ORF-Generaldirektor Clemens Pig hat sein Führungsteam gefunden. Was es für die Zukunft des ORF bedeutet
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Clemens Pig galt als Partei-Kandidat der ÖVP. Nach seiner Wahl bemüht er sich, dieses Image abzuschütteln. Seine Nominierungen für die ORF-Direktionen sind ein klares Signal, sagt Medienjournalist Peter Plaikner.

Mit Clemens Pig ist am 11. Juni ein Kandidat zum ORF-Generaldirektor gewählt worden, der als ÖVP-Favorit gegolten hat. Seine Wahl war keine Überraschung und für Kritiker und Kritikerinnen ein Zeichen dafür, dass es im größten Medienunternehmen des Landes weitergeht wie bisher – mit politischem Einfluss. Pig hat immer betont, keinerlei Zusage von irgendeiner Partei oder Stiftungsräten gehabt zu haben und kein Parteikandidat zu sein. Als nächster Test dafür, ob ein System- und Kurswechsel im ORF ansteht, gilt die Besetzung der Direktionsposten. Es geht um 13 Stellen: vier für verschiedene Aufgabenbereiche in der Zentrale am Küniglberg und neun in den Landesstudios. Clemens Pig hatte einen transparenten Bewerbungsprozess versprochen. Seit Dienstag sind die Vorschläge bekannt. Am 11. August sollen die neuen Direktoren und Direktorinnen vom Stiftungsrat bestellt werden – für die Jahre 2027 bis 2031.
Wer sind die Kandidaten und Kandidatinnen und zeichnet sich mit ihnen der Systemwechsel ab, den viele nach den tumultuösen Monaten für den ORF fordern?
Darüber spreche ich mit Peter Plaikner. Der Medien- und Politikberater war jahrelang als Journalist und Chefredakteur bei Tageszeitungen der Tiroler Moser Holding tätig. Als Medienjournalist und Kolumnist beobachtet und analysiert er die Entwicklungen in der österreichischen Medienlandschaft.

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:
- Mit den 13 Kandidaten und Kandidatinnen, die Clemens Pig vorschlägt, kann er den Anschein, Parteikandidat zu sein, abschütteln. Besonders mit den Besetzungen auf dem Küniglberg setzt er ein deutliches politisches Signal – für Professionalität und Widerstandsfähigkeit gegen politische Eingriffe, auch von einer möglichen künftigen ORF-feindlichen FPÖ-Regierung. In den Bundesländern setzt er auf Kontinuität und strebt nur dort Personalveränderungen an, wo es nötig ist – wegen Pensionierungen oder Ungereimtheiten. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird der Stiftungsrat die Vorschläge annehmen.
- Für das Bewerbungsverfahren wurde mehr Zeit eingeplant, als zuerst veranschlagt war. Um ein transparentes und objektives Verfahren abzusichern, hat sich Pig internationale Personalberater an die Seite geholt – auch, um keine Angriffsfläche für Beschwerden und Klagen zu bieten.
- Innerhalb des ORF herrscht Wohlwollen gegenüber den Direktoriumsvorschlägen. Man nimmt Clemens Pig ab, dass sie keine politische Schlagseite haben.
Ich freue mich auf einen spannenden Austausch – hoffentlich keine allzu hitzigen Debatten, denn heiß genug ist es so auch schon.
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Pia Miller-Aichholz