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Fatin, eine Jugendliche in einem improvisierten Geflüchtetenlager in der spanischen Enklave Ceuta, hat ihr Elternhaus in Marokko verlassen, weil sie nicht mehr zur Schule gehen durfte. Sie wollte weiter lernen, sagt Fatin, doch von ihr wurde erwartet, dass sie stattdessen den Haushalt übernahm. Als Kochen, Waschen und Putzen an die Stelle der Unterrichtsstunden traten, fühlte sich das Leben, das sie sich ausgemalt hatte, immer ferner an.
Salma, 17. „Ich möchte mein Leben verändern. Ich bin ein 17-jähriges Mädchen aus Marokko. Spanien gefällt mir sehr gut und ich möchte hier arbeiten. In der Zukunft möchte ich eine Köchin werden.“ (Fotos: Soraya Aybar Laafou)
Salma, 17. „Ich möchte mein Leben verändern. Ich bin ein 17-jähriges Mädchen aus Marokko. Spanien gefällt mir sehr gut und ich möchte hier arbeiten. In der Zukunft möchte ich eine Köchin werden.“ (Fotos: Soraya Aybar Laafou)
Salma, 17. „Ich möchte mein Leben verändern. Ich bin ein 17-jähriges Mädchen aus Marokko. Spanien gefällt mir sehr gut und ich möchte hier arbeiten. In der Zukunft möchte ich eine Köchin werden.“ (Fotos: Soraya Aybar Laafou)
Salma, 17. „Ich möchte mein Leben verändern. Ich bin ein 17-jähriges Mädchen aus Marokko. Spanien gefällt mir sehr gut und ich möchte hier arbeiten. In der Zukunft möchte ich eine Köchin werden.“ (Fotos: Soraya Aybar Laafou)
Salma, 17. „Ich möchte mein Leben verändern. Ich bin ein 17-jähriges Mädchen aus Marokko. Spanien gefällt mir sehr gut und ich möchte hier arbeiten. In der Zukunft möchte ich eine Köchin werden.“ (Fotos: Soraya Aybar Laafou)
Fatin ist eine von 29 Teenagerinnen in Ceuta, die ihren Blick auf ihre Vergangenheit und Zukunft mit uns geteilt haben. Sie zählen zu den zehntausenden Menschen, die Ende Juli schwimmend von Marokko nach Ceuta gelangten und damit weltweit Schlagzeilen gemacht haben. Gut sechs Wochen später verharren die Mädchen, wie Hunderte weiterer minderjähriger Marokkanerinnen und Marokkaner, immer noch in einem notdürftigen Camp in El Príncipe, einem der ärmsten Viertel von Ceuta. Ob sie in Spanien bleiben dürfen oder zurück nach Marokko müssen, ist weiterhin unklar.
Auf Arabisch, Spanisch, Französisch oder Englisch haben die 29 Mädchen ihre Gedanken aufgeschrieben. Dabei formulieren sie oft ähnliche Anliegen: Sie wollen ihre Ausbildung beenden, arbeiten, Geld verdienen und mehr Einfluss auf die Entscheidungen haben, die ihr Leben als Erwachsene prägen werden. Viele schreiben über Berufswünsche. Eine will Krankenschwester werden, eine andere Psychologin. Wieder andere träumen von einer Karriere als Küchenchefin, als Fußballerspielerin oder als Trainerin.
Manche hoffen darauf, ihre Familie finanziell unterstützen zu können, wenn sie es nach Spanien schaffen. Manche berichten von Konflikten mit den Eltern, von erzwungenen Schulabbrüchen oder von Einschränkungen, die sie nicht mehr hinnehmen wollten. Was viele der Texte verbindet, ist aber weniger eine Ablehnung von Marokko, als der Wunsch, mehr Kontrolle zu erlangen über die nächsten Schritte im eigenen Leben.
In dem provisorischen Flüchtlingslager im Viertel El Príncipe wartet ein Kind auf eine gespendete Mahlzeit. Es ist noch völlig unklar, wie es für die massenhaft über das Meer nach Ceuta gekommenen Menschen weitergeht. (Foto: APA/ REUTERS/Violeta Santos Moura)
In dem provisorischen Flüchtlingslager im Viertel El Príncipe wartet ein Kind auf eine gespendete Mahlzeit. Es ist noch völlig unklar, wie es für die massenhaft über das Meer nach Ceuta gekommenen Menschen weitergeht. (Foto: APA/ REUTERS/Violeta Santos Moura)
In dem provisorischen Flüchtlingslager im Viertel El Príncipe wartet ein Kind auf eine gespendete Mahlzeit. Es ist noch völlig unklar, wie es für die massenhaft über das Meer nach Ceuta gekommenen Menschen weitergeht. (Foto: APA/ REUTERS/Violeta Santos Moura)
In dem provisorischen Flüchtlingslager im Viertel El Príncipe wartet ein Kind auf eine gespendete Mahlzeit. Es ist noch völlig unklar, wie es für die massenhaft über das Meer nach Ceuta gekommenen Menschen weitergeht. (Foto: APA/ REUTERS/Violeta Santos Moura)
In dem provisorischen Flüchtlingslager im Viertel El Príncipe wartet ein Kind auf eine gespendete Mahlzeit. Es ist noch völlig unklar, wie es für die massenhaft über das Meer nach Ceuta gekommenen Menschen weitergeht. (Foto: APA/ REUTERS/Violeta Santos Moura)
Die 17-jährige Malak sagt, wegen Problemen in ihrer Familie habe sie ihre Ausbildung nicht fortsetzen können. Schon als Kind habe sie gewusst, dass sie bei einem Geheimdienst arbeiten wolle. Nach Spanien zu schwimmen, sei ihr Versuch gewesen, eine Zukunft zurückzugewinnen, die ihr verschlossen wurde.
Die Mädchen schildern unterschiedliche Formen des sozialen Drucks. Eine von ihnen sagt, sie wolle nicht, dass ihre Familie oder sonst jemand für sie entscheidet, wen sie heiratet. Eine andere beschreibt, wie schwierig es ist, sich finanziell unabhängig zu machen an einem Ort, wo sie kaum Jobmöglichkeiten sieht.
In Marokko klafft weiterhin eine große Lücke zwischen Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Im zweiten Quartal 2026 gingen nur 18,1 Prozent der Frauen im arbeitsfähigen Alter einer bezahlten Tätigkeit nach, hingegen 66,5 Prozent der Männer. Die Zahlen kommen vom Hochkommissariat für Planung, dem marokkanischen Amt für Statistik.
Die Ungleichheit beginnt nicht erst bei den Jobs. Frauen und Mädchen ab 15 Jahren verbringen in Marokko nach Angaben der OECD (also der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) durchschnittlich 20,8 Prozent ihrer Zeit mit unbezahlter Care- und Hausarbeit. Bei den Männern und Jungen sind es gerade mal 3 Prozent.
Ahlam, 17. „In Zukunft möchte ich Fußballerin werden.“ (Fotos: Soraya Saybar Lafour)
Ahlam, 17. „In Zukunft möchte ich Fußballerin werden.“ (Fotos: Soraya Saybar Lafour)
Ahlam, 17. „In Zukunft möchte ich Fußballerin werden.“ (Fotos: Soraya Saybar Lafour)
Ahlam, 17. „In Zukunft möchte ich Fußballerin werden.“ (Fotos: Soraya Saybar Lafour)
Für Wiam, 16 Jahre alt, gehen die beruflichen Wünsche einher mit einem starken Verantwortungsgefühl gegenüber der Familie, die sie zurückgelassen hat. Wiam kommt aus einer Stadt an der marokkanischen Mittelmeerküste, und sie schreibt, sie wolle weiter zur Schule gehen und sich an einer Fußballkarriere in Spanien versuchen. Doch sie fügt noch einen anderen Grund hinzu: „Auch will ich meinen Eltern ein bisschen von ihrer Last abnehmen. So Gott will, hoffe ich, ich kann all das erreichen, wofür ich hergekommen bin.“
Manche drücken ihre Ziele in ganz wenigen Worten aus. Soraya ist 16, sie kommt aus einer Stadt in der Nähe von Ceuta und möchte Krankenschwester werden. Andere Mädchen äußern sich ausführlicher über ihre Wünsche. Eine der Jugendlichen schreibt, was sie wolle, sei »ein gesundes und stabiles Leben«. Eine 16-Jährige erklärt, sie sei auf der Suche nach „einer besseren Zukunft und einem würdevollen Leben“ gekommen und hoffe auf einen Job in der Gastronomie. „Ich möchte in Würde arbeiten und meinen Beitrag zur Gesellschaft leisten“, schreibt sie.
Fürs erste sind aber ganz unmittelbare Bedürfnisse für die Mädchen dringlicher als ihre Zukunftsträume. Eine sichere Bleibe, medizinische Grundversorgung, ein Minimum an Privatsphäre und Bildungsmöglichkeiten – und verlässliche Informationen, wie es nun weitergeht.

Ahmed Enfed-dal, der Vorsitzende des Nachbarschaftsvereins von El Príncipe, sagt, Leute aus dem Viertel versuchten, einen Schutzraum für die Mädchen zu schaffen. Doch dass dieser Schutz sehr begrenzt ist, liegt auf der Hand.
„Wenn sie zur Toilette müssen oder duschen wollen, versuchen wir sicherzustellen, dass sie nie sich selbst überlassen sind“, sagt Ahmed Enfed-dal. Bis Anfang September wurden bei der Polizei in Ceuta 23 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gegen die Geflüchteten erstattet. Neun der Opfer sind Minderjährige.
Übersetzt aus dem Englischen und Spanischen von Michael Ebmeyer
Sprecherinnen: Bettina Schary, Claudia Luef, Eva Plank, Lisa Mantel, Sandra Czadul
Audioproduktion und -mix: Wolfram Leitner
