Eingeschränkter Schiffsverkehr und abgeschaltete Kraftwerke: Wie teuer ist es, auf Klimaschutz zu verzichten?
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seit Jahrzehnten gibt es Berechnungen dazu, was es kostet, nicht in Klimaschutz und -anpassung zu investieren. Die Schwankungsbreite ist groß, aber die Kernaussage eindeutig.

Die aktuelle Situation zeigt und lässt spüren, was für dramatische Auswirkungen der menschengemachte Klimawandel hat. Über Waldbrände haben wir schon viel gesprochen, über die Trockenheit und niedrige Wasserpegel auch. Aber gerade erreicht das Problem eine neue Dimension: Auf der Donau und auch auf dem Rhein muss der Verkehr mit schweren Schiffen eingeschränkt werden. Frachtschiffe können nicht mehr voll beladen werden oder fahren teils gar nicht mehr. Ausflugs- und Kreuzfahrtschiffe können auch nicht mehr wie nach Plan unterwegs sein. In Ungarn ist jetzt Stromsparen angesagt, weil das Atomkraftwerk Paks abgeschaltet werden musste. Normalerweise liefert es die Hälfte des Stroms, der im gesamten Land verbraucht wird. Aber durch den niedrigen Donau-Pegel liegen die Pumpen, die das Kühlwasser aus dem Fluss ansaugen sollen, über dem Wasserspiegel. Dasselbe Problem hat dazu geführt, dass das AKW Cernavodă in Rumänien mittlerweile komplett abgeschaltet worden ist.
Eines der beliebtesten Argumente gegen Klimaschutzmaßnahmen ist, dass sie zu teuer oder schlecht für die Wettbewerbsfähigkeit und Entwicklung sind, wie eine Studie der britischen Universität Leeds 2020 festgestellt hat.
Aber was kostet es uns, wenn wir nicht gegen den Klimawandel und seine Auswirkungen ansteuern? Dafür gibt es einen Namen und Berechnungen: die Costs of Inaction, also die Kosten der Untätigkeit.
Was kann man sich darunter vorstellen und wie lässt sich das überhaupt berechnen?
Darüber spreche ich mit der Umweltökonomin Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie ist Gründerin und Leiterin des Instituts für ökologische Ökonomie an der WU. Sie ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat dadurch früh mitbekommen, wie Natur und Wirtschaft miteinander verbunden sind. In Verbindung mit ihrem Interesse für Entwicklungsökonomie, die sich mit den Ursachen von Armut und Ungleichheit beziehungsweise wirtschaftlichem Fortschritt auseinandersetzt, hat sie das zur Umweltökonomie gebracht.

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:
- Nicht gegen den Klimawandel anzukämpfen, kostet drei- bis fünfmal so viel, wie in Klimaschutz und -anpassungsmaßnahmen zu investieren. Die Schwankungsbreite ist groß, weil es um komplexe Zusammenhänge geht. Je mehr Zusammenhänge in einem Bereich zu beachten sind, desto schwerer wird es, eine genaue Aussage zu treffen. „Es ist keine sehr präzise Wissenschaft“, sagt Sigrid Stagl. Aber ökonomisch unstrittig ist, dass die Kosten der Untätigkeit höher sind.
- Um die Costs of Inaction möglichst akkurat zu berechnen, werden verschiedene makroökonomische Modelle kombiniert und eine Triangulation gemacht. Das bedeutet, dass man sich den Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln nähert, damit die Ergebnisse am Ende verlässlicher sind.
- Beispiele für Costs of Inaction sind etwa die Auswirkungen der Dürre auf die Energieeffizienz, wenn Kraftwerke abgeschaltet werden müssen. Vegetationsbrände beschädigen Ökosysteme und vernichten Eigentum. Wenn die Temperatur in der Schule stark ansteigt, leidet die Bildung junger Menschen, was sich wiederum langfristig auf den Innovations- und Wirtschaftsstandort auswirkt. Ganz abgesehen von den Menschenleben, die Hitzewellen kosten.
- „Die Auswirkungen des Klimawandels sind in der Richtung seit 50 Jahren naturwissenschaftlich gut verstanden“, sagt Frau Stagl. In den vergangenen Jahrzehnten wurden immer wieder verschiedene Szenarien berechnet – optimistischere und pessimistischere. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die pessimistischen Szenarien eingetreten sind oder die Geschehnisse diese sogar noch übertroffen haben.
- Manche Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels können wir nicht umkehren. Aber am Beispiel des Ozonlochs hat sich gezeigt, dass wir global mit gemeinsamen Anstrengungen echte Kehrtwenden schaffen können.
Die Studie, die Frau Stagl im Interview angesprochen hat, stammte aus Deutschland, wurde im April 2024 in der renommierten Wissenschafts-Fachzeitschrift Nature veröffentlicht und im Dezember 2025 zurückgezogen. Andere Forschende haben aufgezeigt, dass sie methodische und statistische Mängel hatte. Die Studie war unter anderem auf dreimal so große Klimawandel-Auswirkungen auf das Bruttoweltprodukt gekommen als bisherige Erhebungen.
Über die Trockenheit freue ich mich natürlich nicht, aber als Geschichte-Nerd finde ich zumindest einen Nebeneffekt davon spannend: Durch die niedrigen Wasserpegel tauchen historische Fundstücke) auf – Mammutknochen etwa oder Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg. Aber Achtung: Es kann auch sein, dass Sprengsätze aus dem Zweiten Weltkrieg dabei sind. Das ist vor Kurzem am Nussensee im Salzkammergut so passiert – aber, ohne dass jemand zu Schaden gekommen ist.