Die Rückkehr der Kaiseradler. Was wir von den Greifvögeln lernen können.
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Seit 27 Jahren leben wieder Kaiseradler in Österreich – heuer wurden 56 Brutpaare gezählt. Positive Nachrichten aus dem Reich der Adler, von denen wir auch für andere Bereiche lernen können.

Der Kaiseradler ist wieder da. 200 Jahre lang war das Tier aus Österreich verschwunden. Vor allem durch gezielte Jagd wurde er ausgerottet und konnte sich erst 1999 wieder in Österreich ansiedeln. Heuer hat BirdLife Österreich 68 Reviere erfasst, in 56 davon wurde tatsächlich gebrütet — rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
Dass sich der Adler wieder ausbreiten kann, liegt auch daran, dass er in den vergangenen Jahren unter speziellen Schutz gestellt wurde. Um den Bestand der Kaiseradler festzuhalten, arbeitet BirdLife Österreich mit ehrenamtlichen Vogelbeobachterinnen und -beobachtern zusammen.
Ein Kaiseradler hat besonderen Ruhm erlangt. Die Adlerdame Theodora hat als junger Vogel 2022 von BirdLife Ungarn und BirdLife Österreich einen GPS-Sender montiert bekommen. Dokumentiert wurde das Ganze von ARTE für eine Dokumentation über Kaiseradler. Zur gleichen Zeit wurde in der Slowakei ein Jungvogel mit GPS-Sender versehen. Er und Theodora lernten sich kennen – leben nun im Wiener Becken und haben dieses Jahr zwei Jungvögel erfolgreich aufgezogen. Durch das Tracking wurden ihre Reiserouten nach Polen, zur Ostsee, in die Slowakei und schließlich nach Österreich nachvollziehbar und sind ein Beispiel dafür, wie wichtig internationale Schutzbemühungen und Kooperationen sind.
Wie die Kaiseradler so eine Erfolgsstory hinlegen konnten und was wir daraus lernen können, darüber habe ich mit Matthias Schmidt gesprochen. Er ist Greifvogelexperte von BirdLife Österreich und spezialisiert auf Kaiseradler.

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:
- Der Kaiseradler war in Österreich rund 200 Jahre lang ausgerottet. Es ist vor allem Schutzbemühungen aus Ungarn und der Slowakei aus den 1970er- und 80er-Jahren zu verdanken, dass die Adler dort überleben konnten – zwischenzeitlich gab es dort im Grenzraum eine Restpopulation von nur 30 Brutpaaren.
- Geschossen wurde er, weil Greifvögel als Konkurrenz zur Jagd galten. Zeitweise gab es sogar Prämien für Abschüsse. Die illegale Verfolgung ist aber bis heute nicht komplett verschwunden.
- Eine neue Bedrohung ist die Windkraft. BirdLife Österreich bekennt sich zwar klar zur Energiewende, muss aber eingestehen, dass die Mortalität von Kaiseradlern durch Windräder aktuell noch hoch ist. Das lässt sich aber verhindern, wenn bei der Planung der Anlagen die Hot Spots der Adlervorkommen gemieden werden.
- Der Klimawandel ist für den Kaiseradler aktuell kein großes Problem. Das Beutespektrum hat sich zwar etwas verschoben, aber ansonsten ist der Kaiseradler relativ wenig betroffen.
- Aktuell ist die Population noch etwas zu klein für einen stabilen Erhaltungszustand. Aber die Richtung stimmt – und bei grenzüberschreitender Zusammenarbeit könnte die Zukunft des Kaiseradlers gesichert sein.