Widerstand gegen das KI-Rechenzentrum in Kronstorf: Geht digitaler Fortschritt auch nachhaltiger?
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Seit April wird in Kronstorf bei Linz das erste Google-Rechenzentrum in Österreich gebaut. Vor kurzem ist bekannt geworden, dass es eineinhalbmal so groß werden könnte, wie ursprünglich geplant – weil durch die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) weltweit der Bedarf an Rechenleistung steigt, sagt die Firma. Aber aus der Bevölkerung gibt es Widerstand gegen das Bauprojekt – von der „Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf“.
Die ist grundsätzlich dafür, dass Digitalisierung vorangetrieben wird, fordert aber, dass solche Projekte nicht zulasten von Naturschutz gehen soll. Die Initiative will auch, dass die Entscheidungsprozesse transparenter werden und fordert verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfungen. Eine solche gab es nämlich in diesem Fall nicht. Mittlerweile fordert auch die SPÖ, dass Rechenzentren als eigene Kategorie ins Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz aufgenommen werden.
Wird das Zentrum so groß gebaut, wie Google es sich wünscht, würde es bei maximaler Auslastung jährlich mehr Strom verbrauchen als alle Privathaushalte in Oberösterreich zusammen. Das Wasser für die Kühlung wird aus der Enns und aus dem Grundwasser entnommen werden. Das bis zu 30 Grad erhitzte Kühlwasser darf wieder zurück in den Fluss geleitet werden. Auch wie sich das auswirkt, bereitet den Menschen hinter der Bürger- und Bürgerinneninitiative Sorge – gerade in Zeiten von Klimawandel und Trockenheit. Für das Rechenzentrum wird außerdem eine Fläche von 42.000 Quadratmetern versiegelt, also eine Fläche von etwa sechs Fußballfeldern.
Der weltweite KI-Boom treibt den Energiebedarf massiv an. Welche Herausforderungen bringt das mit sich und wie lässt sich der Bau von Rechenzentren nachhaltiger gestalten?
Darüber spreche ich mit Jens Clausen, Mitgründer des Borderstep-Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit und Experte für die ökologischen Auswirkungen von IT.

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:
- Umweltverträglichkeitsprüfungen sind dafür ausgelegt, Vorhaben mit unmittelbaren schädlichen Umweltauswirkungen zu untersuchen. Nach dem Motto „Die Dosis macht das Gift“ ist aber auch argumentierbar, dass besonders große Rechenzentren ebenfalls direkt und indirekt einen relevanten Einfluss auf die Umwelt haben und geprüft werden sollten.
- Solche Bauvorhaben sind ein guter Anlass, einzufordern, dass erneuerbare Energieträger großflächig ausgebaut werden, damit der höhere Strombedarf abgedeckt werden kann. Schließlich befinden wir uns in einer Phase, in der immer größere Teile unserer Gesellschaft elektrifiziert werden und um Netzanschlüsse gerungen wird.
- Es ist nicht unbedingt nötig, Kühlwasser in die Umgebung einzuleiten. Schweden macht es vor: In Stockholm sind 30 Rechenzentren an das Fernwärmenetz angeschlossen. Man kann alternativ zu flüssigkeitsgekühlten Prozessoren auch luftgekühlte Prozessoren verwenden. Dafür bräuchte man weniger Wasser, weil Verdunstungskälte genutzt wird – die sogenannte adiabatische Kühlung.
Herr Clausen hat im Gespräch kurz einen Vorfall mit einer KI erwähnt. Wer Tests mit KI durchführt, kann dafür Testumgebungen nutzen, um zu vermeiden, dass im Falle des Falles besonders viel schiefläuft. Aber jetzt ist es erstmals vorgekommen – oder erstmals öffentlich gemacht worden –, dass bei einem solchen Test die Software aus dieser Umgebung ausgebrochen ist. Die Software hat sich Zugang zum Internet verschafft und die Computersysteme einer Firma gehackt, um die Aufgabe zu lösen, die ihr gestellt worden war. Die Geschwindigkeit, mit der sich KI-Modelle weiterentwickeln, ist also im besten Fall eine Möglichkeit, Sicherheitslücken schneller zu finden und zu schließen. Im schlechtesten Fall eine ganz neue Herausforderung für die IT-Sicherheit.