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Es ist Mai 2026. Draußen ist es dunkel. Am Stephansplatz, an der Ecke, wo die Kärntner Straße endet und der Graben beginnt, steht eine junge Frau. Sie hat braune lange Haare, trägt einen Jogginganzug und eine schicke Tasche. Sie wirkt verlegen und nervös. Ein Mann spricht sie an. Sein bürgerlicher Name ist Zelemkhan Arsanov. Online nennt er sich aber Mois. Und Mois ist auf der Suche nach Followern. Dafür geht er auf Jugendliche zu und macht Challenges mit ihnen. Die Challenge, die die junge Frau schaffen muss: Sie muss in einem Bissen ein Dessert essen. Wenn sie es schafft und ihm auf TikTok folgt, bekommt sie 50 Euro. Das Dessert sieht aus wie eine echte Kirsche in übergroßem Maßstab. Gefüllt ist sie mit einer Art Mousse und einem flüssigen Fruchtkern. Als sie hineinbeißt, rinnt er aus der knackigen Schokohülle direkt über ihre Finger. Währenddessen spaziert eine andere Frau durchs Video, blonde Haare, gestylt, vielleicht am Weg zu einer Party oder einem Abendessen. Mois ruft ihr hinterher: „Abla du siehst heute sehr gut aus, Mashalla.” Und ein Junge kommt ins Bild. Er fragt Mois, ob er ein Foto mit ihm machen kann. Mois antwortet: „Bruder, chill doch, soll ich mich aufteilen?“
Die Challenge schafft die junge Frau nicht ganz. Aber ihre Freundin, mit der sie an diesem Abend in der Wiener Innenstadt unterwegs ist, hilft ihr mit einem zweiten Bissen. Als Belohnung gibt es 30 Euro für jede von ihnen. Auf den Follow-Button müssen sie nicht mehr drücken. Sie folgen ihm bereits, so wie mittlerweile 2,2 Millionen Menschen. Viele davon sind noch jung, denn Mois spricht vor allem Jugendliche an. Aber nicht nur.
Einen Tag davor spricht Mois dieses Mal auf der anderen Seite des Stephansplatzes, dort, wo die Fiaker warten, eine Mutter und ihren Sohn Felix an. Er ist noch nicht 14, deswegen hat er noch kein TikTok, aber seine Mutter folgt Mois. Mois schenkt Felix nagelneue Nike-Sneaker. Felix möchte das Geschenk erst gar nicht annehmen. Er ist so gerührt, sein Grinsen zieht sich von einem bis zum anderen Ohr. Eines Tages möchte er auch YouTuber werden – so wie Mois.
Abgesehen davon, dass Mois im ersten Video eine Frau catcallt, sind die (Geld-)Geschenke eine nette Geste. Er verschenkt Süßigkeiten, Schuhe und Geld. Oder er kauft sich damit seine Follower. Auslegungssache. Wie dem auch sei, er bekommt Follower und die Followerinnen Geschenke. So oder so ähnlich läuft das in ganz vielen seiner neuen TikToks ab, die Mois aktuell fast täglich postet. Manchmal sind es über fünf an einem Tag.
Am Wiener Stephansplatz scheint heute jedenfalls niemanden mehr zu interessieren, was Mois noch vor zwei Jahren gemacht hat. Im Juli 2024 gab Mois dem YouTuber Jaluce ein Interview. In diesem YouTube-Video sagt Mois über seine Frau: „Ich hab’ sie geschlagen und ich bin Gott dankbar, dass ich sie nicht getötet habe.” Er habe sie nicht zu Tode geschlagen, weil er sich kontrolliere, aber es sei schwer, sich zu kontrollieren. Er schlägt mit beiden Händen aggressiv auf die Unterseite des Tisches. Sie habe ihm die Kinder weggenommen mit „einem dreckigen Juden”, schreit Mois. Und weiter: „Freu dich, dass du nicht tot bist, Kahba.”

Vielleicht hast du dieses Interview oder Ausschnitte daraus schon einmal gehört oder gesehen. Es ging damals ziemlich viral, wurde von vielen YouTube-Stars aufgegriffen und Mois wurde zum Meme. Viele machten sich über ihn lustig, andere machten sich Sorgen. Das Interview ist aber nur ein Puzzleteil in den vielen Skandalen rund um Mois.
Wer ist also dieser Mann? Gleich vorweg: Wir haben Mois natürlich für ein Interview angefragt und ihm auch die Möglichkeit gegeben, zu seiner Vergangenheit, all den erhobenen Vorwürfen und auch seinen heutigen Tätigkeiten Stellung zu nehmen, doch er hat auf unsere Anfragen bis Redaktionsschluss nicht reagiert.
Mois’ schneller Aufstieg und tiefer Fall
Mois heißt mit bürgerlichem Namen Zelemkhan Arsanov. Sein enges Umfeld nennt ihn Alim. Alim ist 1991 in Tschetschenien geboren. Seine Kindheit war geprägt vom Krieg. Mit 15 Jahren flieht er mit seiner Familie nach Österreich und wächst in der Steiermark auf. Dort macht er seine Matura. In Interviews und auf seinen eigenen Social-Media-Kanälen erzählt er immer wieder davon, wie er in der Schule Rassismus erfahren hat. Später fängt er in Wien an, Psychologie zu studieren. Er habe damals auf einer tieferen Ebene verstehen wollen, warum Menschen Kriege beginnen. Aber das System Uni sei nichts für ihn gewesen, er bricht ab. Alim versucht sich als kleiner Geschäftsmann und repariert kaputte Handys, aber so ganz läuft es nicht. Er verschuldet sich und landet wenig später hinter der Supermarktkasse. In Interviews sagt er, dass er damals unzufrieden und frustriert gewesen sei. Das könne nicht alles gewesen sein.
2017 gründet er den YouTube-Kanal „Mois”, wo er News aus der Deutschrap-Szene kommentiert. Er möchte bekannt werden, viele Zuschauer hat er damals noch nicht. Aber dann passiert etwas, das ihn über Nacht ganz nach oben katapultiert: Der Rapper Kollegah erwähnt ihn in einer Instagram-Story. Es ist der absolute Jackpot für Mois. Plötzlich wollen alle deutschen Rap-Größen ihn treffen. Für die Karriere zieht Mois mit seiner Frau nach Deutschland, ins Ruhrgebiet. Bald knackt er auf YouTube die Eine-Millionen-Abo-Grenze und gründet 2019 sein eigenes Musiklabel, die „Keller GmbH“. Er nimmt seinen Kumpel und Rapper Maestro unter Vertrag, baut ein riesiges Netzwerk auf und veröffentlicht irgendwann sogar eigene Musik. Zu diesem Zeitpunkt ist er Multimillionär, ist ein richtig großer Name in der Deutschrap-Szene und hat eine Frau und Kinder.
Doch der Ruhm scheint ihm schnell zu Kopf zu steigen und seine Fassade beginnt zu bröckeln. Für Klicks zieht er Obdachlose vor die Kamera und sammelt auf TikTok massenhaft Spenden, angeblich um Bedürftigen zu helfen. Und auch für Opfer des schweren Erbebens 2023 in der Türkei bittet er seine Followerinnen, Geld bei ihm zu spenden. Die gutgläubigen Zuschauer überweisen Tausende Euro. Das Geld wird weder die Obdachlosen noch die Erdbebenopfer je erreichen. Mois sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert: Viele Zuschauerinnen vermuteten, dass die Spenden direkt in seine eigene Tasche geflossen sind und seinen Drogenkonsum finanziert haben.
Mois ehemals bester Freund Maestro veröffentlichte damals ein 80-minütiges Video, das wie eine Bombe einschlägt. Er rechnet mit Mois ab und wirft ihm vor, das eigene Team um zigtausende Euro betrogen zu haben. Mois hätte krasse Drogenprobleme und würde sein ganzes Umfeld brutal manipulieren, wirft ihm Maestro vor.
2024 folgt der absolute Tiefpunkt: Nach langem Schweigen postet Mois’ Ex-Frau Anys zehn Videos auf ihrem Insta-Kanal, insgesamt über zwei Stunden Videomaterial. Unter Tränen erzählt sie von ihrer Ehe mit Mois, jahrelanger schwerster häuslicher Gewalt, Missbrauch, Isolation und Psychoterror.
Mois wirft Anys vor, eine Affäre zu haben. In einem Video veröffentlicht Mois daraufhin die private Adresse von Anys und die Adresse des Kindergartens ihrer gemeinsamen Kinder. Er postet intime Bilder und setzt ein Kopfgeld auf Anys aus. Das Ganze geht so weit, dass seine Familie Polizeischutz in Anspruch nimmt. Immer wieder beschimpft Mois Anys und seine eigenen Kinder als Kahbas. Kurz darauf kam es zu besagtem Interview mit Jaluce, in dem er seine Gewalt offen kundtut.
Es folgen nächtelange Livestreams und antisemitische Tiraden, etwa gegen einen jüdischen Rap-Kollegen. Irgendwann zieht YouTube den Stecker und sperrt seine millionenschweren Kanäle – offiziell allerdings nicht wegen der Morddrohungen oder des Antisemitismus, sondern weil sich zu viele Urheberrechtsverletzungen bei seinen Videos angesammelt hatten. Doch auf anderen Plattformen, wie der australischen Streaming-Plattform Kick, geht er nachts weiterhin live. Vor laufender Kamera raucht er Joints. Mois ist völlig zugedröhnt vom vielen Gras und anderen Drogen und bettelt bei seinen jungen Zuschauerinnen und Zuschauern um Geld. Seine Familie in Österreich hat damals schon längst mit ihm gebrochen. Das Ganze wird zu einer einzigen Abwärtsspirale aus Drogen, Narzissmus und komplettem Realitätsverlust, die schließlich in einem Psychiatrieaufenthalt endet.

Bleibt die Frage: Wie kann er mit all dem so einfach davonkommen? Gab es keine Anzeigen, Ermittlungen, Anklagen? Doch. Nach Informationen, die JETZT vorliegen, haben neun verschiedene Staatsanwaltschaften in Deutschland zu Mois ermittelt oder ermitteln noch. Die Vorwürfe reichen von Bedrohung, über den Verdacht auf Unterschlagung - Mois soll Geld behalten haben, das ihm nicht gehört - bis hin zu Untreue.
Einige Ermittlungen gegen Mois wurden vorläufig eingestellt wegen in anderen Verfahren verhängter oder noch zu erwartenden Strafen, wegen fehlenden hinreichenden Tatverdachts oder wegen unbekannten Aufenthaltes. Denn Mois hatte rund um 2024 keinen festen Wohnsitz mehr. Er pendelte wohnungslos von Stadt zu Stadt. Um dem Druck und den Behörden zu entgehen, soll Mois zwischenzeitlich auch ins Ausland geflohen sein. Die Staatsanwalt Osnabrück scheint noch immer nicht zu wissen, wo sich Mois aufhält. Als ich mich nach einem Verfahren erkundige, bekomme ich die Antwort: „Die Fahndung läuft, verraten Sie mir, wo er sich aufhält?”
Insgesamt sind es nach unseren Informationen 27 Verfahren, die gegen Mois laufen oder liefen. Bei der Staatsanwaltschaft Wien soll es übrigens nie eines gegeben haben.
Dieser Abriss ist eine Minimal-Zusammenfassung der Geschichte von Mois. Dazwischen gab es noch viele Ups and Downs, Umzüge ins Ausland und Beef mit Rapkollegen und Familienmitgliedern. Die ARD hat eine Podcastserie über Mois Absturz gemacht.
Die unerwartete Rückkehr nach Wien
Wie konnte es so weit kommen, dass Mois heute wieder am Wiener Stephansplatz und anderen Ecken Wiens mit Jugendlichen Videos dreht und von Kindern wie von Erwachsenen als Wohltäter gefeiert wird? So, als wäre das alles nie passiert.
Auch wenn seine Klickzahlen für eine Weile nach unten weniger wurden, war er nie ganz weg von Social Media. Etwa ein halbes Jahr nach dem viral gegangenen „Weil-ich-mich-kontrolliere-Sager” kehrt er auf TikTok zurück. Im September 2025 postet er ein Video aus der Psychiatrie. Von da an beginnt er seine Karriere von Neuem. Er macht TikTok-Livestreams aus der Klinik und veröffentlicht tägliche Video-Updates. Etwa zwei Wochen später verlässt er die psychiatrische Anstalt. Er kommt bei seinem Bruder Adam in Augsburg unter und postet ununterbrochen. Die Abo-Zahl auf TikTok steigt rasant an. Mitte November folgen ihm bereits 200.000 Personen, zu Weihnachten sind es schon über 650.000.
Und dann postet er ein Video, mit dem vor allem seine alten Fans nicht gerechnet haben. Mois fährt zurück nach Wien. Dort trifft er auf seine Mutter und auf seinen Vater. In einem TikTok sieht man die beiden Eltern, die mit dem Rücken zur Kamera sitzen, und Mois, der durch die Tür hereinspaziert. Er sagt etwas auf Tschetschenisch, seine Mutter weint. Er hockt sich auf den Boden vor die beiden. Sein Vater sagt, dass er froh ist, dass sein Sohn wieder auf einem guten Weg ist. Die drei nehmen sich in den Arm. Dieses Video hat Stand Anfang August 2,9 Millionen Klicks.
Von da an wird seine Verbindung nach Wien und vor allem seine Präsenz in Wien wieder stärker. Er fährt zwar immer wieder nach Augsburg, doch über einige Monate hinweg verbringt er sehr viel Zeit in Österreich. Er postet mehrere Videos täglich. Die meisten davon sind nach dem gleichen Schema aufgebaut. Er schenkt Jugendlichen, Kindern, Obdachlosen oder Müttern Geld, wenn Sie ihm folgen oder eine kleine Challenge absolvieren. Und diese, oft ziemlich jungen Leute, himmeln ihn zum Teil so sehr an, dass sie ihm sogar selbst Geschenke machen. Das sieht man zum Beispiel in einem TikTok, das er Mitte Mai postet. Vor dem Gasthaus Alt Wien stehen ein Dutzend junge Burschen um Mois versammelt und filmen ihn. Wir kennen ihr Alter nicht, doch die meisten von ihnen wirken nicht älter als elf oder zwölf Jahre. Sie sind fast zu Tränen gerührt, weil sie Mois treffen.
Ähnliche Szenen spielen sich vor einem syrischen Lokal im zehnten Bezirk ab. Mois ist mit den Eigentümern befreundet und macht Werbung für das Lokal auf seinen Social-Media-Kanälen. Oft bietet er Passantinnen Essen aus dem Lokal und Geld an – für ein Follow, versteht sich. Als Mois eines Tages auf seinem TikTok postet, dass er an die ersten 1000 Leute, die vorbeikommen, gratis Shawarma-Croissants verteilt, ist der Ansturm so groß, dass sogar die Polizei ausrücken und die Straße sichern muss. Die Jugendlichen rennen wortwörtlich die Türen ein. Mois dokumentiert das natürlich alles auf seinem TikTok-Kanal.
Warum Mois bei jungen Fans so gut ankommt
Doch was macht Mois für Jugendliche heute so interessant? Ich habe mich dort umgehört, wo sich auch Mois herumtreibt, wenn er in Wien ist und TikToks dreht. Fast alle Jugendlichen, mit denen ich gesprochen habe, kennen ihn und die meisten haben eine Meinung zu ihm. Das erkenne ich schon an den Blicken, denn als ich den Namen Mois erwähne, reißen alle ihre Augen weit auf.
Die meisten finden gut, was Mois heute macht. Ein 15-Jähriger sagt mir: „Ich finde es gut, dass er anderen Leuten hilft, die nicht so vieles haben, weil er ja so viel hat.” Als Mois im Frühjahr in Österreich war hätten viele aus seiner Schule über Mois geredet. „Einer war sogar in seinem Video”, fügt er hinzu. Ähnliches erzählt auch eine andere Jugendliche, sie ist 17: „Ein Freund von meinem Bruder hat ein Foto von Mois, wo er ihm ein Geschenk gemacht hat. Ich finde das sehr nett von ihm.”
Mois’ Vergangenheit sehen aber alle kritisch. Eine weitere 17-Jährige sagt mir, dass sie Mois schrecklich findet: „Also ich feiere ihn nicht. Ich finde das ganz schlimm, was er getan hat. Ich finde niemand, keine Frau, sollte so etwas erleben. Und dass er zurück ist und trotzdem noch gute Dinge von Leuten zugeschickt bekommt, finde ich gar nicht gut. Wie kann man so etwas supporten? Verstehe ich nicht.” Andere wiederum meinen Mois hätte sich geändert. Er sei nicht mehr der, der er einmal war.
Die Meinungen unter den Jugendlichen, mit denen ich gesprochen habe, sind also gespalten. Die pädagogische Leiterin des Vereins Wiener Jugendzentren Merivan Kar warnt allerdings davor, von „den Jugendlichen” zu sprechen. Jugendliche sind natürlich keine homogene Gruppe und alle Kinder bekommen unterschiedliche Voraussetzungen von zu Hause mit.
Außerdem sagt Kar: „Jugendliche, die Mois folgen, sind nicht mit allem einverstanden, was er macht und finden ihn oft nicht cool. Ein Like oder Follow ist kein ‘Ich finde den super’, sondern ein ‘Ich folge dem, damit ich alles mitbekomme’.”
Doch Tatsache bleibt, dass er einige Fans hat, die ihn fast schon vergöttern. Seine Fanbase sind besonders Kinder und Jugendliche. Gerade mit seinen Straßenumfragen im öffentlichen Raum spreche er eine sehr junge Zielgruppe an, sagt Kar. Und das habe Gründe: „Wenn Mois mich aufhält und sagt, kannst du diese Schokolade auf einmal aufessen, dann bekommst du 50 Euro, dann werde ich die Schokolade nicht essen, weil ich selbst 50 Euro habe.” Wenn man diese Aufgabe Kindern stelle, gerade in Zeiten von Teuerung, seien die natürlich dabei. Gleichzeitig sei es aufregend für junge Menschen, gefilmt zu werden und vielleicht auch auf der Social Media Seite einer bekannten Person vorzukommen, sagt Kar.
Die Soziologin Tanja Schönanger von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sieht noch weitere Gründe dafür, wieso gerade junge Menschen, diese Art von Social-Media Inhalten so feiern. Das Jugendalter sei eine Lebensphase, die viel mit sich bringe. Es gehe darum, sich in der Gesellschaft einzufinden und dabei herauszufinden: Wer bin ich? In dieser Zeit seien Halt und Zugehörigkeit wichtige Faktoren. In Influencern würden Jugendliche oft Vorbilder sehen, zu denen sie gleichzeitig parasoziale Beziehungen aufbauen würden. Oft erfüllen diese Beziehungen ähnliche Funktionen wie Freundschaften. „Was Mois zusätzlich macht, ist, dass er tatsächlich auch hinausgeht aus diesen digitalen Räumen und mit den Jugendlichen spricht”, sagt Schönanger. Wenn sich Mois dann etwa für Dinge aus seiner Vergangenheit entschuldige oder Anzeichen von Reue zeige, werde das schnell als authentisch erlebt. Durch das freundschaftliche Verhältnis, das er zu seinen Fans pflegt, könnten ihm diese auch schnell vergeben oder ihm abkaufen, dass er aus seinen Fehlern gelernt habe.
Vergessen, vergeben oder nicht gewusst?
Doch nach all dem, was wir über Mois’ Vergangenheit wissen, bleibt die Frage, warum ihm trotzdem so viele Menschen folgen. Hat seine Fanbase die Gewaltvorwürfe, die Beschimpfungen der eigenen Kinder und die Drogenverherrlichung vergessen? Kennen sie den „alten Mois” gar nicht? Oder haben sie ihm vergeben?
In Bezug auf das Vergessen zieht die pädagogische Leiterin des Vereins Wiener Jugendzentren, Merivan Kar, hier Parallelen zu anderen prominenten Fällen der Popkultur: „Man muss sich nur anschauen, wie kann es sein, dass Rammstein noch immer Hallen füllt?”. Till Lindemann, der Frontsänger der genannten Band, sieht sich mit schweren Vorwürfen sexualisierten Missbrauches und Gewalt konfrontiert. Und es gibt zig weitere solcher Beispiele.
Bei Mois komme erschwerend hinzu, dass viele seiner heutigen Fans zur Zeit der prominenten Skandale so jung waren, dass sie noch gar keine Smartphones hatten und diese Videos womöglich gar nicht kennen. „Teilweise können Kinder auch noch gar nicht so gut einordnen, was es bedeutet, wenn jemand andere Menschen bedroht, seine Ex-Partnerin schlägt oder sich nicht um seine Kinder kümmert”, sagt Kar. Andere Fans wiederum scheinen an seine Reue zu glauben und würden seine Geldgeschenke auf der Straße als eine Art Wiedergutmachung deuten.

Die Kommentarspalten auf TikTok bestätigen diese Einschätzung der Jugendarbeiterin. Dort wird Mois für seine angebliche Herzensgüte gefeiert und gelobt, dass er es aus seiner Abwärtsspirale geschafft habe. Fans schreiben, sie hätten ihren „alten Mois” wieder – der, der Kindern Geld schenkt und Bedürftigen unter die Arme greift.
Aber hat sich Mois wirklich verändert? Es gibt einige Hinweise, dass er mit seinen alten Werten nicht gebrochen hat. Welche das sind, liest und hörst du in Teil 2. Außerdem erzählen wir dir dort von einem Fall, der zeigt, wie Mois mit seiner immensen Reichweite eine regelrechte Online-Hasskampagne gegen einen Jugendlichen aus Wien losgetreten hat. Und wir gehen der wohl wichtigsten Frage nach: Was können wir konkret dagegen tun?
Hilfsangebote...
...für betroffene Frauen:
Frauenhelpline: 0800 222 555
Gewaltschutzzentren in den Bundesländern: 0800 700 217
Frauenhäuser in den Bundesländern
Beratungsstellen mit dem Schwerpunkt „Gewalt gegen Frauen und Kinder in der Familie“
Helpchat
Opfernotruf: 0800 112 112
TAMAR Beratungsstelle für misshandelte und sexuell missbrauchte Frauen, Mädchen und Kinder: 01/334 04 37
Kraftwerk gegen sexuelle Gewalt an Frauen mit Lernschwierigkeiten: 01/714 39 39
Anonyme Online-Beratung von Frauen beraten Frauen
Beratungstelefon für Gewalt im Alter: 0699 11 20 00 99
Hilfe bei Zwangsverheiratung: 01 728 97 25
Bund Autonome Frauenberatungsstellen bei sexueller Gewalt
Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel: 01/796 92 98
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... für Männer in Krisensituationen:
Männerberatungsstellen in Österreich: 0662 88 34 64
Männerberatung in Wien: 0800 400 777
Männernotruf: 0800 246 247
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Männerberatung in Wien: 0800 400 777
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Im Audio wurden folgende Quellen zitiert:
TikTok:
moiszet: Kirsch Kuchen in einem Bissen mit Mois #moiszet
moiszet: (no title)
moiszet: Über 25.000 Abonnenten in 24 Stunden: Einkaufsspaß!
moiszet: Mois Statement zum Comeback #fyp
moiszet: Weihnachtsüberraschung für 350.000 Abonnenten
moiszet: Mois Comeback heilt alte Wunden #fyp #viral
moiszet: 400.000 Abonnenten erreicht – Surprises und Spaß mit Mois
moiszet: (no title)
moiszet: Emotionaler Familienbesuch und Überraschungen im Krankenhaus
moiszet: Moiszet meaning and search guide
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moiszet: (no title)
YouTube:
DE-BACKUP: MOIS RASTET AUS JALUCE INTERVIEW | REUPLOAD
Anis & Mois - Dr0hungen & G3w4lt - Eine komplette Einordnung
Weitere Sprecherinnen und Sprecher: Katharina Darya Ressl, Ingo Hasewend
Audioproduktion, Sounddesign, Mixing und Mastering: Patrik Haas
