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29. Juni 2026

Staatssekretär Alexander Pröll will Anthropic in die EU holen. Kann das funktionieren?


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raus aus der Abhängigkeit von den USA hin zu technologischer Souveränität – dafür braucht es wirtschaftspolitische Reformen, sagt Ökonom Jürgen Janger. Vor allem: mehr Zusammenarbeit in der EU.

Das Anthropic-Modell Mythos ist für eine Handvoll Unternehmen wieder freigegeben worden, aber Claude Fable bleibt auf Anordnung der US-Regierung fürs Ausland gesperrt. (Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire)

Die Abhängigkeit von US-Technologie-Unternehmen kann für Europa zum Problem werden. Das ist nichts Neues, wird aber gerade wieder sichtbar: Die US-Regierung hat Anfang des Monats für das Ausland den Zugang zu den neuesten ChatGPT- und Anthropic-Modellen blockiert. Sie fürchtet, dass die Modelle für Cyberangriffe genützt werden könnten. Jüngst hat die Regierung den Zugriff zumindest für eine Auswahl von Unternehmen doch wieder erlaubt. Aktuell entscheidet also Washington, wer die neuesten und mächtigsten KI-Modelle nutzen darf.

Österreichs Staatssekretär für Digitalisierung Alexander Pröll (ÖVP) hat der EU-Kommission deshalb vorgeschlagen, Anthropic „strategisch“ in der EU anzusiedeln, „mit Rechtssicherheit, Marktzugang, Kapital und einer Werteordnung, die zu diesem Unternehmen passt“, schreibt er in seinem Brief an die EU-Kommissarin Henna Virkkunen. Diese ist unter anderem für technische Souveränität zuständig. Pröll findet, dass Anthropic mit seinen Werten zur EU passt. Tatsächlich hat sich das Unternehmen den Ruf erarbeitet, ethischer als seine Konkurrenten zu sein. Aber das Unternehmen wird dafür kritisiert, in Wahrheit nur eine effektive Marketing-Masche zu fahren, hinter der am Ende, wenn es um den Erfolg des Unternehmens geht, nicht viel steckt.

Staatssekretär Pröll erhofft sich jedenfalls, den Standort EU zu stärken und digital souveräner zu machen, indem sich Anthropic in der EU ansiedelt. Wie diese Idee umgesetzt werden kann, ist völlig offen. Also sprechen wir darüber, ob und wie das funktionieren könnte: mit dem Ökonomen Jürgen Janger vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO. Er forscht unter anderem zu Wettbewerbsfähigkeit, Innovationspolitik und Innovationseffizienz.

Europa muss momentan als Schwellenland bezeichnet werden, was technologischen Fortschritt angeht, sagt Ökonom Jürgen Janger: „Das ist möglich, wenn man die richtige Politik macht. Wir sind zwar spät dran, aber es ist nicht zu spät.“ (Foto: Alexander Müller)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Aktuell ist die Europäische Union als Standort für ein Unternehmen wie Anthropic nicht attraktiv. In Europa tun sich erfolgreiche, schnell wachsende Start-ups viel schwieriger, an Kapital zu kommen als in den USA.
  • Dass die USA den Zugang zu den Modellen der führenden KI-Start-ups einschränken, könnte eine Chance für heimische Unternehmen sein, etwa das französische KI-Start-up Mistral. Aber auch dafür bräuchte es Anpassungen und eine entsprechende Strategie. Es könnte in einem ersten Schritt bedeuten, heimische Unternehmen zu fördern und sie temporär vor internationalem Wettbewerb zu schützen, damit sie wachsen können, bevor sie sich auf dem freien Markt behaupten müssen. Es bräuchte jedenfalls mehr Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsstaaten – auf dem Kapitalmarkt, in der Bildung und der Förderung von Talenten sowie in der Forschung.
  • Sollte es dazu kommen, dass Anthropic nach Europa kommt, wäre der erste Schritt wohl ein zweiter Standort. Selbst, wenn das Unternehmen langfristig seinen Hauptsitz in der Europäischen Union haben sollte, würde es jedenfalls einen Standort in den USA behalten, um weiterhin nah dran an der Innovation zu sein, die dort passiert.

Mein Kollege Benjamin hat schon dazu recherchiert, wie europäische Unternehmen unabhängiger von US-Tech-Konzernen werden können und welche Hürden es dabei gibt.

Übrigens hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet, dass der Hantavirus-Ausbruch bald beendet sein dürfte, der im Mai öffentlich geworden ist. Sie hat von Anfang an gesagt, dass wir durch ihn keine neue Pandemie befürchten müssen. Ich habe damals im Mai mit dem Virologen Florian Krammer darüber gesprochen, welche Krankheitserreger dafür am ehesten infrage kämen und wie wir uns auf die nächste Pandemie vorbereiten können.


Ich hoffe, du überstehst diese irre Hitze bisher halbwegs. Pass' auf dich auf und komm' gut durch den Tag!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team