„Sogar ein rostiges Postkastl hätte Chancen gegen Herbert Kickl“
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Der Kabarettist Florian Scheuba sieht im unerwartet starken Abschneiden von Count Binface gegen Nigel Farage einen allgemeinen politischen Trend.

Der britische Rechtspopulist Nigel Farage hat gestern einen demütigenden Sieg im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex eingefahren. Sein einziger Konkurrent Count Binface, ein sprechender Mistkübel, verkörpert vom Satiriker und Schriftsteller Jonathan Harvey, hat rund 27 Prozent bekommen. Farage zieht zwar erneut ins britische Parlament ein. Dass ein Gegenstand als einziger Herausforderer aber fast ein Drittel der Stimmen abräumt, kann dem Populisten kaum schmecken. Wohl auch deshalb verweigerte Farage im Gegensatz zu Count Binface einen öffentlichen Auftritt nach Auszählung der Stimmen.
Farage – einst die treibende Kraft hinter der Brexit-Bewegung – hatte seinen Sitz im britischen Unterhaus vor einigen Wochen überraschend niedergelgt. Damals war bekannt geworden, dass der Politiker von dem Crypto-Milliardär Christopher Harborne ein Geldgeschenk in der Höhe von fünf Millionen Pfund angenommen hatte. Mit der Nachwahl wollte er seine politische Legitimation stärken. Was mit dem überraschend starken Abschneiden von Count Binface – dem in Umfragen nur gut 20 Prozent der Stimmen prognostiert wurden – ziemlich in die Hosen gegangen.
Die Sache ist für Farage umso blamabler, weil der Wahlkreis Clacton eine absolute Hochburg seiner Partei Reform UK ist. Alle anderen demokratischen Parteien hatten auf ein Antreten bei der Nachwahl verzichtet, nur Count Binface trat gegen Farage an. Er bezeichnet sich als „unabhängigen Weltraumkrieger“ und behauptet, 5900 Jahre alt zu sein. Seit Jahren tritt er bei Wahlen an, bisher mit sehr überschaubarem Erfolg.
Hätte ein Gegenstand auch in Österreich Chancen bei einer Wahl? Und könnte es sein, dass ein wenig mehr Humor auch der hiesigen Politik gut tun würde? Dazu habe ich mich mit dem Kabarettisten und Schauspieler Florian Scheuba unterhalten.

Die besten Zitate:
Über Nigel Farage
„Ich glaube nicht, dass er absichtlich so schlecht lügt, wie er es tut. Das hat sich schon damals bei der Brexit-Abstimmung und den anschließenden Ausreden für seine Lügen gezeigt. Es war sicher nicht seine Absicht, dabei lustig zu wirken. Wenn er nun versucht, eine Parteispende von fünf Millionen Euro als privates Geschenk darzustellen, kann man zwar darüber lachen, aber es ist vermutlich keineswegs sein Ziel, die Menschen damit zu amüsieren. Ein ganz ähnliches Phänomen beobachte ich bei Donald Trump. Auch er wird öffentlich manchmal als großartiger Entertainer wahrgenommen. Das halte ich für falsch, denn Entertainer sind bewusst lustig. Bei Trump gibt es zwar Dinge, über die man lachen kann, weil sie so jenseitig sind – gemeint sind sie von ihm aber keineswegs witzig. Bei Farage verhält es sich meiner Meinung nach ganz ähnlich.“
Über die Chancen einer Spaßkandidatur gegen Herbert Kickl
„Ich glaube ja, dass sogar ein rostiges Postkastl eine Chance gegen Herbert Kickl hätte – vorausgesetzt, es ist ausländerfeindlich genug. Diesbezüglich hat sich die Außenwahrnehmung in den letzten Jahren gewissermaßen wie bei einer Limbostange nach unten bewegt: Bei Jörg Haider hat man noch gesagt, er habe Charisma, sei intelligent und raffiniert – da war allen klar, warum er gewählt wird. Heinz-Christian Strache hatte zwar weder Charisma noch Intelligenz, aber er war der Kumpeltyp, der sympathisch rüberkam und als „einer von uns“ galt. Bei Herbert Kickl ist all das nicht mehr da. Dass ihn jemand wählt, weil er ihn sympathisch findet oder einen großartigen Charakter in ihm sieht, halte ich für nahezu ausgeschlossen. So gesehen hätte ein bloßer Gegenstand gegen Herbert Kickl tatsächlich bessere Chancen als gegenüber frühere FPÖ-Kandidaten.“
Was Komikerinnen und Komiker für die Politik mitbringen
„Vielleicht bringen sie einen unkonventionelleren Blick von außen mit und sind nicht an gewisse Seilschaften gebunden – was es für sie allerdings prinzipiell auch schwer macht, sich in etablierten Parteien zu positionieren. Sie können zwar tatsächlich eine Unabhängigkeit hineinbringen, die der Politik guttut, doch im Laufe der Jahre werden die Verstrickungen wahrscheinlich so groß, dass sie diese Unabhängigkeit nicht mehr durchziehen können.“
Was müsste passieren, damit Florian Scheuba in die Politik geht?
„Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Ich spiele seit meinem 18. Lebensjahr hauptberuflich Kabarett, mache Satire und hatte noch nie in irgendeiner Weise einen Chef über mir. Mich an Zwänge wie den Klubzwang bei Abstimmungen im Parlament anzupassen oder meine Haltung einer vorherrschenden Parteimeinung unterzuordnen, fällt mir extrem schwer – das ist für mich kaum vorstellbar. Aus diesem Grund halte ich seit jeher maximale Distanz zu Parteien: Ich bin nie auf Parteiveranstaltungen aufgetreten und habe mich nie an Personenkomitees im Wahlkampf beteiligt. Und dabei möchte ich es eigentlich auch belassen.“
Was denkst du: Wie kann es sein, dass Spaßfiguren wie Count Binface immer wieder in der Politik erfolgreich sind? Schreib es mir in die Kommentare.
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Mitja Milosits