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8. Mai 2026

Hantaviren können ernste Erkrankungen auslösen. Auch die nächste Pandemie? Was du jetzt wissen musst


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auf der ganzen Welt kommen Hantaviren vor – auch in Österreich. Abhängig vom Stamm kann eine Infektion lebensbedrohlich sein – wie aktuell auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“.

Ein Passagier der „MV Hondius“ (zweiter von links), der womöglich mit dem Hantavirus infiziert ist, wird am Amsterdamer Flughafen zu einem Krankenwagen eskortiert, um ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. (Foto: APA-Images / AP / Peter Dejong)

Etwas über sechs Jahre nachdem die Corona-Pandemie in Österreich angekommen ist, steht die Frage im Raum, ob die nächste Pandemie bevorsteht. Auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ gibt es einen Ansteckungscluster mit dem Hantavirus, besser gesagt einem Hantavirus-Stamm. Von insgesamt acht Verdachtsfällen sind fünf bestätigte Hantavirus-Infektionen, drei Menschen sind bisher gestorben. Weltweit wird nach Personen gesucht, die mit Infizierten in Kontakt gekommen sind, damit ein größerer Ausbruch verhindert werden kann. Bevor der nämlich offiziell war, haben mehrere Passagiere das Schiff verlassen – auf der entlegenen Insel St. Helena im Südatlantik.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beruhigt und sagt, dass wir nicht befürchten müssen, dass hier die nächste Pandemie bevorsteht. Sie erwartet, dass der Ausbruch beschränkt bleibt, sofern Schutzmaßnahmen eingehalten werden und alle Länder zusammenarbeiten.

Darüber wollte ich gerne mit einer Expertin oder einem Experten sprechen, aber heute ist es passiert: viele Anfragen, eine positive Rückmeldung und dann ist das Interview in letzter Sekunde doch abgesagt worden. Ich habe mich also bemüht, die wichtigsten Informationen zum Hantavirus für dich zusammenzutragen und dir ein bisschen Klarheit zu verschaffen darüber, um welche Krankheit es gerade geht und wieso du dir aktuell keine Sorgen über einen größeren Ausbruch machen musst. Ich habe Unterstützung von der Arbeitsgruppe Schwarzer bekommen, die unter anderem zu Orthohantaviren forscht – am Institut für die Erforschung von HIV und AIDS-assoziierten Erkrankungen des Uniklinikums Essen beziehungsweise der Universität Duisburg-Essen. Die hat mir ein paar Fragen zum Virus, zum Krankheitsverlauf, zur Therapie und zum Schutz vor Infektionen beantwortet.

Was du zum Hantavirus wissen musst:

  • Es gibt verschiedene Hantavirus-Stämme. An Bord der „MV Hondius“ kursiert das sogenannte Andesvirus, das in Südamerika vorkommt. Hantaviren gibt es auch in Europa, aber andere Stämme, die eine nicht so gefährliche Krankheit auslösen. In Österreich kommt das Puumalavirus vor – vor allem in Süd- und Südostösterreich. Hantavirus-Infektionen sind meldepflichtig. 2024 wurden in Österreich 19 Infektionen gemeldet, von denen keine einzige tödlich verlaufen ist. In Nord- und Südamerika führen Infektionen in bis zu 50 Prozent der Fälle zum Tod. In Europa und Asien liegt die Sterblichkeit laut WHO zwischen unter 1 und bis zu 15 Prozent.
  • Hantaviren sind Zoonose-Erreger, werden also von Tieren auf Menschen übertragen. Beim Andesvirus ist bekannt, dass es unter Menschen übertragen werden kann – allerdings selten und bei langem, engem Kontakt. Überträgerinnen sind Mäuse und Ratten – in der Regel indirekt über Speichel, Kot oder Urin.
  • Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen. Infektionen verlaufen oft ohne oder mit unspezifischen Symptomen. Deshalb geht das Robert-Koch-Institut in Deutschland von einer hohen Dunkelziffer aus.
  • Amerikanische Hantavirus-Stämme können das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom auslösen (HPS). Es beginnt grippeähnlich, mit Fieber und Schüttelfrost, Muskelschmerzen und Kopfweh. Es können auch Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall auftreten. Die zweite Phase kann lebensbedrohlich sein: Die Infektion schädigt das Lungengewebe, es kann sich Flüssigkeit in ihr ansammeln und dadurch Lungen- und Herzfunktion eingeschränkt werden.
  • Europäische und asiatische Stämme lösen im schlimmsten Fall hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom aus (HFRS). Auch diese Erkrankung beginnt grippeähnlich und entwickelt sich in der zweiten Phase weiter, kann dann die Nieren schädigen und zu inneren und äußeren Blutungen führen.
  • Es gibt weder eine direkte Therapie noch eine Impfung gegen Hantavirus-Infektionen. Es können nur die Symptome behandelt werden. Je früher die Infektion erkannt wird, desto besser sind die Chancen, sie möglichst gut zu überstehen – besonders das schwere Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom.
  • Hantaviren sind RNA-Viren. Mittel- und langfristig könnte mit mRNA-Technologie ein Impfstoff hergestellt werden.
  • Um sich nicht anzustecken, sollte man Kontakt zu Nagetieren vermeiden – und vor allem zu Ausscheidungen von ihnen. Muss man mal tote Tiere, Kot oder Urin beseitigen, dann mit Handschuhen und eventuell auch mit Atemschutzmaske – vor allem, wenn es staubt.

Mehr Informationen zum Hantavirus findest du bei der Agentur für Gesundheits- und Ernährungssicherheit (AGES) und am Zentrum für Virologie der Med Uni Wien. Die WHO stellt ebenfalls verschiedene Informationen online zur Verfügung, auch konkret zum aktuellen Ausbruch.


Bleib gesund und pass auf dich auf! Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team