahr differenzierter betrachtet werden. Die Entstehungsgefahr wegen klimatischer Bedingungen ist das Eine, topografische Bedingungen und Vulnerabilität der Umgebung – etwa durch Siedlungen – das Andere. Man muss auch die Entstehungsgefahr vom voraussichtlichen Brandverhalten unterscheiden. Kleinere Brände sind leicht unter Kontrolle gebracht, aber wenn lange Trockenheit, niedrige Luftfeuchtigkeit, überdurchschnittliche Temperaturen und starker Wind zusammenwirken, treten wirklich gefährliche Brände auf.
  • Wir werden künftig im sogenannten Wildland Urban Interface (WUI), wo Vegetation und Siedlungsraum aufeinandertreffen, Präventionsmaßnahmen brauchen, um Schaden durch Großbrände zu vermeiden.
  • Aus dem US-amerikanischen und kanadischen Raum gibt es das Konzept der FireSmart Community. Auf lokaler Ebene werden entsprechend dem jeweiligen Risiko Maßnahmen entwickelt und gemeinschaftlich umgesetzt, um die Brandgefahr zu minimieren.
  • Waldbrand-Hotspots sind das südliche Niederösterreich, Kärnten, Teile der Steiermark und Tirols. Dort ist es aus Sicht von Herr Müller notwendig, lokale Präventionsinitiativen zu starten.
  • Wirksamer als die allgemeinen Verhaltensregeln und öffentlichen Hinweise wären aus Herr Müllers Sicht Maßnahmen wie Push-Notifications, die jemand bekommt, wenn er oder sie ein gefährdetes Gebiet betritt.

Herr Müller produziert übrigens seit circa einem Jahr den Podcast Die Waldbrandforscher. Dort erfährst du mehr zu seiner Arbeit und zu Waldbränden.


Ich freue mich auf deinen Beitrag und deine Fragen!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team