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29. April 2026

Zwei Drittel der Österreicher leben mit Lärm. Wie sich das geistig und körperlich auswirken kann


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besonders Verkehr ist eine Belastung. Schäden werden oft erst Jahre später sichtbar. Besser, es kommt nicht erst dazu. Schallforscher Bernhard Laback erklärt, wie wir uns schützen können.

Straßenverkehr ist die größte Lärmquelle in Österreich. Besonders laut sind Motorräder und Mopeds. (Foto: IMAGO / Gottfried Czepluch)

Fast zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung sind am Wohnort durch Lärm belastet. Das zeigen Zahlen der Statistik Austria. Da geht es nicht vorrangig darum, dass gelegentlich in der Nachbarschaft mit ordentlich Bass gefeiert wird, Hunde bellen, Kinder schreien oder mitten in der Nacht laut ferngesehen wird. Der Großteil der Lärmbelastung geht vom Verkehr aus, sagt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Lärm ist nicht nur störend, er schadet uns nachweislich. Darauf macht heute der Internationale Tag gegen Lärm aufmerksam. Er findet seit 1996 immer am letzten Mittwoch im April statt.

Welche Auswirkungen hat Lärm auf uns und wie können wir uns dagegen schützen?

Dazu habe ich mit Bernhard Laback gesprochen. Er forscht an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am Institut für Schallforschung. Sein primäres Forschungsgebiet sind Hörimplantate, aber deshalb setzt er sich auch mit Lärm auseinander. Wie du vielleicht weißt, ist es für Menschen mit Hörhilfen nämlich umso schwerer, Gespräche zu verstehen, je mehr Lärm es um sie herum gibt.

Lärm beim Schlafen, versetzt unser Gehirn in Alarmbereitschaft. Das kann langfristig zu Herz-Kreislauf-Problemen führen, sagt Schallforscher Bernhard Laback. (Foto: ÖAW/ Schedl)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Lärm ist per Definition unerwünschter Schall. Was wir als Lärm empfinden, kann sehr situationsabhängig und subjektiv sein. Aber es gibt bestimmte Grenzen, die ganz objektiv nicht überschritten werden sollten.
  • Noch vor ein paar Jahrzehnten war der Berufslärm die belastendste Lärmquelle, mittlerweile ist es der Verkehrslärm – dank Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz.
  • Auch Schallquellen, denen wir uns freiwillig aussetzen, können Schaden anrichten. Wenn wir zu lange zu laut Musik hören, kann das unser Innenohr nachhaltig schädigen. Meist treten diese Schäden allerdings erst verzögert auf. Die temporäre Taubheit nach einem Konzert oder einer Party ist ein Anzeichen dafür, dass es zu laut war.
  • Apropos laute Musik: Kommen zu lauter Musik noch Schlafmangel und Alkohol dazu, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass unser Gehör geschädigt wird. Denn Alkohol und Schlafmangel führen zu Sauerstoffmangel. Die äußeren Haarzellen im Innenohr brauchen aber ausreichend Nährstoffe und Sauerstoff, um ihre Aufgabe ordentlich zu erfüllen: die mechanische Bewegung der Schallwelle umzusetzen.
  • Sind wir in der Nacht, wenn wir eigentlich ruhen sollten, Schall ausgesetzt, schaltet unser Gehirn nicht ab. Das erhöht langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Lärm ausgesetzt zu sein, senkt die Konzentrations- und Lernfähigkeit.
  • Auf individueller Ebene kann man sich gegen Lärm schützen durch bessere Verglasung, dadurch, dass man Kopfhörer in moderater Lautstärke nutzt und bei Konzerten und Partys Ohrenschutz trägt. Wenn der Partner oder die Partnerin schnarcht, helfen Ohrstöpsel oder getrennte Schlafzimmer. Am Arbeitsplatz sollte man die Lärmschutzmaßnahmen in Anspruch und ernst nehmen. Jedenfalls sollte man sehr laute, knallartige Geräusche meiden – etwa in der Silvesternacht.
  • Auf struktureller Ebene können Geschwindigkeits- und Verkehrsreduktion zu weniger Lärmbelastung führen. Es gibt auch Straßenbeläge, die das Rollgeräusch von Reifen dämpfen. Auch Lärmschutzwände und entsprechende Raumplanung bei Lärm-Hotspots sind sinnvoll. Herr Laback plädiert außerdem dafür, die Lärmmessungen für Motorräder und Autos mit manipuliertem Auspuff zu verschärfen und zu laute Fahrzeuge mithilfe von Lärmradars aus dem Verkehr zu ziehen.

Das Institut für Schallforschung bietet heute in Wien noch bis 19 Uhr eine interaktive Informationsveranstaltung zum Tag gegen Lärm. Der Eintritt ist frei. Den Aktionstag wird es jedenfalls auch nächstes Jahr wieder geben.

Auf der Lärmkarte, die Herr Laback erwähnt hat, kannst du nachsehen, wie die Lärmbelastung an deinem Wohnort ist.


Ich habe mir nach diesem Gespräch vorgenommen, mir endlich Ohrstöpsel für Konzerte und Parties zu besorgen.

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team