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17. Juni 2026

Rekord-Emissionen trotz Klimazielen: „Es scheitert an politischem Mut“


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stoßen wir so viel CO₂ aus wie bisher, ist das 1,5-Grad-Ziel in drei Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit verloren. Wir hätten Handlungsspielraum, aber er wird nicht genützt, sagen Experten und Expertinnen.

April 2026: Anhänger und Anhängerinnen von Fridays for Future protestieren auf dem Wiener Heldenplatz unter dem Motto „Unser Budget, unsere Zukunft“ gegen den ersten Entwurf zum Doppelbudgets 2027/2028. (Foto: APA-Images / AFP / JOE KLAMAR)

Gerade war es noch herbstlich, jetzt kommt in ganz Österreich die Hitze. Und Hitzewellen, das ist mittlerweile längst bekannt, werden immer häufiger und länger. Auch im Meer. Das geht aus dem jüngsten Bericht über Klimawandel-Indikatoren hervor. Der ist bei den UN-Klimaverhandlungen in Bonn präsentiert worden, die gerade stattfinden. Sie dienen als Vorbereitung für die Weltklimakonferenz, die im November in der Türkei stattfinden wird. Dieser Bericht über Klimawandel-Indikatoren (Indicators of Global Climate Change, kurz IGCC) ist eine Zwischenbilanz zu den Berichten des Weltklimarats (IPCC), die nur alle fünf bis sieben Jahre erscheinen.

Das Ergebnis des Berichts über Klimawandel-Indikatoren ist, dass wir mehr Treibhausgase ausstoßen als je zuvor. Wenn wir eine 50-prozentige Chance darauf haben wollen, dass sich das Klima um maximal 1,5 Grad erwärmt – zur Erinnerung: Maßstab ist das vorindustrielle Niveau –, dann dürften wir laut dem Bericht nur mehr 130 Gigatonnen CO₂ produzieren. Beim derzeitigen Ausstoß hätten wir das in den kommenden drei Jahren erreicht. Eine Forscherin, die an der Studie mitgearbeitet hat, hat gesagt, es sei schwer zu verstehen, dass wir immer noch nicht so weit sind, dass die Treibhausgasemissionen abnehmen – obwohl das Pariser Klimaabkommen mit dem 1,5-Grad-Ziel schon 2015 geschlossen wurde. Und: Die Emissionen nehmen zu, obwohl wir Alternativen hätten.

Was wären denn die wichtigsten Hebel gegen den Klimawandel, die derzeit nicht genützt werden?

Das bespreche ich mit Daniel Huppmann vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) mit Sitz in Laxenburg bei Wien. Huppmann ist Klimaforscher und Obmann des Climate Chance Center Austria, eines Netzwerks für Klimaforschung. Er hat den Spezialreport des Weltklimarats zur Erderwärmung aus dem Jahr 2018 mitverfasst und für den jüngsten IGCC das Software-Team koordiniert, das die Forschungsergebnisse auf einer eigenen Website visualisiert hat.

„Es fehlt an politischem Mut, tatsächlich Maßnahmen umzusetzen“, sagt Klimaforscher Daniel Huppmann. (Foto: Lacey Ann Johnson)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Wenn über das Treibhausgas-Budget gesprochen wird, liegt der Fokus deshalb auf CO₂, weil es der größte Treiber der Erderhitzung ist und wir hier die größten und einfachsten Hebel haben, etwas zu verändern. Die Kohlenstoffdioxid-Emissionen kommen zu einem großen Teil aus unserem fossilen Energieverbrauch – etwa im Verkehr oder bei der Stromerzeugung.
  • Der Staat hat drei Hebel, um Prioritäten umzusetzen: das Budget, gesetzliche Rahmenbedingungen und Infrastruktur. Im aktuellen Doppelbudget ist bei Klimasubventionen und Umweltmaßnahmen gekürzt worden. Gleichzeitig gibt es in unserem Steuersystem immer noch Anreize, die klimaschädliches Verhalten fördern. Klare Rahmenbedingungen könnte die Regierung mit einem entsprechenden Klimagesetz schaffen. Immerhin hat sie sich Klimaneutralität bis 2040 ins Koalitionsabkommen geschrieben. Bisher gibt es aber kein Gesetz, das dazu dienen würde, dieses Ziel zu erreichen. Außerdem braucht es die entsprechende Infrastruktur, um den Menschen zu ermöglichen, klimafreundlich zu leben – etwa ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz.
  • Europa ist der Kontinent, der sich am stärksten erhitzt. Schon jetzt hat sich das Klima in Österreich gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter um 3 Grad Celsius erhitzt. WHO-Generaldirektor für Europa Hans Kluge hat gesagt, europäische Länder müssten mehr dafür tun, die Bevölkerung vor Hitze zu schützen. Die Instrumente dafür kennen wir längst: etwa Begrünung, Entsiegelung und weniger Verkehr. Diese Anpassungen kosten Geld, sind aber langfristig gute Investitionen, weil Klimawandel-Folgeschäden viel mehr kosten als Klimaschutzmaßnahmen.

Übrigens: Kannst du dich an die B-Seite dazu erinnern, wie Künstliche Intelligenz unser Rechtssystem vor neue Herausforderungen stellt? Da ging es unter anderem darum, welchen Wert die Informationen haben können, die im Zuge von Gerichtsverfahren bekannt werden. Aktuell gibt es in den USA eine Umweltklage gegen Elon Musks KI-Unternehmen xAI. Die Klage richtet sich gegen Gasturbinen eines Rechenzentrums im südlichen US-Staat Tennessee. Der Vorwurf ist, dass gegen das Gesetz zur Luftreinhaltung verstoßen wird, weil es für die Turbinen keine Genehmigung gibt. Die US-Regierung verteidigt xAI und sagt, die Klage bedrohe die nationale, wirtschaftliche und Energiesicherheit der USA. Dadurch würde die KI-Infrastruktur gefährdet, die das US-Militär nützt – unter anderem im Krieg gegen den Iran. Damit ist also offiziell: Ein KI-Modell, das auf dem Chatbot Grok basiert, ist im Irankrieg eingesetzt worden. Das Modell Grok Gov hat dabei unterstützt, Ziele festzulegen, die dann beschossen worden sind. Das Rechenzentrum in Tennessee verwendet die Gasturbinen, um den Supercomputer anzutreiben, der Grok trainiert. Über den Einsatz von künstlicher Intelligenz und autonomen Waffensystemen im Krieg haben wir ebenfalls schon einmal in der B-Seite gesprochen – mit der Rüstungsexpertin Elisabeth Hoffberger-Pippan.

Korrekturhinweis: Im Teaser stand zuerst, dass wir in in drei Jahren die 1,5-Grad-Marke erreichen, wenn wir so weiter machen wie bisher. Das stimmt nicht. Wenn wir noch eine 50-prozentige Chance darauf haben wollen, die 1,5-Grad-Marke nicht zu überschreiten, haben wir nur mehr ein begrenztes Budget an CO₂-Emissionen und das wäre beim derzeitigen Ausstoß schon in drei Jahren aufgebraucht.


Ich wünsche dir, dass du die anstehende Hitze gut überstehst!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team