Nicht-so-Super-Märkte? Rewe will bei MPreis einsteigen – droht jetzt noch weniger Vielfalt?
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Rewe (Billa, Bipa, Penny, Adeg) will bei MPreis – dem Marktführer in Tirol – einsteigen. Was bedeutet das für den österreichischen Lebensmittelmarkt, der ohnehin von wenigen großen Playern dominiert wird?

In den vergangenen Monaten war viel von Dürre und ausfallenden Ernten die Rede. Die Landwirtschaftskammer Österreich rechnet heuer mit Ertragseinbußen von einem Drittel im Obstanbau und sogar 45 Prozent beim Gemüse.
Aber auch dort, wo die Lebensmittel verkauft werden, geht es nicht allen gut. Das Tiroler Familienunternehmen MPreis hat zwar 270 Filialen und ist in Tirol Marktführer – im Vergleich zu den wenigen großen Unternehmen, die den Lebensmittelhandel dominieren, ist es aber vergleichsweise klein.
Wenn du nicht im Westen Österreichs lebst, dann kommst du wohl eher selten in einen der Supermärkte mit dem großen M im Logo. Bekannt ist der MPreis für viel Regionalität und auch für seine Vorreiterrolle bei Inklusionsarbeit. Zugleich gelten die Supermärkte aber als eher teuer und Berichte über schnell verderbliches Obst und Gemüse findet man on- wie offline immer wieder.
Fest steht auf jeden Fall: MPreis sucht bereits seit März nach Investoren – und jetzt könnte ausgerechnet einer der großen vier Player mit einsteigen. Rewe will mit 25 Prozent einsteigen.
Was das für Rewes Position in Österreich bedeuten könnte, wie sich der heimische Markt dadurch weiter konzentrieren könnte und was das für uns Konsumenten und Konsumentinnen heißt, das habe ich mit Michael Böheim besprochen. Er ist Ökonom am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung mit Schwerpunkt auf Industrie, Wettbewerb und Regulierungsökonomie.

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:
MPreis ist ein regional stark verankerter Lebensmittelhändler in Westösterreich, spielt aber in Ostösterreich und besonders in Wien kaum eine Rolle. In Westösterreich konkurriert das Unternehmen mit Spar, REWE sowie den Discountern Hofer und Lidl.
REWE prüft eine Minderheitsbeteiligung von rund 25 Prozent an MPreis. Hintergrund sind der Restrukturierungsprozess von MPreis, Kapitalbedarf sowie mögliche Vorteile durch gemeinsame Einkaufskonditionen. Die Bundeswettbewerbsbehörde müsste prüfen, ob sich die Marktkonzentration erhöht und ob Auflagen nötig wären.
M-Preis positioniert sich stark über Regionalität und regionale Lieferanten. Durch einen REWE-Einstieg könnten jedoch günstigere Eigenmarken und effizientere Einkaufsstrukturen wichtiger werden. Regionale Lieferanten könnten dadurch unter Druck geraten, gleichzeitig wäre es wahrscheinlich, dass das regionale Profil von M-Preis grundsätzlich erhalten bleiben soll.
Der österreichische Lebensmittelhandel ist stark konzentriert und wird vor allem von Spar und REWE dominiert, gefolgt von Hofer und Lidl. Kleinere Anbieter wie M-Preis haben es schwer. Problematisch kann das werden, wenn Produktvielfalt sinkt im schlimmsten Fall Preisabsprachen stattfinden könnten.
Trotz der hohen Konzentration wurden laut Wettbewerbsbehörde keine Preisabsprachen festgestellt. Besonders im Discountbereich herrscht starker Wettbewerb. Hofer setzt oft den Preisanker, an denen sich andere Ketten orientieren. Typisch für Österreich sind hohe Listenpreise kombiniert mit Rabattaktionen und Rabattpickerln, während Deutschland stärker auf dauerhaft niedrige Preise setzt.
Wie weit fortgeschritten die Gespräche zwischen MPreis und Rewe sind ist nicht klar.
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Nico Knappe