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6. Juli 2026

Trump(f) gegen die Rote Karte: US-Stürmer Balogun darf doch spielen. Das Ende vom fairen Wettkampf?


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Rote Karten bedeuten Sperren, hat die Fifa gesagt. Die Rote Karte gegen Folarin Balogun pickt, hat die Fifa gesagt. Und dann soll US-Präsident Donald Trump persönlich angerufen haben.

Fifa-Präsident Gianni Infantino wird schon länger für seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump kritisiert. Die NGO Fairsquare wirft Infantino Verstöße gegen die politische Neutralität vor und hat im Juni eine Sammelbeschwerde gegen ihn gestartet. (Foto: APA-Images / REUTERS / Kevin Lamarque)

Fußball ist politisch. Das ist keine Frage. Der Weltfußballverband Fifa ist außerdem immer wieder mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert und wird für seine Politik kritisiert. Aber bei der aktuellen Fußball-WM, die in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet, ist jetzt eine Entscheidung gefallen, die für besondere Aufregung sorgt.

Einer der stärksten Spieler der USA, der Stürmer Folarin Balogun, hat im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina eine Rote Karte bekommen. Er ist einem Spieler auf den Knöchel getreten. Es war keine Absicht, aber der Schiedsrichter hat das trotzdem als schweres Foul gewertet. Diese Entscheidung wurde durchaus kritisiert. Aber die Fifa hat ursprünglich selbst gesagt: Die Entscheidung pickt und ist nicht anfechtbar. Folarin Balogun wäre dadurch für das Achtelfinalspiel gegen Belgien kommende Nacht gesperrt gewesen.

Aber jetzt ist seine Sperre für ein Jahr auf Bewährung aufgehoben. Medienberichten zufolge soll US-Präsident Donald Trump höchstpersönlich bei Fifa-Präsident Gianni Infantino angerufen und ihn aufgefordert haben, die Sperre zu überprüfen. Wie die beiden zueinander stehen, war spätestens im Dezember sichtbar: Infantino hat Trump damals den neu erfundenen Fifa-Friedenspreis überreicht, was als Anbiederung kritisiert wurde.

Die Fifa hat die Berichte noch nicht kommentiert. US-Präsident Donald Trump hat sie nach Redaktionsschluss bestätigt. Zuvor hatte Trump auf seinem sozialen Medium Truth Social der Fifa zu ihrer „guten Entscheidung“ gratuliert. Der belgische Fußballverband hat mittlerweile formell gegen die Entscheidung berufen.

Bei allen Skandalen rund um die Fifa war bisher der Eindruck: Im Wettkampf kann man sich auf die Regeln verlassen. Ist diese Zeit zu Ende?

Das bespreche ich mit Sportjournalistin Nicole Selmer, Co-Chefredakteurin des österreichischen Fußball-Magazins ballesterer.

„Wenn ein Präsident eines Landes sagen kann, das ist blöd für unser Team, macht das mal bitte anders und die FIFA macht das, dann verliert der Sport seine Glaubwürdigkeit“, sagt Sportjournalistin Nicole Selmer. (Foto: ballesterer/Inka Marter)

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:

  • Die Fifa bezieht sich auf Artikel 27 ihrer Disziplinarordnung. Der erlaubt den Rechtssprechungsorganen der Organisation, Disziplinarstrafen ganz oder teilweise auszusetzen. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft hatte die Fifa allerdings selbst explizit darauf hingewiesen, dass Rote Karten zu einer Sperre führen. Darauf bezieht sich jetzt der belgische Fußballverband.
  • Gianni Infantino hat sich zwar schon früher als Freund von Donald Trump gegeben, aber das hat bisher die Umstände des Turniers betroffen. Wenn tatsächlich der Wettbewerb selbst betroffen ist, ist das eine ganz andere Ebene. Ob sich nach dieser Episode nachhaltig etwas ändert, hängt davon ab, wie die Verbände sich verhalten – ob sie „mutig sind und eine rote Linie ziehen“ oder ob sie gute Miene zum bösen Spiel machen, weil Infantino ihnen viel Geld verspricht.
  • Die Fifa riskiert, das Spiel zu zerstören – und damit das Produkt, das sie verkauft.

Ich habe noch Neuigkeiten zu einer früheren B-Seite für dich: Du erinnerst dich vielleicht noch: Im Dezember ist bei einem Gefangenentransport aus der Justizanstalt Hirtenberg ein Mann umgekommen – mutmaßlich, weil er von Justizwachebeamten misshandelt worden ist. Es gilt die Unschuldsvermutung. Auf öffentlichen Druck hin hat SPÖ-Justizministerin Anna Sporrer dann eine Untersuchungskommission eingesetzt, die heute ihre Erkenntnisse präsentiert hat: Es gibt demnach systemische Mängel im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Personen im Strafvollzug. Und das ist nichts Neues. Schon früher gab es offenbar Empfehlungen der internen Revision und der Volksanwaltschaft. Wären die umgesetzt worden, wäre der Tod von Michael, dem Häftling, mit erheblicher Wahrscheinlichkeit verhindert worden, ist die Einschätzung der Kommission. Sie hat jetzt 78 Empfehlungen abgegeben, um die Mängel zu beheben. Ich habe im Jänner mit dem Psychiater Thomas Stompe darüber gesprochen, inwiefern Exekutiv-Beamte für den Umgang mit Personen in psychischen Ausnahmezuständen oder mit psychischen Krankheiten geschult sind.


Ich hoffe, du bist gut in die Woche gestartet!

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Pia Miller-Aichholz

B-Seite-Team