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29. Jänner 2026

Steuerbetrug gilt als Kavaliersdelikt. Um das zu ändern, reichen hohe Strafen nicht aus.


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Foto: Jordi Salas/ Getty Images

Bis zu einer gewissen Summe finden viele Steuerbetrug nicht tragisch. Wenn etwa die Rechnung von einem Abendessen mit Freunden in die Steuer genommen wird oder auf der Baustelle nicht alles offiziell gemacht wird. Diese Woche ist öffentlich geworden, dass in zahlreichen Gastronomiebetrieben im Osten Österreichs mit einer Software die Registrierkasse manipuliert wurde. Damit konnten nach einer Barzahlung rückwirkend Umsätze wieder aus der Kasse gelöscht werden, wenn der Kunde oder die Kundin den Beleg nicht mitnehmen wollte. Durch den Betrug sind dem Staat laut Amt für Betrugsbekämpfung im Finanzministerium Steuern im hohen einstelligen Millionenbereich entgangen. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hat bei dieser Gelegenheit betont: Steuerbetrug ist kein Kavaliersdelikt.

Es geht heute nicht darum, den Finger zu heben. Wer nicht schon einmal getrickst hat, werfe den ersten Stein. Es geht um die Frage, wieso wir es vor uns selbst rechtfertigen, wenn wir etwas schwarz bezahlen. Warum sind wir nicht schockiert, wenn wir mitbekommen, dass jemand hier und da Steuern hinterzieht? Und darum, unter welchen Umständen Menschen bereit sind, wirtschaftliche Maßnahmen zu akzeptieren und mitzutragen – wie beispielsweise eine gewisse Steuerlast oder die Registrierkassenpflicht.

Genau damit beschäftigt sich Lisa Windsteiger, die an der Universität Salzburg zu Verhaltensökonomie, öffentlichen Finanzen und politischer Ökonomie forscht und auch Forschungsdirektorin am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München ist.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Im internationalen Vergleich ist Steuerbetrug in Österreich kein außergewöhnlich großes Problem.
  • Bei Steuerbetrug gibt es einen starken Peer-Group-Effekt: Wenn alle anderen um einen herum Steuern hinterziehen und es in Ordnung finden, hat das eine direkte Auswirkung aufs eigene Mindset. Auch deshalb, weil man nicht benachteiligt werden möchte – oder sich als Unternehmer nicht selbst einen Wettbewerbsnachteil verschaffen möchte.
  • Ist der Bevölkerung bewusst, wohin die Steuereinnahmen fließen, und dass sie für ein System eingesetzt werden, von dem sie selbst profitiert, hebt das die Steuermoral. Entsteht aber der Eindruck, dass in der Regierung nicht verantwortungsvoll mit Steuergeld umgegangen wird, etwa durch Postenschacher, wirkt sich das negativ aus.
  • Manche Branchen sind besonders anfällig für Steuerbetrug – etwa in der Gastronomie und in der Baubranche. Einerseits, weil die dort vorherrschenden prekären Arbeitsverhältnisse Betrug begünstigen und andererseits, weil die Kundenseite potenziell davon profitiert, wenn teilweise schwarz gearbeitet wird – etwa durch niedrigere Kosten für Dienstleistungen.
  • Würden alle Zahlungsflüsse elektronisch ablaufen, würde das Betrug auch erschweren. Allerdings hängt die österreichische Bevölkerung immer noch sehr am Bargeld.
  • Die Steuermoral hängt auch davon ab, als wie gerecht die eigene Steuerlast empfunden wird.
  • Wer viel beiträgt, könnte stolz darauf sein, einen großen Beitrag zu leisten – auch im Sinne des sozialen Ausgleichs. Die Regierung könnte gezielt in diese Richtung kommunizieren.

Übrigens: Morgen findet unsere erste JETZT-Veranstaltung statt. Du hast bestimmt schon unsere Podcast-Serie „Der Absturz“ gesehen – hoffentlich auch schon gehört. Freitagabend gibt es im Funkhaus eine Podiumsdiskussion zur Geschichte. Mein Kollege Nikolai wird von der Recherche erzählen und Martin, der den Flugzeugabsturz überlebt hat, von seiner Traumabewältigung. Martin hat auch ein Buch geschrieben, aus dem er vorlesen wird. Ich darf moderieren und freue mich schon sehr darauf. Du wirst natürlich auch die Gelegenheit bekommen, Fragen zu stellen. Die Teilnahme ist kostenlos, aber bitte reserviere ein Ticket, damit wir alles entsprechend vorbereiten können.


Hoffentlich bis morgen Abend – einmal von Angesicht zu Angesicht. Ich würde mich freuen!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team