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Als Mohamed Louizi erstmals von Vertretern der Muslimbruderschaft angesprochen wurde, in Casablanca, Marokko, war er 13 Jahre alt. Mit 18 schwor er der Bewegung die Treue, die weltweit eine islamische Herrschaft etablieren will. 1999, als Student in Frankreich, wurde er ihr Vertreter an zwei Moscheen und Leiter der örtlichen Sektion der Muslimischen Studenten Frankreichs in Lille. Seine Aufgabe sei es gewesen, „den Islamismus zu verbreiten“ – also die Vorstellung, dass der Islam das Ordnungsprinzip von Regierung und Gesellschaft sein sollte.
Doch 2006 trat Louizi aus der Muslimbruderschaft aus. Er sei zunehmend zu der Überzeugung gelangt, es mit einem „totalitären Projekt“ zu tun zu haben. Die Bewegung sei eine „reale Gefahr“ für Frankreich und die Muslime: „Wir müssen der muslimischen Gemeinschaft dabei helfen, den Islamismus loszuwerden.“
Auch die französischen Behörden sorgen sich um die Aktivitäten der Muslimbruderschaft. Ein 2025 vom Innenministerium veröffentlichter Bericht mit dem Titel „Die Muslimbruderschaft und der politische Islam in Frankreich“ kam zu dem Schluss, dass die Bewegung auf längere Sicht die säkularen Regeln des Landes und die Rechte der Frauen gefährden könnte. Die Bedrohung einzuschätzen sei schwierig, heißt es in dem Bericht, weil die Muslimbruderschaft „Entrismus betreibt“: Sie verwende eine „Doppelsprache, mit der sie ihre wahren Absichten verschleiert und zugleich vorgibt, die Regeln und Prinzipien westlicher Gesellschaften zu teilen“.

Nicht nur in Frankreich gilt der Islamismus als Bedrohung. Schwedens inzwischen abgewählte Mitte-rechts-Regierung hatte erst kürzlich eine offizielle Untersuchung zur „Infiltration der schwedischen Gesellschaft“ eingeleitet. „Der Islamismus als politische Ideologie bedroht mehrere grundlegende Werte der demokratischen Gesellschaft Schwedens“, erklärte der Abgeordnete Hans Eklind in der begleitenden Pressemitteilung. Vor den Wahlen in Berlin vor zwei Wochen plakatierte die CDU – auch unter dem Eindruck des Auto-Anschlags auf den Berliner CSD – „Freiheit statt Islamismus“.
Europas Rechtspopulisten gehen noch deutlich weiter: Sie stellen muslimische Einwanderer regelmäßig als Bedrohung für die europäische Zivilisation dar. Die AfD, die in den vergangenen Wochen zwei Wahlen in der deutschen Bundesländern gewann, versprach, den Bau von Moscheen einzuschränken und öffentliche muslimische Gebetsrufe zu begrenzen. Der französische Nationalist Éric Zemmour warnte einst, Muslime wollten „uns die Kehle durchschneiden“. Richard Jomshof, Abgeordneter der Schwedendemokraten, sagt, das Beste, was schwedische Muslime tun könnten, sei, „aufzuhören, Muslime zu sein“. Die niederländische Partei PVV will den Islam für 20 Jahre verbieten. Anfang dieses Jahres unterstützten 39 der 150 Abgeordneten im niederländischen Parlament einen Antrag mit der Aussage: „Der Islam gehört nicht in die Niederlande.“
Wachsende Präsenz
Die anti-muslimische Stimmungsmache mag ohrenbetäubend sein – die Zahl der Muslime ist tatsächlich jedoch überschaubar. In jedem westeuropäischen Land machen sie weniger als zehn Prozent der Bevölkerung aus (siehe Karte). Ihre Zahl ist allerdings rasch gewachsen. Viele europäische Länder, darunter Frankreich, Deutschland und Schweden, erheben keine offiziellen Statistiken über die religiösen Bekenntnisse ihrer Bürgerinnen und Bürger. Schätzungen zufolge stieg der muslimische Bevölkerungsanteil in Frankreich aber von 6,6 Prozent im Jahr 2010 auf 9,1 Prozent im Jahr 2020. In Schweden war der Anstieg noch stärker: von 4,5 auf 8,1 Prozent. In den meisten europäischen Ländern sind Muslime heute stärker präsent als früher (siehe Grafik).
Ein großer Teil des Zuwachses geht auf die Flüchtlingsbewegung aus Syrien und anderen Ländern zurück, die 2015 ihren Höhepunkt erreichte. Im Großen und Ganzen haben sich die Neuankömmlinge rasch integriert. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hatten 64 Prozent der 2015 Angekommenen bis 2022 Arbeit gefunden – ein Wert nahe der nationalen Beschäftigungsquote von 70 Prozent. Ein Bericht der Universität Münster kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass sich 88 Prozent der Muslime in Deutschland wohlfühlen und 73 Prozent sich „uneingeschränkt und ohne Vorbehalte“ integrieren wollten.
In Großbritannien schneiden die Kinder von Einwanderern in der Schule besser ab als die im Land geborenen Kinder. Eine Studie des französischen Instituts für demografische Studien ergab, dass 32 Prozent der Kinder, deren beide Eltern aus dem Maghreb eingewandert waren, einen Hochschulabschluss haben. Das liegt unter dem Anteil in Frankreich insgesamt – 43 Prozent –, aber deutlich über dem Anteil ihrer Eltern: Bei ihnen sind es drei Prozent.

Dennoch gibt es in vielen europäischen Ländern Gegenden, in denen die Integration nur langsam oder gar nicht vorankommt. Die schwedische Polizei stuft ein Grätzel als „gefährdetes Gebiet“ ein, wenn dort anhaltende Probleme mit Kriminalität, religiösem Extremismus oder „parallelen Sozialstrukturen, die das Funktionieren der Gesellschaft infrage stellen“, bestehen. Der Vorort Rosengård in der südschwedischen Stadt Malmö steht seit mehr als einem Jahrzehnt auf dieser Liste. Trotz fehlender offizieller Daten scheint das Viertel stark muslimisch geprägt zu sein. „An Eid steht hier alles still“, sagt Kashif Virk, ein Imam aus der kleinen Ahmadi-Muslim-Gemeinschaft in Malmö. Im örtlichen Einkaufszentrum trage fast jede Frau ein Kopftuch. „Das ist ein sehr stark segregiertes Gebiet“, sagt Virk.
Das macht Rosengård jedoch nicht zu einer „No-go-Zone“, wie manche Alarmisten behaupten. Tatsächlich steht das Viertel besonders unter Beobachtung der Polizei. Auch haben der Zuwachs der muslimischen Minderheit in Europa und die Probleme bei der Integration nicht – wie viele Pessimisten vorausgesagt hatten – zu einer Explosion islamistisch motivierter Gewalt geführt. Europol zufolge gab es im vergangenen Jahr in der Europäischen Union 24 versuchte dschihadistische Anschläge; die meisten wurden vereitelt. Die neun ausgeführten Taten – acht Messerangriffe und der Versuch, Menschen mit einem Auto zu überfahren – forderten fünf Todesopfer. Meist handelte es sich um Einzeltäter ohne erkennbare Unterstützung oder Ermutigung von außen. Die Zahlen für 2024 waren ähnlich: Sechs Anschläge forderten sechs Todesopfer. Nichts davon war auch nur annähernd mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA vergleichbar, deren 25. Jahrestag in diesem Monat begangen wurde. Typisch ist der Angriff auf eine Pride-Parade in Berlin im Juli: Ein Extremist fuhr mit einem Transporter in die Menge und tötete dabei einen Menschen.
Europas Polizeibehörden verfügen über langjährige Erfahrung im Kampf gegen islamistische Terrornetzwerke. Jedes Jahr nehmen sie Hunderte mutmaßliche Dschihadisten fest. Den Attentäter von Berlin, Abdul Ballout, einen 21-jährigen Deutschen libanesischer Herkunft, hatten sie tatsächlich schon zuvor festgenommen. Zwei Monate bevor er den Anschlag verübte, war er wegen der Planung eines Terrorangriffs verurteilt worden – doch ein Gericht hatte die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Zwar versagte die Justiz, doch Polizei und Nachrichtendienste scheinen die Gefahr erkannt zu haben.
Zwischen Sicherheitsbedenken und Generalverdacht
Während die Polizei gewalttätigen Extremismus immer besser eindämmen kann, sorgen sich die Behörden in vielen europäischen Ländern zunehmend um Muslime, die zwar Gewalt ablehnen, aber darauf hinarbeiten, liberale Freiheiten und säkulare Prinzipien auszuhöhlen. Deutsche Amtsträger etwa beunruhigt der „legalistische Islamismus“, den sie als Gefahr für die verfassungsmäßige Ordnung betrachten. Simona Mohamsson, Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin, die selbst die Tochter muslimischer Einwanderer ist, misstraut dem „politischen Islam“, der darauf abziele, „die schwedische Gesellschaft zu prägen und zu beeinflussen“. Ein Bericht des französischen Senats kam im Januar zu dem Schluss, die Methoden und die Ideologie der Muslimbruderschaft „bedrohen unsere demokratischen Werte und die Sicherheit unserer Gesellschaften“. Im April legte ein Senator der Mitte-rechts-Partei Les Républicains einen Gesetzentwurf vor, der den „Entrismus bekämpfen“ soll. Diese „neue Strategie, die islamistische Organisationen unauffällig verfolgen“, sei darauf ausgerichtet, „die Prinzipien der Republik durch religiöses Recht zu ersetzen“.
Nachrichtendienste verweisen auf Organisationen wie Femyso, einen Zusammenschluss muslimischer Jugendorganisationen aus ganz Europa. Die Organisation bestreitet Verbindungen zur Muslimbruderschaft; Geheimdienstler behaupten jedoch, sie sei von deren Unterstützern durchsetzt. Femyso gibt vor, für alle muslimischen Jugendlichen zu sprechen, und hat Fördermittel von der Europäischen Union erhalten. Zu ihren öffentlichen Aktivitäten zählen scheinbar harmlose Kampagnen gegen Islamfeindlichkeit. Für ihre Kritiker liegt genau darin der Zweck: Islamistinnen und Islamisten könnten sich so als gemäßigte Muslime präsentieren und einflussreiche Kontakte knüpfen. Andere halten das für Hysterie. „In den Daten findet sich dafür nichts“, sagt Nader Hotait vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung in Berlin mit Blick auf Deutschland. „Niemand konnte bisher eine Bedrohung belegen, die der moralischen Panik um die Muslimbruderschaft entspricht.“
Die Zahl der Beteiligten ist gering. Der Bericht des französischen Innenministeriums schätzt, dass es in Frankreich zwischen 400 und 1.000 Mitglieder der Muslimbruderschaft gibt. Sie seien mit etwa 280 Wohltätigkeitsorganisationen, Jugendverbänden, Sportvereinen und ähnlichen Einrichtungen sowie mit 139 Moscheen verbunden – bei insgesamt 2.800 Moscheen im Land. Rund 91.000 Menschen besuchten diese Gebetsstätten, heißt es, bei einer geschätzten muslimischen Bevölkerung von etwa 7,5 Millionen. Der Bericht vermerkte außerdem Verbindungen zwischen der Muslimbruderschaft und 21 der 74 muslimischen Schulen Frankreichs. Dort würden 4.200 Schülerinnen und Schüler unterrichtet – bei insgesamt 5,6 Millionen im Land.
Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), Deutschlands Inlandsnachrichtendienst, beobachtet islamistische Gruppen. Es schätzt, dass die von ihm erfassten Organisationen zusammen etwa 28.000 Mitglieder haben. Die niederländischen Behörden wiederum gehen davon aus, dass nur drei bis fünf Prozent der niederländischen Muslime – möglicherweise 25.000 bis 50.000 Menschen – fundamentalistische Ansichten vertreten.
Der Kampf gegen den Islamismus ist jedoch schwieriger, als diese Zahlen vermuten lassen. Zum einen ist die Grenze zwischen Muslimen mit illiberalen Ansichten und jenen, die demokratische Institutionen vereinnahmen oder untergraben wollen, nicht immer klar zu ziehen. Viele Muslime verurteilen Homosexualität und würden gern die Verbrennung des Korans oder die Veröffentlichung satirischer Karikaturen des Propheten Mohammed verbieten. Wie Mohamsson anmerkt, ist es kein Verbrechen, „zutiefst konservative religiöse Werte“ zu haben. „Es ist sehr schwierig, die Grenze zu ziehen“, sagt Andy Grote, Hamburgs Innensenator. Unter den deutschen Bundesländern gibt es in Hamburg die größte Konzentration von Muslimen, die den Behörden Sorgen bereiten.
Bei der letzten schwedischen Wahl 2022 stimmten mehr als 30 Prozent der Wählerinnen und Wähler im wichtigsten Wahlbezirk Rosengårds für die Nuance-Partei, die Islamfeindlichkeit und die Schändung des Korans unter Strafe stellen will. Landesweit kam sie lediglich auf 0,4 Prozent. Besonders für jüngere Muslime kann das Festhalten an scheinbar konservativen, anti-säkularen Ansichten ein Weg sein, ihre Identität angesichts der weit verbreiteten Feindseligkeit gegenüber dem Islam auszudrücken. Eine Umfrage ergab im vergangenen Jahr, dass 44 Prozent der französischen Muslime das islamische Recht dem französischen vorziehen würden – 1995 waren es noch 28 Prozent. Bei den unter 25-Jährigen lag der Anteil bei 52 Prozent.
Hinzu kommt, dass Islamisten mit tatsächlich subversiven Zielen die Grenzen zwischen sich und anderen Muslimen absichtlich verwischen. Im Juni soll Sinan Selen, der in der Türkei geborene Chef des deutschen BfV, bei einer vertraulichen Sitzung mit Abgeordneten vor deutschen Gruppen gewarnt haben, die mit der Muslimbruderschaft verbunden seien. Sie versuchten, Institutionen zu vereinnahmen und Beziehungen zu Politikerinnen und Politikern aufzubauen.
Europäische Behörden haben wiederholt versucht, die Aktivitäten von Einrichtungen oder Organisationen einzuschränken, denen sie die Verbreitung islamistischer Ideen vorwerfen – oder sie ganz zu verbieten. 2020, nachdem ein Dschihadist den Lehrer Samuel Paty enthauptet hatte, der seinen Schülerinnen und Schülern Karikaturen des Propheten gezeigt hatte, verbot die französische Regierung die Nichtregierungsorganisation BarakaCity und das Collectif contre l’islamophobie en France. Beiden warf sie vor, islamistische Propaganda zu verbreiten. 2023 beschuldigten Schwedens Sicherheitsdienste Beschäftigte der Cordoba International School in Stockholm, Verbindungen zu gewalttätigen Extremisten zu haben. Die Schülerinnen und Schüler seien der Gefahr einer Radikalisierung ausgesetzt, hieß es. Die Schulaufsicht schloss die Schule im Jahr darauf. Im November verbot die deutsche Regierung Muslim Interaktiv, eine Gruppe, die Tausende Muslime in Hamburg auf die Straße gerufen hatte, um für ein islamisches Kalifat zu demonstrieren.

Doch nicht alle europäischen Regierungen sind befugt, Gruppen zu verbieten, die als feindlich gegenüber der verfassungsmäßigen Ordnung gelten. Außerdem kann es schwierig sein, nachzuweisen, dass eine Einrichtung oder Gruppe als Ganze subversiv ist – und nicht nur einzelne Personen in ihr. 2019 erklärten die niederländischen Sicherheitsdienste, das Cornelius Haga Lyceum, eine muslimische weiterführende Schule in Amsterdam, sei von fundamentalistischen Lehrkräften vereinnahmt worden, die diskriminierende Ansichten verbreiteten. Die Schule klagte. 2024 entschied ein Gericht, die Vorwürfe der Behörde seien irreführend gewesen.
Solche Fälle bestärken unter europäischen Muslimen den Eindruck, Opfer einer Hexenjagd zu sein. Organisationen, die sich mit Deradikalisierung befassen, sagen, sie müssten große Hürden überwinden, um zu beweisen, dass sie selbst nicht zu eng mit Islamisten verbunden seien. „Es gibt in Deutschland keine einzige große muslimische Organisation, die nicht problematisiert wird“, sagt Matthias Schmidt vom Institut für Islamische Theologie und Bildung in Hamburg. „Keine einzige, die als Teil der Lösung gilt – ganz gleich, wie oft sie auf die Verfassung schwört.“
2021 wurde Kauthar Bouchallikht von der Partei GroenLinks als erste niederländische Abgeordnete mit Hijab ins Parlament gewählt. Die Medien setzten ihr wegen einer früheren Funktion bei Femyso und anderer vermeintlicher Anzeichen für Extremismus zu – obwohl sie selbst islamistische Ansichten zurückwies. Bei der Wahl 2023 behielt sie zwar ihr Mandat, nahm es aber nicht an und zog sich aus der Politik zurück. Der marokkanisch-niederländische Journalist Lotfi el-Hamidi bezeichnet Muslime seiner Generation als „Generation 9/11“: Sie hätten das Gefühl, niemals vollständig als Niederländer akzeptiert zu werden.
Digitale Prediger und neue Fronten
Die ernüchternde Lehre aus Orten, die sich schon lange um die Eindämmung des Islamismus bemühen: Diese Arbeit ist mühsam und kennt kein absehbares Ende. Hamburg verabschiedete 2014 eine formelle Strategie zur Islamismusprävention, die staatliche Stellen, muslimische Gruppen, die Zivilgesellschaft und Schulen zusammenführte. Sie knüpfte an einen Vertrag an, den die Stadtregierung 2012 mit Vertreterinnen und Vertretern der muslimischen Gemeinschaft geschlossen hatte. Dennoch bestehen die Probleme mit Extremismus fort – wie Muslim Interaktiv zeigte.
Tatsächlich wird es womöglich immer schwieriger, islamistische Ansichten einzudämmen. Denn ihre wichtigste Quelle könnten inzwischen weniger Netzwerke wie die Muslimbruderschaft sein als die sozialen Medien. „Algorithmen haben zunehmend die Imame, Mentoren und Professoren ersetzt“, sagt Hugo Micheron, ein französischer Wissenschaftler, der sich mit politischem Islam beschäftigt. Der Bericht des französischen Innenministeriums führte beispielsweise 20 Influencer auf, die in dieser Hinsicht besonders wichtig zu sein schienen.
Zudem haben Islamisten in den sozialen Medien inzwischen bereitwillige Verbündete: rechtsextreme Gruppen, die Ängste vor dem Islam schüren. 2022 verbrannte ein dänischer Aktivist öffentlich an mehreren Orten in Schweden Exemplare des Korans. Islamistische Gruppen verbreiteten daraufhin sofort das falsche Gerücht, die schwedischen Behörden unterstützten die Verbrennungen – woraufhin empörte Muslime randalierten.
„Die AfD und radikale Islamisten sind Partner – beide leben von der Polarisierung“, sagt der Hamburger Innensenator Grote. Marine Le Pen, die aussichtsreichste Kandidatin für die französische Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr, gibt sich mit dem bestehenden Verbot des Kopftuchs und anderer „auffälliger religiöser Symbole“ in Regierungsgebäuden nicht zufrieden. Sie fordert ein Verbot an allen öffentlichen Orten. Das dürfte viele lediglich fromme französische Muslime in die Arme der Extremisten treiben. Ahmed Marcouch, Bürgermeister der niederländischen Stadt Arnheim und früherer Abgeordneter der sozialdemokratischen Partei Labour, sorgt sich darum, was noch kommen wird. Die Idee einer öffentlichen Debatte darüber, wie mit extremen Ansichten innerhalb der muslimischen Gemeinschaft am besten umzugehen sei, sei gut gewesen, sagt er. „Doch zu diesem Dialog ist es nie wirklich gekommen.“
Dieser Text erschien zuerst bei The Economist unter dem Titel „The good news: few Muslims want to subvert European democracy“.
Sprecherin: Sandra Czadul
Audioproduktion und -mix: Yannik Milz
