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2. Juni 2026

Hitzeschutz statt hitzefrei: Wie Schulen klimaresilienter werden


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früher waren heiße Tage unterrichtsfrei. Mit der fortschreitenden Erderwärmung ist das nicht mehr realistisch. Ein aktuelles Forschungsprojekt sucht nach Lösungen – zusammen mit Schülern und Lehrkräften.

Werden Schulen neu gebaut, wird Klimaresilienz mittlerweile mitgedacht. Große Glasflächen wie diese gehören der Vergangenheit an. (Foto: APA-Images / AFP / PHILIPPE LOPEZ)

Es ist gerade erst Juni und wir haben schon die erste Hitzewelle des Jahres hinter uns. So wie sich unser Klima entwickelt, ist zu erwarten, dass sich die Hitzeperioden weiter auf Frühjahr und Herbst ausweiten. Für Schulen bedeutet das: Während früher in der heißesten Zeit des Jahres schulfrei und an den vereinzelten sehr heißen Tagen hitzefrei war, findet jetzt der Unterricht wohl oder übel bei hohen Temperaturen statt. Es wird immer schwerer, den häufigeren und längeren Hitzeperioden auszuweichen. Im Vergleich zur Klimaperiode 1961 bis 1990 gibt es etwa in Wien dreimal so viele Hitzetage – Tage, an denen es mindestens 30 Grad Celsius hat – und rund 70 Prozent mehr Sommertage – Tage mit mindestens 25 Grad.

Befragungen im Rahmen des Projekts Climate Ready Schools des Austrian Institute of Technology (AIT) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Wien zeigen, was für eine Belastung das für Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte ist. Die Befragten berichten davon, dass sie müde sind, sich schwertun, sich zu konzentrieren, viele bekommen Kopfweh und manche auch Kreislaufbeschwerden. Eine Schule, in der nicht mehr unbeschwert gelernt und gelehrt werden kann ist nicht im Sinne der Erfindung. Schulen müssen also klimaresilienter werden. Und genau daran arbeitet das Projekt Climate Ready Schools – mit fünf Partnerschulen in Wien und Niederösterreich. Im Juni 2027 wird zum Abschluss des Projekts ein Klimaresilienzhandbuch präsentiert werden.

Ich habe mit dem Meteorologen und Klimaresilienzexperten Martin Schneider vom Austrian Institute of Technology darüber gesprochen, welche Lösungsansätze jetzt schon auf dem Tisch liegen. Er hat nach seinem Meteorologie-Studium zuerst bei einem privaten Wetterdienstleister gearbeitet – in der Unwetterwarnung. Aber im Endeffekt hat ihn dann doch die langfristige Perspektive mehr interessiert: Wie sich die globalen Klimaveränderungen auf uns auswirken, worauf wir uns einstellen können beziehungsweise müssen, und welche Handlungsmöglichkeiten wir haben.

Bestehende Gebäude umzurüsten, kostet Geld und braucht Zeit. Erste wichtige Maßnahmen sind unter anderem Außenbeschattung und Nachtlüftungskonzepte, sagt Klimaresilienzexperte Martin Schneider. (Foto: AIT, Krischanz)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Lehrende wie Schüler und Schülerinnen beteiligen sich als Citizen Scientists an dem Projekt. Die Wissenschaftler und Wissenschaftler können zwar Daten wie Lufttemperatur und -feuchtigkeit erheben. Aber sie haben keinen direkten Einblick in die Abläufe in der Schule: Wann werden Fenster geöffnet? Wann ist Querlüften überhaupt möglich? Sind Schüler und Schülerinnen irgendwann gar nicht in der Klasse? Wann ist die Außenbeschattung aktiv? „Das sind alles sehr wertvolle Informationen für uns – zur Interpretation der Messdaten, um dann auch die Wirksamkeit von verschiedenen Maßnahmen abzuleiten und Empfehlungen zu geben“, sagt Schneider.
  • Im Rahmen eines Workshops haben die Forschenden zusammen mit Schülern und Schülerinnen sowie Lehrpersonal Lösungsansätze entwickelt. Die Vorschläge sind geclustert: nach Zeitrahmen, in dem sie umgesetzt werden können, und nach Personengruppe, die sie umsetzen kann – von der Gebäudeeigentümerschaft über die Schulleitung bis hin zu den Schülern und Schülerinnen selbst. Der Fokus des Projekts liegt aber darauf, die Schulleitung und die Schulgemeinschaft zu befähigen, die Situation möglichst schnell eigenständig verbessern zu können.
  • Welche Maßnahmen für einen bestimmten Schulstandort geeignet sind, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Entscheidend ist dabei nicht, ob die Schule in einer größeren Stadt oder am Land steht, sondern vielmehr, welche Bedingungen rundherum herrschen.

Im Mietrecht gibt es ein Recht auf Heizen. Aber wie sieht es beim fortschreitenden menschengemachten Klimawandel mit einem Recht auf Kühlung aus? Das hat meine Kollegin Celeste recherchiert.


Ich drücke uns allen die Daumen für einen Sommer ohne allzu viel Hitzetage.

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team