All Eyes on Arktis Wie Russland vom tauenden Eis profitiert

Gold, Platin, Ergas und Öl. Die schmelzende Arktis macht heiß begehrte Ressourcen zugänglich. Vor allem aber werden Seewege befahrbar, die Russland Geld und enorme Macht bringen. Auch die Aufrüstung im hohen Norden nimmt zu – falls es zu einem Krieg zwischen den USA und Russland kommen sollte, könnte er genau hier beginnen.

All Eyes on Arktis Wie Russland vom tauenden Eis profitiert
Foto: Getty Images

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Treffen sich ein Eisbär und ein Tiroler in der Arktis. Klingt wie der Beginn von einem dieser mittelguten Witze – aber bei Andreas Gschwentner ist das Realität. Er lebt seit zwei Jahren auf 78 Grad Nord auf Svalbard, Spitzbergen. Von dort sind es nur noch 1300 Kilometer zum Nordpol. Andreas kommt aber eigentlich aus Tirol und war jahrelang Gletscherforscher in Österreich. Seit zwei Jahren lebt er in der Arktis und arbeitet dort als Expeditions- und Polarguide.

Andreas Gschwentner auf Svalbard/Spitzbergen. Das Hinweisschild und sein umgeschnalltes Gewehr lassen es erahnen: Die Eisbären sind in der Arktis ein essenzielles Thema. (Foto: Andreas Gschwentner)

Vor kurzem ist eines seiner Instagramvideos viral gegangen. Mehr als 400.000 Menschen haben Andreas dabei zugeschaut, wie er auf einem schmelzenden Gletscher steht. Ich hab gehört in Österreich schmelzen euch die Gletscher unter di Fiaß weg… Uns gehts genauso.” Vor seinen Füßen rauschen Wassermassen über das Gletschereis.

Dieses Video ist auch so erfolgreich, weil es die Menschen berührt – das kann man aus unzähligen Kommentaren herauslesen. Die Arktis – die im Mittelalter als Ende der Welt galt, die Seefahrer, Abenteurer und Forscherinnen angelockt hat und die so karg war, dass nur ein paar indigene Stämme dort lebten – diese Arktis schmilzt. Und das drei bis vier Mal schneller als der globale Durchschnitt. Das stellt dort nicht nur das Leben von Menschen und Tieren – wie dem Eisbären – völlig auf den Kopf, sondern eröffnet ganz neue Möglichkeiten für die acht Arktis-Staaten. Denn wenn das Eis weg ist, dann werden riesige Rohstoffbestände zugänglich. Und vielleicht noch wichtiger: Weniger Eis bedeutet auch mehr Platz für große Handelsschiffe. Der Welthandel mit Containerschiffen könnte schon bald zu einem großen Teil über die Arktis laufen. Mit einem großen Profiteur, der dadurch riesige geopolitische Macht dazugewinnen würde. Die Rede ist natürlich von Russland.

Die Arktis ist die Region um den Nordpol und über einer Breite von 66 Grad Nord. Insgesamt gibt es acht Arktis-Staaten: Dänemark (mit Grönland), Finnland, Island, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden, USA. (Grafik: CIA World Factbook / Wikimedia Commons)

Vergangenen Samstag waren alle Augen und Kameras auf den Hafen der südkoreanischen Stadt Busan gerichtet. Genauer gesagt auf die PanStar Acro, ein 212 Meter langes Containerschiff, also eines der mittelgroßen Kategorie. So weit, so gewöhnlich – vom Hafen Busan legen täglich mehr als 100 Schiffe ab.

Ungewöhnlich ist die Route, die das Schiff nimmt. Die Chemieprodukte und Gebrauchtwagen an Bord sollen nach Danzig in Polen. Um von Südkorea dorthin zu kommen, nehmen Frachter normalerweise den Weg über den Indischen Ozean, das Rote Meer und den Suezkanal, bevor sie einmal um Europa herumschippern. Nicht so die PanStar Acro. Sie ist nicht nach Süden gestartet, sondern fährt Richtung Norden, schnurstracks auf das Beringmeer zu. Genau deshalb steht sie so im Rampenlicht: Sie ist der erste südkoreanische Frachter, der über die Nordostpassage nach Europa kommen wird. In voraussichtlich nur 45 Tagen wird sie zurück in Busan sein – deutlich schneller als über die klassische Route. Beim Blick auf einen Globus ist auf den ersten Blick klar: Oben rum” ist kürzer.

Das Korea Institute for International Economy Policy hat ausgerechnet, dass über die Arktis 7000 Kilometer und damit zehn Tage auf See gespart werden. Das allererste Containerschiff ist schon 2018 durch die Arktis gefahren und auch ein chinesisches Containerschiff ist am 15. August in Richtung Europa gestartet. Der Klimawandel macht’s möglich. Denn eigentlich ist die Arktis in großen Teilen von meterdickem Eis bedeckt – zumindest den Großteil des Jahres. Jetzt im Spätsommer ist das Eis am dünnsten – monatelang scheint die Sonne Tag und Nacht aufs Eis.
Im Vergleich zu 1970 ist das arktische Meereis im Sommer um 40 Prozent zurückgegangen. Und dieser Trend beschleunigt sich noch. In wenigen Jahrzehnten wird die Route ganzjährig eisfrei sein, wie Birgit Bednar-Friedl vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Uni Graz sagt. Hier sind zwar große Investitionen notwendig, aber bis zum Ende des Jahrhunderts werden diese Routen ganz unproblematisch befahrbar sein.”

Wem gehört das Eis?

Auch wenn die Schiffe bald in Massen an Eisschollen vorbei durch scheinbar endlose, unbesiedelte Gebiete navigieren: Sie bewegen sich auf staatlichem Territorium. Denn anders als die Antarktis liegt die Arktis zum Großteil nicht auf dem Festland, sondern bildet einen Eispanzer auf dem Meer. Besiedelt ist es nur dünn. Neben indigenen Völkern leben zwei der vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der Arktis auf russischem Gebiet. Tatsächlich ist die Hälfte der arktischen Landfläche russisch.
Russland hat in der Arktis also eine extrem wichtige Rolle. Lange hat Putin diese Macht aber nicht ausgespielt, erklärt Peter Schweitzer von der Uni Wien. Er forscht seit Jahrzehnten zur Arktis, vor allem dazu, wie sich Transportwege und Infrastruktur durch die Klimaerwärmung verändern.

Als er in den 80er-Jahren begonnen hat, sich mit der Region zu befassen, war die Arktis klar zweigeteilt, sagt Schweitzer: den sowjetischen und den sogenannten westlichen Teil. In den 90er-Jahren habe sich das geändert. Über eine 30-jährige Periode sei die Idee einer One Arctic”, einer gemeinsamen Arktis, immer stärker geworden. In den 2010er-Jahren habe es Zeichen gegeben, die in eine andere Richtung gedeutet haben. Und 2022 sei man endgültig wieder zu einer geteilten Arktis zurückgefallen.

Dadurch, dass sich Donald Trump von der Nato distanziert hat und Fantasien um Grönland hegt, ist die westliche” Seite aber selbst uneins, wie Schweitzer erklärt. Zum Thema USA und Grönland hat mein Kollege Wolfgang einen Artikel geschrieben:

Als ich zum ersten Mal davon gehört habe, dass Trump Grönland will, da hab ich erstmal nicht verstanden warum. Ein Land mit nicht einmal 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern – kaum bewohnbar und abgelegen von den Machtzentren der Welt. Aber so skurril und irrational Trump oft ist, sein Interesse an Grönland ist nicht unbegründet: Grönland ist nicht nur für unsere nationale Sicherheit essenziell – sondern für die Sicherheit der ganzen Welt.” Das sagt JD Vance, Vizepräsident der USA. Und es stimmt: Grönland und die Arktis sind geopolitisch sehr wichtig. Der kürzeste Weg zwischen den USA und Russland führt über den Nordpol. Deswegen wird in der Arktis schon seit längerem wieder enorm aufgerüstet.

Russland hat sehr viel früher mit der Remilitarisierung begonnen. Spätestens seit der Annexion der Krim 2014. Bei den westlichen Ländern hat es bis 2022 gedauert, aber seitdem rüsten alle dort auf.”

Auf russischer Seite werden alte Stützpunkte aus der Sowjetzeit wiederhergestellt und ausgebaut. In der Nähe der Stadt Murmansk sind zwei Drittel der strategischen U-Boote stationiert. Die Kola-Halbinsel – direkt an der Grenze zu Finnland – gilt als eine der am stärksten militarisierten Regionen der Welt. Dort wird auch mehr als die Hälfte des russischen Nuklearwaffenarsenals vermutet. Insgesamt hat Russland 50 Eisbrecher und damit mehr als alle anderen Staaten zusammen. Darunter acht nuklearbetriebene – die haben einen Kernreaktor an Bord, können so also monatelang ohne Auftanken unterwegs sein und drei Meter dickes Eis durchbrechen. Bis 2030 will Russland die Flotte auf zehn bis 14 solcher Eisbrecher erweitern. Auch die Nato-Staaten rüsten auf und trainieren in der Region. Zuletzt im März dieses Jahr mit 30.000 Armeeangehörigen aus 14 Ländern.

Die Spannungen in der Arktis nehmen militärisch also zu. Der Arktis-Forscher Andreas Osthagen spricht davon, dass man sich bereits in einer Abwärtsspirale befände, die zwar nicht zwangsläufig zum Krieg führen müsse, aber die Spannungen verstärke. Die Arktis könnte aber auch der Platz für erste kleinere militärische Auseinandersetzungen sein, meint Peter Schweitzer: Ich glaube, dass sich die Arktis für Provokationen eignet, weil das Eskalationsrisiko geringer ist, als in dicht besiedelten Gebieten.” Und das könnte wiederum könnte ganz konkret Andreas Gschwentner auf Spitzbergen betreffen.

Die Leute sagen, der Krieg bricht jetzt aus, und du bist eh sicher, weil du bist am Ende der Welt. Dann sage ich: Ich glaube, das ist der Ort, wo der Krieg startet. Das sind die Routen. Wir wissen es nicht genau – aber natürlich ist das hier oben alles voller U-Boote.”

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Andreas Gschwentner arbeitet mit 20 anderen Guides aus aller Welt zusammen. Sie kommen zum Beispiel aus Deutschland, Amerika, Kanada, Irland und Italien. (Foto: Andreas Gschwentner)

Andreas ist einer von etwa 2.500 Menschen, die auf der Inselgruppe Spitzbergen leben. Er arbeitet als Expeditions- und Polarguide und dokumentiert auf Instagram eindrücklich, wie sein Alltag aussieht: Skifahren auf Gletschern, die bis ins Meer reichen. Mit Langlaufski oder Schneemobil mehrtägige Touren durch einsame Berge führen. Immer mit dabei und auf jedem Foto sichtbar: das Gewehr, das er umgeschnallt trägt. Mit Tourismus in den Alpen ist das nicht zu vergleichen. Sobald man die Stadt verlässt, muss man einfach eine Waffe mithaben.“

Denn die Arktis ist auch Lebensraum des Eisbären. Und der leidet wie viele andere Lebewesen massiv unter dem Klimawandel. Normalerweise ernährt sich der Eisbär nämlich hauptsächlich von Robben. Die kann er aber schlechter jagen, weil das Meereis fehlt. Deswegen weicht er mehr ins Landesinnere ab, wo er versucht Rentiere zu jagen. Und läuft damit auch dem Menschen über den Weg. Im Camp könnten deshalb nie alle gleichzeitig schlafen, erzählt Andreas. Es muss immer jemand Wache halten – egal wie dunkel es ist, man muss immer 360 Grad scannen.“ Wenn ein Bär kommt, muss gehandelt werden. Konkret heißt das: Andreas verscheucht ihn mit einer Signalpistole. Nur im Notfall wird scharf geschossen. Dieses Jahr mussten auf Spitzbergen schon zwei Eisbären getötet werden. Wenn Andreas und sein Team davon mitbekommen, ist das für alle sehr, sehr traurig.“

Beim richtigen, aufmerksamen Verhalten sollte die Schusswaffe nie zum Einsatz kommen müssen. (Foto: Andreas Gschwentner)

Aber die Eisbären sind nicht das einzige, was auf Spitzbergen für Spannungen sorgt. Denn die Inselgruppe gehört zwar zu Norwegen — trotzdem gibt es hier aber zwei kleine Siedlungen, die von Russland verwaltet werden. Pyramiden und Barentsburg. Diese zwei wirklich kleinen Orte haben aber eine umso größere politische Strahlkraft. Denn durch einen Spezialvertrag, der 1920 in Versailles aufgesetzt wurde, darf Russland dort Bergbau betreiben und die zwei Siedlungen verwalten – und in den vergangenen Jahren hat Russland die Orte auch immer wieder dazu genutzt, um zu provozieren, zum Beispiel mit Paraden auf offiziell norwegischem Grund. Die Situation ist paradox und im Alltag zeigt sich, dass an einem der abgelegensten Orte der Welt, Weltpolitik mit existenziellen Grundbedürfnissen verschwimmen.

Svalbard ist glaube ich der einzige Ort der Welt, an dem Europäer und Russen zusammenleben – und an dem die Russen ein Stück weit von den Europäern abhängig sind. Im Winter könnten Lebensmittellieferungen ausfallen, durch Seeeis oder schlechtes Wetter, wenn kein Flugzeug landen kann. Dann sind die russischen Orte auf Lieferungen aus Longyearbyen angewiesen. Und das passiert dann auch.” Ansonsten lebt jeder sein eigenes Leben: die Russen in den russischen Siedlungen, die Norweger und Europäer in Longyearbyen. Man rede wenig darüber, man sehe wenig.
Die Russen, die er getroffen hat, erlebt Andreas als offen und nicht Putin-treu. Im Gegenteil: Er glaubt, dass sich hier auch Russen aufhalten, die sich dem Krieg verweigern. Entsprechend offen ist seine Haltung zu den Menschen auf Spitzbergen. Egal, aus welchem Ort jemand kommt, egal, welche Hautfarbe: Wenn du ein Trottel bist, dann mag ich dich nicht. Wenn du nett bist, dann bin ich auch nett.” Gerade dort falle ihm das auf, weil es so international zugeht – es gebe überall Deppen und überall nette Leute.

In Barentsburg leben nicht viele Menschen. Dass es eine russische Siedlung auf norwegischem Boden gibt, ist nur durch den Spitzbergenvertrag von 1920 möglich. (Foto: IMAGO / News Licensing)

Und auch wenn die russischen Siedlungen aktuell nur dünn besiedelt sind – bald schon könnte in der Gegend einiges los sein. Dann nämlich, wenn die Nordostpassage, also der Schiffweg durch die Arktis, zuverlässig befahrbar ist. Den wenigen Menschen, die entlang der Passage leben, bringt das allerdings direkt wenig, die Schiffe halten auf ihrem Weg nach Europa nicht an und auch die Militarisierung hat für sie keinen großen Vorteil. Im Gegensatz zu Putin, der sich über die neuen Möglichkeiten freuen dürfte.

Wenn es so wäre, dass die ganze Welt nur durch den nördlichen Seeweg fährt, dann hätte Russland natürlich ein politisches Druckmittel in der Hand. Dann können sie sagen: Jetzt machen wir zu. Oder auf und zu. Aber im Moment geht es für Russland eher darum, möglichst viel anzulocken, um Einnahmen zu generieren.”, sagt Peter Schweitzer.

Vielleicht erinnerst du noch an den März 2021. Damals hat der 400 Meter-Frachter Ever Given den Suezkanal blockiert. Die Folgen für die Weltwirtschaft waren ein Verlust von 400 Millionen Dollar – pro Stunde. Da hat Russland wirklich Anzeigen geschaltet, so nach dem Motto, schaut her, wenn ihr nicht durch den Suezkanal kommt, dann kommt lieber zu uns”, sagt Peter Schweitzer. In den vergangenen 20 Jahren hat Russland immer stärker versucht, den Seeweg zu nationalisieren. Wer durchfahre, zahle, sagt Schweitzer. Vor allem die Eisbrecherbegleitung koste, dazu kämen diverse Gebühren – nicht immer sehr durchsichtig, wer warum wie viel zahlt. Aber alle zahlen bis zu einem gewissen Grad, und das ist ein Einkommen für die russische Föderation. Das ist gerade in Zeiten der Sanktionen durchaus relevant.“

Es ist wie beim Gas: Russland hätte mit der Nordostpassage einen großen Hebel, um Macht auszuüben. Und auch wenn China der größte Handelsexporteur der Welt ist und die Route für sich nutzen würde – Druck machen könnte Russland trotzdem. Es könnte etwa bestimmte Schiffe blockieren und damit gezielt Lieferketten und Wirtschaft abdrehen.

Der Seeweg über die Nordostpassage (rote Linie) ist um 30 bis 40 Prozent kürzer als der über den Suezkanal (grüne Linie). (Grafik: RosarioVanTulpe / NASA Worldwind / Wikimedia Commons)

Eine weitere Goldgrube tut sich für Russland außerdem durch die tauende Arktis auf, indem Ressourcen aller Art auf einmal zugänglich werden. Neben Gold, Nickel und Platin schlummern etwa 90 Milliarden Barrel Öl in der Arktis. Dazu kommt dann noch Gas – ungefähr 30 Prozent der weltweit noch nicht erschlossenen Vorkommen. Auf Jamal, der Halbinsel in Sibirien, hat Russland schon große Erdgasanlagen aufgebaut. Aber natürlich bedienen sich auch andere Arktis-Staaten an den Vorkommen. Norwegen hat erst diesen Montag bestätigt, dass es Öl und Gas aus der Barentssee holen will. Der EU gefällt das nicht so gut, denn sie will eigentlich neue Bohrungen für klimaschädliche Ressourcen verringern. In den USA klingt der Tenor völlig anders, seit Donald Trump wieder das Sagen hat. Sein Motto: Drill baby, drill!“

Es ist also paradox: Je weiter der Klimawandel fortschreitet, desto besser kommt man an die klimaschädlichen Rohstoffe. Und unabhängig von den geopolitischen Auswirkungen, bedeutet ein kürzerer Seeweg über die Arktis auch nicht unbedingt mehr Klimaschutz. Denn durchs Eis ist der Energieverbrauch höher und die Strecke bleibt vorerst heikel, von einer Verbesserung fürs globale Klima kann also kaum die Rede sein. Die Folgen für das Ökosystem bei einem Schiffsunglück wären fatal.

Das arktische Eis wird auf jeden Fall weniger. Dadurch eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, die China, aber vor allem Russland in die Karten spielen. Peter Schweitzer glaubt aber, dass dieser Machtgewinn in der Arktis nicht für immer sein wird. Er ist überzeugt, dass wenn die Nordostpassage komplett eisfrei befahrbar ist, dass sich dann ganz andere, neue Möglichkeiten auftun. Zum selben Zeitpunkt könnte aber dann schon die sogenannte Transpolarroute Gestalt annehmen. Die geht von Japan, China oder Korea direkt über den Nordpol nach Europa.“ Im Moment sei das zwar noch unmöglich, aber laut den aktuellsten Voraussagen der Klimaforschung könnte das in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts möglich werden. Zumindest für Teile des Jahres. Es gibt diese Periode in der Russland politische Dominanz dort hat, aber sie könnte nicht sehr lange dauern. Denn mit dem Klimawandel wird der arktische Ozean irgendwann zu einer Art Mittelmeer, weil alles Eis geschmolzen ist. Dann gibt es keinen Grund mehr, entlang der Küsten Russlands zu fahren.”

Im Spätsommer sind Teile von Spitzbergen eisfrei. Im Winter ist man auf das Schneemobil angewiesen. (Foto: Andreas Gschwentner)

Noch einmal zurück zu Andreas nach Spitzbergen. Er erlebt die Veränderung der Natur selbst mit – berichtet, dass man die Veränderungen nicht mehr in Jahrzehnten erkennen kann, sondern, dass es von Jahr zu Jahr spürbar stärker wird. Trotzdem versucht er auch im Moment zu leben.

Ich bin sehr dankbar, dass ich das jetzt sehen kann, und kann es sehr genießen. Weil, wer weiß, wie das in zehn Jahren aussieht. Kann man an dem Platz in zehn Jahren überhaupt noch leben? Ist das überhaupt noch möglich, oder ist die Natur dann einfach so stark gegen uns – beziehungsweise ist es dann für uns als Menschen zu schwierig? Noch geht es. Und ich bin einfach dankbar und genieße jeden Tag.”

Die Zukunft der Arktis ist ungewiss, klar ist aber, dass sie sich radikal ändern wird und dass sie schon jetzt Schauplatz der großen Weltpolitik ist. Es gilt, die Augen auf die Arktis zu richten.

Im Audio wurden folgende Quellen zitiert:

Instagram Andreas Gschwentner

JD Vance on Greenland

Trump: Drill baby, drill

Audioproduktion und Mix: Yannik Milz