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Innsbruck, am vergangenen Freitag. Der Verein Junge Talstation hat zu Musik und Getränken eingeladen – und das bei freiem Eintritt. Eigentlich das Rezept für ein gut besuchtes Event. Trotzdem ist heute wenig los. Das mag einerseits am stürmischen Wetter liegen – der Hauptgrund ist aber wahrscheinlich, dass kaum jemand die Veranstaltungslocation kennt. Denn obwohl das sogenannte „Kulturplateau” beim PEMA2-Gebäude in zentralster Lage in Innsbruck liegt und für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollte, verwaist der Ort seit Jahren. „Ich war noch nie da, weil ich nicht wusste, dass das ein öffentlicher Raum ist”, erklärt mir eine Besucherin. In Innsbruck ist ein leer stehender Ort, den die Kulturszene gerne nutzen würde, keine Seltenheit. Denn obwohl Innsbruck eher für Skifahren, das goldene Dachl oder die Universität bekannt ist, gibt es in der Stadt eine unerwartet große Subkulturszene – die sich seit 70 Jahren mit konservativeren Kräften anlegt – und dafür sogar einen Klavierflügel auf über 2.000 Höhenmeter trug. Aber dazu später mehr. Erstmal zurück zum Kulturplateau.
Die Freifläche am Kulturplateau bietet Blick auf die Nordkette und liegt direkt beim Bahnhof. Trotzdem ist sie fast immer leer. (Fotos: JETZT)
Die Freifläche am Kulturplateau bietet Blick auf die Nordkette und liegt direkt beim Bahnhof. Trotzdem ist sie fast immer leer. (Fotos: JETZT)
Die Freifläche am Kulturplateau bietet Blick auf die Nordkette und liegt direkt beim Bahnhof. Trotzdem ist sie fast immer leer. (Fotos: JETZT)
Auf dem Areal ist ein großer asphaltierter Platz über der Stadtbibliothek. Auf der Dachterasse kommen ein Anbau für Gastronomie und ein 120 Quadratmeter großer Kulturraum dazu, der für Kunst gedacht ist. Alles in allem ein Areal mit 870 Quadratmeter Fläche – und das in bester Lage in Innsbruck. Vom Plateau aus sieht man auf die Gleise des Hauptbahnhofs – auf der anderen Seite ist der Verkehrsknotenpunkt Sillpark. Und das in einer Stadt, in der jeder Quadratmeter wertvoll ist, weil im Norden wie im Süden hohe Berge den Siedlungsraum begrenzen. Nur 21 Prozent der Fläche sind besiedelbar, in ganz Tirol sind es 12 Prozent. Das Kulturplateau müsste rein logisch ein absoluter Hotspot sein – zentral gelegen, Gastronomie und Kunst.
Und hier kommt das große Aber. Denn die Räume für Gastronomie stehen ebenso leer, wie der Kulturraum, der der Stadt eigentlich zur Verfügung stehen würde. Und viele Einheimische kennen das Kulturplateau gar nicht: „Das PEMA-Gebäude in Innsbruck kennt man, aber ich hab nicht gewusst, dass man da irgendwas machen kann außer wohnen.”, erklärt eine junge Frau.
Denn über dem Kulturplateau ragt das PEMA2-Gebäude mit mehr als zehn Stöcken in den Himmel. 172 Wohnungen stecken hinter der modernen Glasfront. Dass das Gebäude vom Immobilienunternehmen Pema Holding überhaupt gebaut werden konnte, ist erst durch den Innsbrucker Gemeinderat 2015 möglich geworden, der das Großprojekt per Flächenwidmungsplan und Bebauungsplan ermöglicht hat. Für die allgemeine Bevölkerung sollte das Projekt Mehrwert haben – eben durch das Kultur Plateau inklusive Kulturraum und Gastronomie. Seit acht Jahren steht das Areal – aber weder Gastronomie noch Kultur finden sich dauerhaft dort. Die Einheit für Gastronomie steht im Rohbau da, der Kulturraum ebenso. Dazu kommt, dass es seit einigen Jahren große Metalltore an beiden Zugängen gibt, die das Betreten der gesamten Fläche unmöglich machen.

Angebracht wurden diese Tore um das Areal nachts zu sperren, nachdem es zu Vandalenakten gekommen sei, wie die Tiroler Tageszeitung berichtet. Dass die massiven Tore des Kulturplateaus aber auch den Großteil der angeschriebenen Öffnungszeiten verschlossen bleiben, wirft Fragen auf. Mehrfache Besuche zu den vermeintlichen Öffnungszeiten und Berichte von Anwohnern bestätigen das. „Ich habe gehört, dass es eigentlich eine öffentliche Fläche ist, aber da passiert ja nichts.”
Im Gemeinderat herrscht zwar übergreifende Unzufriedenheit in der Causa, die Verantwortung sieht man dort aber bei der PEMA Holding. Die wiederum beruft sich der Tiroler Tageszeitung gegenüber darauf, dass die Fläche wegen der Vandalen eben gesperrt werden müsse. Fakt ist auf jeden Fall: Eine große Fläche in bester Lage, die für die Öffentlichkeit nutzbar sein sollte, ist zum großen Teil unbenutzbar. Einerseits weil das Angebot fehlt, andererseits, weil die Tore auch während der offiziellen Öffnungszeiten tagsüber nur selten wirklich offen sind.
Die Situation am Kulturplateau zeigt exemplarisch, wie umkämpft das Thema öffentlicher Raum, Kultur und Subkultur in Innsbruck ist. Denn seit jeher steht dabei auch immer die Frage im Raum: Was ist Kultur – was soll gefördert werden – und für welche Art von Kultur will sich die Stadt stark machen? Um zu verstehen, wie es zum Innsbrucker Kampf der Kulturen gekommen ist, machen wir einen Zeitsprung in die Nachkriegszeit.

Wie die Franzosen den Jazz in Tirol bekannt machten
Tirol hatte mit Kriegsende viele Jahre nationalsozialistischer Indoktrination hinter sich, die sich auch tief in Kultur und Musik eingeprägt hatten. Jazz oder Swing galten als „entartete Musik”. Dass die französischen Besatzer also extra Jazz in ihren Offizierscasinos spielten, kann auch als Zeichen gesehen werden. Die französische Besatzungsmacht betrieb besonders zu Anfang eine auffallend weltoffene Kulturpolitik. Bereits 1946 wurde das Französische Kulturinstitut Innsbruck gegründet, das Sprachkurse anbot und über 10.000 Bücher verfügte.
„Jazz war ein ganz wichtiger Faktor, es gab viele Jazzabende”, erklärt Maurice Kumar. Er ist einer der Gründer des Innsbrucker Subarchivs, das seit 2014 die Subkulturgeschichte der Stadt aufbereitet und archiviert. 1950 startet dann eine Kulturreihe, die über die Jahre bekannte Persönlichkeiten nach Innsbruck brachte. Die Jugendkulturwochen waren der Versuch österreichweit Menschen aus Kunst, Musik und Literatur einen Raum zu geben. „Die Idee war, progressive Kultur oder ein neueres Innsbruck zu ermöglichen. Vor allem der Jugend ein Sprachrohr zu geben, die ja wegen dem Krieg keine Jugend hatte.”
Damals wurde experimentelles Theater gespielt, Hörspiel und junge Kunst waren vertreten und über 20 Jahre wurde daraus eine Plattform, auf der sich die österreichische und bald auch die internationale Avantgarde traf. In Innsbruck trafen zum Beispiel Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger, H.C. Artmann oder Thomas Bernhard auf. Konservative und progressive Kräfte liegen dabei permanent im Clinch, was zu Tumulten führt. 1969 eskaliert es: Die junge Elfriede Jelinek erhält in Innsbruck ihren ersten Literaturpreis. Die österreichischen Medien verteufeln den Text allerdings als pornografisch und mutmaßen, dass er „unter Drogen” geschrieben worden sein muss. Im selben Jahr kommt es zu einer Protestaktion einer Gruppe von jungen Teilnehmenden. Dieser „Skandal” wird als Grund vorgeschoben, um die Reihe zu beenden. Eine 21. Ausgabe war geplant – stattgefunden hat sie nie.
2014 hatten Albi Dornauer und Maurice Kumar eine Idee: Ein Rechercheprojekt zur Alternativ-, Sub- und Gegenkultur Innsbrucks, mit dem Ziel, ein Onlinearchiv aufzubauen. Daraus entstand das Subarchiv (ehemals Subkulturarchiv), das Daten und Berichte, aber auch Gegenstände und Dinge aus der Subkultur beeinhaltet. Darunter zum Beispiel Flyer, Plakate, Fotos, Magazine, Platten, Tapes, CDs oder Videokassetten, aber auch Bücher oder Schilder. Und sogar das Leuchtschild des ehemaligen Veranstaltungszentrums Weekender befindet sich im Archiv. Mehr Informationen und Berichte: https://subarchiv.org/

1969 kommt auch Henner Kröper als Student aus Deutschland nach Innsbruck und entdeckt als glühender Jazzfreund den Uptown Jazz-Salon. Die französischen Besatzer hatten Tiroler Jazzpioniere auf ihren Weg geleitet. Darunter zum Beispiel Oskar Klein, Joschi Binder, Günther Pollak oder Werner Pirchner. Im Kulturbericht 2011 aus Tirol und Südtirol erinnert sich Kröper an die Zeit:
„Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass es schon vor diesem Datum in Innsbruck und auch in anderen Orten Tirols solche für den damaligen offiziellen Zeitgeist fast unanständige Lokalitäten, in denen sich junge Musiker ihre Ohren freispielten und ein danach gieriges Publikum sich akustisch vollsog, gab. Die Möglichkeit, ohne Worte, nur mit Tönen gegen die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen zu protestieren (wie auch heute), war oft die halbe Freude.”
Den ersten Jazzclub Westösterreichs gab es in Schwaz bei Innsbruck. In einem Kohlenkeller wurde 1959 das „Studio 12“ eröffnet. „Die Größen wie Chick Corea und Gary Burton waren alle bei uns“, sagt der Schwazer Gert Chesi. Und in Schwaz sollte 1975 eine der wohl kuriosesten Aktionen der Subkultur in Tirol geschehen. Die Schwazer Szene organisiert im September ein einmonatiges Festival, den „Schwazer September“. Zu Gast ist zum Beispiel Wolfgang Ambros, der gerade Bekanntheit erlangt.
Spektakulärer Höhepunkt des Festivals soll ein Gipfelkonzert hoch in den Bergen des Tiroler Unterlands sein. Eigentlich wollte man den Klavierflügel mit einem Hubschrauber auf über 2.000 Meter fliegen – die Erlaubnis dafür wird aber nicht erteilt. Der Alpenverein findet die Veranstaltung generell gar nicht lustig und will sie verbieten. Die Bergruhe sei dadurch gestört. Die Veranstalter greifen zu einem Trick: Mit Werbeplakaten machen sie auf das Klavierkonzert am Berg aufmerksam. Darauf angegeben ist allerdings die Lamsenspitze und nicht die Rofanspitze, auf der das Konzert wirklich stattfand. Das Ablenkungsmanöver geht auf: Am Konzerttag warten die Gegner der Aktion vergeblich am falschen Berg, während eine kleine Gruppe Männer den Flügel in Einzelteile zerlegt und auf den Gipfel trägt. Mit dabei Gert Chesi, der mittlerweile 86 Jahre alt ist und den ich am Telefon zwischen zwei Terminen erwische. „In meiner Jugend habe ich an einem übertriebenen Selbstbewusstsein gelitten. Damals haben wir Sachen gemacht, die prinzipiell angefeindet wurden von der Stadt.“ Eine davon das Gipfelkonzert. Als die Gruppe aber oben ankommt, fällt plötzlich auf, dass sie den Klavierhocker vergessen haben. Daraufhin opfert sich einer der Mitstreiter, der den Jazzpianisten auf den Knien seinen Rücken zum Sitzen bietet.

Nach diesem geglückten Coup, der auch von einem prominenten Bergsteiger mit Filmkamera begleitet wurde, hatte die Schwazer Subkulturszene neues Selbstbewusstsein. Chesi sagt: „Es war eine Aufbruchsstimmung, weil wir große Teile der Jugend auf unserer Seite hatten.“
Ist Innsbruck eine Hafenstadt?
In den Achtzigern verändert sich die Tiroler – und vor allem Innsbrucker – Szene noch einmal stark. Sie sei nun sehr stark von Punk beeinflusst gewesen, sagt Kumar, von der autonomen Jugendzentrumsbewegung und der autonomen Bewegung überhaupt.
Zur nächsten Wende kommt es in der letzten Dekade des Jahrtausends. Bis dahin, so Kumar, habe es sehr starke Ablehnung gegenüber all diesen Orten gegeben, auch vonseiten der Stadt Innsbruck.
„Gerade der Haven zum Beispiel – es hat wirklich Kampagnen gegeben, damals unter Romuald Niescher, dass es solche Orte nicht geben darf. Sie dürfen nicht entstehen. Angst vor anarchistischen Zellen, die sozusagen die Stadt Innsbruck bedrohen.”
Der Haven, von dem Kumar hier spricht, war ein Wohn- und Kulturprojekt auf einem ehemaligen Sägewerksgelände am Innrain, zwischen Autobahn und Inn. Innerhalb von vier Jahren fanden dort über 600 Veranstaltungen statt – rund 400 Konzerte, etwa 60 Kinoabende. Der Haven wird eines der wichtigsten Subkulturzentren Österreichs. Kooperiert wird zum Beispiel mit dem Wiener EKH, der Arena, dem FLEX, der Linzer KAPU und dem damals noch bestehenden Veranstaltungszentrum Kanal im oberösterreichischen Schwertberg. Nicht allen gefällt das. Der Wahlkampfslogan der ÖVP dazu lautet: „Innsbruck darf nicht Hafenstadt werden.“ Im Oktober 1993 wird das Gelände geräumt.

Sechs Jahre später, 1999, macht der Kulturverein Grauzone mit einer Formel auf sich aufmerksam: Innsbruck darf nicht Klagenfurt werden. Gemeint sind damit die Verhältnisse in Kärnten, wo damals Jörg Haider an der Macht ist. Die Angst der Szene ist also nicht mehr nur, keine Räume zu bekommen, sondern in einer Stadt zu leben, in der sich das politische Klima grundlegend gegen sie dreht. Anfang der Zweitausenderjahre steht die freie Szene in Innsbruck fast ohne Räume da. Utopia und Cine Royal sind geschlossen, das Jugendzentrum MK zu, der Workstation-Keller vor dem Aus, das Treibhaus muss umbauen und dabei Besucherzahlen reduzieren.
Also wird mobilisiert. Es gibt Straßenparaden mit über 1.500 Menschen am Marktplatz. Transparente vom Stadtturm mit der Botschaft „Hoch der Subkultur”.
Ein neues Kulturzentrum soll her – die p.m.k. Doch dann stellt Bürgermeisterin Hilde Zach klar, dass es unter ihr im geplanten Dachgeschoss über der neuen M-Preis-Filiale in der Erzherzog-Eugen-Straße kein Kulturzentrum geben wird. Daraufhin wird eine leerstehende Halle besetzt. Diese Besetzung bringt österreichweite Aufmerksamkeit – und Hilde Zach reagiert – aber anders als von vielen erwartet. Sie kommt persönlich vorbei, nimmt die Anliegen zur Kenntnis und lässt die Polizei wieder abziehen. Der Jubel ist groß – es entsteht ein spontanes Fest. Die Band Massive Töne, zufällig auf der Durchreise in Innsbruck, hört über FM4 von der Besetzung und gibt kurzerhand ein Solidaritätskonzert vor Ort. Spätestens damit wird die Sache zum Kultevent. FM4 berichtet laufend und immer mehr Menschen kommen zur besetzten Halle. Am Ende wird sogar ein Statiker geholt, um die Tragfähigkeit der Decke im Obergeschoss zu berechnen, weil so viele Leute kommen.
In den Morgenstunden wird die Halle aber dann doch geräumt. Aber durch die Aufmerksamkeit, die diese turbulenten Tage erzeugt haben, ändert sich der Ton. Im Dezember 2002 sagt die Stadt Geld für ein Koordinationsbüro zu. Im Frühjahr 2003 beschließt der Gemeinderat eine Startsubvention. Im Juli 2003 mietet die p.m.k den freien Viaduktbogen
Zwanzig, wenige Wochen später kommt der Nachbarbogen Neunzehn dazu und wird zum Konzertraum umgebaut. Im Juli 2004 wird eröffnet.

Daraufhin entstehen auch viele klassische Clubs. Und die Stadt merkt zunehmend, dass ihr das auch etwas bringt. „Ab den Nuller-Jahren gibt es zunehmend Akzeptanz und bis jetzt ist es so, dass zunehmend erkannt wird, dass es hier auch um Wertschöpfung der Stadt geht“, sagt Maurice Kumar.
Womit wir in der Gegenwart sind. Zu der sagt Kumar: „Wir sind wieder in so einer Umbruchsphase – Sachen verschwinden, neue entstehen.“ Einer, der das aus eigener Erfahrung kennt, ist David Prieth. Er ist Geschäftsführer der p.m.k, also von dem Ort, der aus der Besetzung hervorgegangen ist. Er hat eine klare Meinung dazu, woran es in Innsbruck hakt:
„Innsbruck hat immer das Problem, dass es ein zu groß geratenes Dorf ist, das Bock hat, auf alpin-urban zu machen. Für das Alpine haben sie nie etwas geleistet, es ist einfach gelegen zwischen den Bergen. Und das Urbane halten sie ganz schlecht aus. Dann ist es laut, dann ist es spät. Gerade so etwas, wie es in den Bögen gibt – so etwas braucht es, um eine Stadt zu einer Stadt zu machen. Sonst kann man es einfach lassen und einen Fremdenverkehrsort machen.”
Damit wieder zum Kulturplateau am vergangenen Freitag. Hier sagt mir eine junge Frau: „Es ist schon schwierig – du wirst überall verschickt, wenn du zu „laut” bist. Ich finde, dass man zu streng mit uns ist. Wenn man uns direkt verscheucht, wenn man irgendwo sitzen mag. Dann bleibt man halt lieber doch daheim.“
Die große Frage bleibt am Ende: Ist das Kultur oder kann das weg? Warum sollte sich eine Stadt darum überhaupt kümmern? Und was ist Subkultur eigentlich? „Subkulturen sind natürlich eine Szene, die sich schon irgendwo abgrenzt von einem gewissen Mainstream und versucht, darin eigenen Deutungen zu folgen.” Für David Prieth ist das aber keine Nische, sondern demokratische Grundausstattung. Freie Kulturarbeit sei einer der wesentlichen Stützpfeiler dafür, Menschen begreiflich zu machen, was es heißt, Gesellschaft mitgestalten zu können. „Die Stadt sind wir alle. Und dahinter stehe ich hundertprozentig. Ich will in keiner Stadt leben, in der ich Passagier sein muss. Wenn ich da lebe, habe ich den Anspruch, dass es auch meine Stadt ist.” Und das gilt für Prieth auch für die, die selbst nie in einen Club gehen würden. Es gehe ihm nicht darum, nur die eigene Stammkundschaft bei Laune zu halten, sondern auch die zu überzeugen, die gar nicht kommen. „Auch die Oma aus dem Sellraintal muss es gut finden. Weil vielleicht ihre Nichte da hingeht, ihre Enkelin und so weiter. Und dass einfach das gute Leben für uns alle da ist.”
Was am Ende die gute oder richtige Kultur ist, ist wahrscheinlich für jeden und jede unterschiedlich. Subkultur ist indirekt natürlich oft auch abhängig von der Hochkultur oder dem sogenannten Mainstream, weil sie sich zu ihm positioniert und abgrenzt. Was die richtige oder falsche Kultur sein könnte, ist individuelle Ansichtssache und wird von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen ganz anders bewertet.
Noch einmal zurück zum Anfang, zurück auf das Kulturplateau beim PEMA2-Gebäude.
Die Geschichte der Subkultur in Innsbruck zeigt: Hier reiben sich die konservativeren und die alternativeren Gruppen seit Jahrzehnten aneinander. Fast wellenförmig erlebt die freie Kultur Hoch- und Tiefphasen. Maurice Kumar zieht ein Fazit: „Ich glaube, trotz allem passiert in Innsbruck sehr viel.“
Für die einen zu viel, für die anderen zu wenig. Ob und wie sich zum Beispiel das Kulturplateau beim PEMA 2 Gebäude entwickeln wird steht noch in den Sternen.
Audioproduktion und -mix: Wolfram Leitner
