Sommer, Sonne, Sonnenfinsternis
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Eine Sonnenfinsternis in Österreich. Ein Spektakel, das dazu anregt, über den Stern nachzudenken, der unser aller Leben erst ermöglicht.

Heute Abend, kurz vor Sonnenuntergang, schiebt sich von Spanien bis Island der Mond vor die Sonne – eine partielle Sonnenfinsternis. Ein guter Anlass, kurz an das zu erinnern, das im Alltag oft untergeht: Ohne die Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. Trotzdem behandeln wir sie oft wie eine Kulisse – schließlich geht sie ja zuverlässig auf und wieder unter. Ihre Strahlen fühlen sich eigentlich immer gleich an.
Aber wie konstant strahlt sie eigentlich wirklich? Und wie viel Einfluss hat sie auf die Erde? Und wie kann es sein, dass Sonnenstürme schon Telegraphenmasten zum Funken sprühen gebracht haben?
Das frage ich Christian Möstl vom Austrian Space Weather Office bei GeoSphere Austria. Er leitet die Abteilung des Weltraumwetter-Büros. Denn ja, Weltraumwetter gibt es wirklich und es könnte sogar noch wichtiger werden, falls wir tatsächlich irgendwann vorhätten, zum Mars zu fliegen. Aber hör gerne selbst in unser Gespräch.

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:
Die Sonne strahlt extrem konstant. Über den elfjährigen Sonnenzyklus schwankt ihre Strahlungsleistung so minimal, dass sich die globale Erdtemperatur dadurch um gerade einmal 0,1 Grad ändert. Für Möstl ist klar: Das Klimasystem ist gut erforscht, der Sonnen(schwankungs-)anteil daran verschwindend klein.
Auch die „Kleine Eiszeit“ im 17. Jahrhundert war wohl kein Sonnen-Effekt. Lange dachte man, die kühlere Periode in Europa hänge mit einer besonders sonnenfleckenarmen Phase zusammen. Heute geht man eher von einer zufälligen Korrelation aus
Mit unserer Sonne haben wir Glück gehabt. Andere Sterne schwanken viel stärker in ihrer Strahlung. Nur ein Stern wie die Sonne ermöglicht (mit anderen günstigen Zufällen) Leben auf der Erde.
Der stärkste bekannte Sonnensturm traf die Erde 1859: Telegrafenmasten sprühten Funken, Wälder brannten. Ein ähnlich starkes Ereignis hat 1921 in New York den Zugverkehr lahmgelegt. 1989 sorgte ein schwächerer Sturm für einen großflächigen Stromausfall in Kanada. Möstl hält es für möglich, dass künftige Stürme diese Rekorde sogar übertreffen. Wenn mehrere Faktoren, ähnlich wie bei einem „perfekten“ Hurrikan, ungünstig zusammentreffen.
Was die Forschung noch nicht versteht: Warum der Sonnenzyklus genau elf Jahre dauert, und wie Sonnenstürme in der Sonne genau entstehen. Christian Möstl vergleicht das mit Erdbeben – man sieht das Ergebnis, aber nicht, was darunter passiert ist. Neue Weltraummissionen (z.B. von ESA und NASA) sollen künftig helfen, Stürme früher und genauer zu erfassen.
Die Sonne ist für uns einerseits so selbstverständlich und trägt doch noch viele ungelöste Rätsel in sich. Heute Abend wird es einmal kurz finster – vielleicht ein guter Moment, um kurz innezuhalten und sich des Naturspektakels Sonne bewusst zu machen.
In diesem Sinn: einen schönen Nachmittag und eine spannende Sonnenfinsternis.
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Nico Knappe