Schwanken am Semmering: Die Besonderheit von Erdbeben in Österreich und was das für den Basistunnel bedeutet
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Der Boden hat vibriert, Möbel haben gewackelt und manche hat sogar ein lauter Knall aus dem Schlaf gerissen: Ein Erdbeben der Stärke 4,4 hat in der Nacht auf Freitag viele Menschen in Niederösterreich, der Steiermark und sogar bis nach Wien aufgeschreckt.
Das Epizentrum lag im Semmering-Wechsel-Gebiet, nahe Gloggnitz. Bei der GeoSphere Austria sind seither hunderte Meldungen aus der Bevölkerung eingegangen. Außerdem wurden bereits erste leichte Schäden wie Risse im Verputz oder ein Steinschlag gemeldet. Auch JETZT-Mitglied Martin hat uns berichtet, dass ihn seine Mitarbeiter am Semmeringer Basistunnel über das Erdbeben heute Nacht informiert haben.
Österreich ist ja nicht gerade bekannt für viele Erdbeben. Deshalb stellt sich die Frage, wie man so ein Beben eigentlich einordnen kann. Muss die Region in den nächsten Tagen mit spürbaren Nachbeben rechnen? Was bedeutet das für Großbaustellen wie den Semmering-Basistunnel? Und wie verhält man sich im Ernstfall eigentlich richtig?
Darüber spreche ich mit Helmut Hausmann. Er ist Seismologe und arbeitet beim Erdbebendienst der GeoSphere Austria.
Die wichtigsten Erkenntnisse des Gesprächs:
Das Erdbeben ereignete sich um 1:59 Uhr im Bereich des Semmerings mit einer Magnitude von 4,4 in einer relativ seichten Tiefe von 4 bis 5 km. Dadurch war es lokal spürbar, die Fühlbarkeit nahm jedoch mit der Distanz rasch ab.
Das Ereignis ist vergleichbar mit einem Beben vor zwei Jahren (Februar 2024, Magnitude 4,5). Bislang wurden vor allem leichte Schäden wie Risse im Verputz von Häusern und ein Steinschlag gemeldet - schwere Gebäudeschäden gab es nicht.
In den nächsten ein bis zwei Wochen ist mit weiteren Nachbeben zu rechnen. Deren Stärke und Häufigkeit nehmen mit der Zeit ab, ganz ausschließen lassen sich stärkere Beben aber nie.
Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind für die Wissenschaft sehr wichtig. Das Messnetz allein bietet keine feine räumliche Auflösung (bspw. auf Ortsteilebene). Erst die Meldungen helfen dabei, die genauen Auswirkungen und Schadensmuster feststellen zu können.
Für Großprojekte wie den Semmering-Basistunnel besteht kein erhöhtes Risiko. Die Region ist ohnehin als erdbebengefährdet eingestuft und entsprechende bauliche Sicherheitsstandards müssen strengstens eingehalten werden. Dazu kommt, dass die Erschütterungen im Tunnel selbst im Vergleich zur Erdoberfläche meist deutlich geringer ausfallen.
Auf der Website der GeoSphere Austria findest du wichtige Informationen zu Erdbeben und wie du dich im Ernstfall verhalten sollst!
Das Erdbeben hat viele Menschen aufgeschreckt. In Österreich kommen Erdbeben zum Glück nicht so häufig vor. Falls du das Erdbeben heute Nacht gespürt hast oder du vielleicht in der Vergangenheit ein Erdbeben miterlebt hast, teil eine Erfahrungen gern in den Kommentaren. Vielleicht helfen sie ja einem anderen Menschen beim nächsten Erdbeben.
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Simon Altorff