Die Wissenschaft sagt: Die nächste Pandemie kommt bestimmt. Wie bereiten wir uns darauf vor?
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das Risiko, dass neue Pandemien auftreten, steigt. Was sie auslösen wird, ist offen – auch, wenn es heiße Kandidaten gibt. Virologe Florian Krammer forscht dazu und sagt: Wir haben aus der Corona-Pandemie gelernt.

Seit der Corona-Pandemie warten wir gefühlt auf den nächsten großen Krankheitsausbruch. Immer wieder wird über die Vogelgrippe gesprochen, jüngst hat das Kreuzfahrtschiff Hondius die Öffentlichkeit beschäftigt. In der Sekunde gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Andesvirus, das dort ausgebrochen war, zu einem größeren Problem wird. Aber auch die Wissenschaft sagt: Die nächste Pandemie kommt bestimmt.
Wann und wie können wir uns darauf vorbereiten?
Das habe ich Florian Krammer gefragt. Er ist einer der Experten und Expertinnen, die während der Corona-Pandemie sehr viel zu hören und sehen waren. Er forscht einerseits an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York zu Impfstoffen, andererseits ist er wissenschaftlicher Leiter des Ignaz Semmelweis Instituts in Österreich – einer Kooperation der Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck, der Johannes Kepler Universität Linz und der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Durch die Forschung, die dort passiert, sollen wir besser auf künftige Pandemien vorbereitet sein. Krammer ist auch Professor für Infektionsmedizin an der Med Uni Wien und leitet das dort angesiedelte Ludwig Boltzmann Institut für Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge. Dass er sich für Viren interessiert, ist der Tatsache geschuldet, dass er aus der Weststeiermark kommt. Das ist eines jener Gebiete in Österreich, in denen immer wieder Infektionen mit einem Hantavirus-Stamm vorkommen: dem Puumalavirus.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:
- Meist werden Pandemien von Viren ausgelöst, die von Tieren auf Menschen überspringen. Diese dürften in Zukunft häufiger auftreten. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die menschliche Bevölkerung wächst und jeder zusätzliche Mensch ist für ein Virus eine Möglichkeit, überzuspringen. Weil es immer mehr Menschen gibt, wird immer mehr Vieh gezüchtet. Die Schnittstelle zwischen Tier und Mensch wird dadurch größer. Wir Menschen dringen außerdem immer weiter in neue Ökosysteme ein, wodurch noch unbekannte Erreger überspringen können. Durch die Erderwärmung breiten sich außerdem sogenannte Vektoren in neue Gebiete aus – etwa Stechmücken oder Zecken –, die Krankheiten einschleppen oder übertragen. Weil wir heutzutage enorm mobil sind, steigt auch das Risiko, dass Krankheitserreger innerhalb kürzester Zeit von einem Ende der Welt zum anderen getragen werden – bevor die infizierte Person überhaupt weiß, dass sie krank ist. Gleichzeitig hat sich aber auch die Medizin weiterentwickelt.
- Das größte Risiko geht von Erregern aus, die sich via Tröpfcheninfektion verbreiten, weil sie schwer aufzuhalten sind. An sich können immer neue Pathogene auftauchen, die einen größeren Ausbruch auslösen. Aktuell gelten aber als heiße Kandidaten Orthomyxaviren, zu denen die Influenzaviren gehören, Paramyxaviren, zu denen Masern, Mumps und das Nipah-Virus gehören und Coronaviren.
- Durch die Corona-Pandemie ist die Bevölkerung nun besser über Krankheitserreger und Infektionsvorsorge aufgeklärt. Auch in der Wissenschaft ist einiges weitergegangen: Technologie, Medikamententwicklung und Diagnostik haben sich verbessert und durch die Erfahrungen mit der Pandemie beschleunigt. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben außerdem realisiert, dass sie klarer kommunizieren müssen, damit Informationen für Laien und Laiinnen besser verständlich sind und dadurch die Öffentlichkeit besser aufgeklärt werden kann.
Wir haben in der B-Seite schon über das Hantavirus gesprochen. In dem Beitrag erfährst du, was das für ein Virus ist, welcher Stamm auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius ausgebrochen ist und warum du dich nicht vor dem Puumalavirus fürchten musst, das in Österreich vorkommt.
Impfungen und Pandemien sind ein emotionales Thema. Deshalb explizit die Bitte: Diskutieren wir auch dieses respektvoll und konstruktiv.
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Pia Miller-Aichholz