B-Seite

12. Mai 2026

Der Irankrieg hat zur größten Energiekrise aller Zeiten geführt. Ist das die Chance auf mehr Nachhaltigkeit?


wieder zeigt sich, wie unzuverlässig fossile Energieträger sind, sagt Klimaökonom Karl Steininger. Damit aus der Herausforderung eine Chance wird, braucht es klarere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft.

Um ausreichend Strom aus erneuerbarer Energie zur Verfügung zu haben, muss Österreich seine Windkraft ausbauen, ist der Befund der Internationalen Energieagentur (IEA). (Foto: APA-Images / APA / HELMUT FOHRINGER)

Die Internationale Energieagentur (IEA) sagt, Österreich ist beim Ausbau der Erneuerbaren gut unterwegs. 2024 lagen wir beim Erneuerbaren-Anteil im Stromverbrauch sogar an der EU-Spitze – mit 90 Prozent. Wir müssten allerdings darauf achten, dass nicht weiter die Lücke wächst zwischen dem, was wir uns vornehmen, und dem, was wir umsetzen, mahnt die IEA. Dafür sprechen auch die aktuellsten Zahlen. Der jüngste Clean Power Progress Index des Energiedatenanbieters Montel zeigt: 2025 ist die CO₂-freie Stromerzeugung in Österreich zurückgegangen– am stärksten im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern, die im Bericht vorkommen. Durch die Trockenheit wurde weniger Strom aus Wasserkraft erzeugt und stattdessen mit Gas kompensiert. Als Hoffnung – vor allem im sonnenarmen Winter – gilt die Windkraft. Die muss Österreich laut IEA massiv ausbauen und dafür sorgen, dass die Genehmigungsverfahren schneller werden.

Kann die aktuelle Rohstoff- und Wirtschaftskrise eine Chance dafür sein, dass wir Ressourcen künftig effizienter nutzen und die Energiewende beschleunigt wird?

IEA-Chef Fatih Birol meint: Ja. Es wird eine technologische Transformation ausgelöst und Elektromobilität sowie Energieeffizienz werden steigen.

Ich habe dazu mit dem Klimaökonomen Karl Steininger von der Universität Graz gesprochen. Er leitet das Wegener Center für Klima und globalen Wandel, forscht zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels und dazu, wie wir die Transformation zu einer ausgeglichenen Klimabilanz schaffen können. Auf die sogenannte ökologische Ökonomik ist er nach seinem Studium gekommen, als 1990 der erste Bericht des Weltklimarats herausgekommen ist. Die ökologische Ökonomik geht davon aus, dass die Wirtschaft in die größeren Systeme Gesellschaft und Biosphäre eingebettet ist und deshalb gewisse unüberwindliche Wachstumsgrenzen hat.

(Foto: Furgler)

Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Für die Umsetzung von Klimazielen fehlen bisher noch politische Rahmenbedingungen, auf die sich die Wirtschaft verlassen kann. Die aktuelle Krise könnte Anlass sein, diese zu schaffen.
  • Wir haben in Österreich vier Strategien, die sich teils überlappen: der österreichische nationale Infrastrukturplan, die Carbon Management Strategie, die Kreislaufwirtschaftsstrategie und die Wasserstoffstrategie. Es wäre nötig, dass sich die Kernakteure aus der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft zusammensetzen und aus diesen Strategien einen konkreten Vorhabensplan ableiten.
  • Der Strombedarf steigt. Besonders jenen der Industrie abzudecken, wird künftig eine Herausforderung sein. Deshalb müssen wir uns um Systemeffizienz bemühen, etwa durch entsprechende Raumplanung, indem wir Rahmenbedingungen schaffen, unter denen die motorisierte Mobilität abnimmt, und auch dadurch, dass Gebäude saniert und die Eigenstromversorgung verbessert wird.

Ich bin gespannt auf deine Ansichten!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team