B-Seite

31. Juli 2026

60.000 Menschen in 24 Stunden auf der Flucht - was bedeutet das für die Menschen und für Europa?


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Fehlende Perspektiven und Arbeitsplätze sind Gründe dafür, warum so viele junge Menschen keine Zukunft in Marocco sehen und die gefährliche Flucht nach Europa wagen. IMAGO / Europa Press

Tausende Menschen erreichen innerhalb weniger Stunden die spanische Exklave, zahlreiche verlieren dabei ihr Leben. Was steckt hinter dieser Entwicklung – und wie gut ist die Europäische Union auf solche Situationen vorbereitet?

Im Gespräch ordnet die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger die aktuellen Ereignisse ein.

Sie spricht über die Folgen von Pushbacks, die Grenzen einer reinen Abschottungspolitik und darüber, weshalb Migration nicht an Europas Außengrenzen beginnt, sondern ihre Ursachen in fehlenden Perspektiven, wirtschaftlicher Ungleichheit und den Folgen des Klimawandels hat.

Zahlreiche EU-Länder reagieren bereits auf die Ankunft der flüchtenden Menschen: Italien und Finnland etwa fordern den Ausschluss Spaniens aus dem Schengenraum, Frankreis verschärft seine Kontrollen an der Schengen- Binnengrenze zu Spanien.

Das Interview wurde am Freitag, den 31. Juli 2026 um 11:45 aufgezeichnet. Darum ist in der Audiospur die Rede von 49.000 Geflüchteten. Die Zahlen sind seither gestiegen.

Judith Kohlenberger forscht und lehrt am Institut für Sozialpolitik an der WU Wien zu Migration, Integration und Zugehörigkeit. Christian Lend

Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Ceuta ist der erste große Praxistest für die neuen EU-Asylregeln.
    Die aktuellen Ereignisse zeigen erstmals, ob die erst kürzlich beschlossenen EU-Asylregeln tatsächlich funktionieren. Entscheidend wird sein, ob der vorgesehene Solidaritätsmechanismus greift und andere Mitgliedstaaten Spanien bei der Aufnahme und Versorgung unterstützen.

  • Abschottung verhindert Migration nicht – sie macht sie gefährlicher.
    Kohlenberger betont, dass strengere Grenzkontrollen und fehlende legale Zugangswege Menschen nicht von der Flucht abhalten. Stattdessen steigen die Risiken für Menschen auf der Flucht.

  • Nachhaltige Lösungen müssen die Ursachen von Flucht und Migration angehen.
    Arbeitslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven, wirtschaftliche Ungleichheit und die Folgen des Klimawandels treiben Menschen zur Migration. Wer langfristig Krisen wie jene in Ceuta verhindern will, muss deshalb über Grenzpolitik hinausdenken und auch Entwicklungs-, Handels- und Klimapolitik einbeziehen.


Was muss die Politik tun, um solche Todesfälle zu verhindern und sicherere Bedingungen zu schaffen? Schreib es in die Kommentare!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Verena Bauer

B-Seite-Team