Proteste, Petitionen, Boykottdrohungen: Bröckelt die Macht von Fifa-Boss Gianni Infantino?
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Fifa-Präsident Gianni Infantino wurde massiv für seinen Investorenplan kritisiert. Er hat ihn war zurückgezogen, aber der Druck auf Infantino steigt weiter.

Rund um Fifa-Präsident Gianni Infantino gab es schon so manchen Skandal. Da wären fragwürdige Deals mit Geldern für Übertragungsrechte zu seiner Zeit beim Europäischen Fußballverband (Uefa). Vor einem Achtelfinalspiel bei der vergangenen Fußball-WM in Nordamerika hat US-Präsident Donald Trump bei Gianni Infantino angerufen, woraufhin eine rote Karte für einen US-Teamspieler aufgehoben wurde. Nicht zu vergessen, die Vergabe der WM 2034 nach Saudi-Arabien, die vor allem wegen der Menschenrechtslage im Land kritisiert wird. Aber für nichts davon wurde er so stark kritisiert wie für eine Idee, die er Ende Juli öffentlich gemacht hat. Er wollte einen Teil der WM an externe, private Investoren verkaufen – unter anderem aus dem direkten Umfeld von US-Präsident Trump.
Diese Idee kam weder bei Fans noch bei allen Kontinentalverbänden gut an. Fans haben sogar eine Petition gegen Infantino gestartet. Sie fordern, dass er als Fifa-Präsident zurücktritt und die Organisation reformiert wird. Die Petition wird von den Fanorganisationen aller Kontinentalverbände unterstützt. Die Fußballverbände aus Europa, Asien, Nord- und Mittelamerika entzogen Infantino das Vertrauen. Sie machen einen Großteil der Stimmen aus, die er für eine Wiederwahl im März benötigen würde.
Gegen den Investorenplan kam auch aus der Fifa-Zentrale offener Widerstand - von Kevin Lamour, formal die Nummer drei bei der Fifa. Er hat sich in einem Statement von den Plänen distanziert und geschrieben, dass Infantino alle getäuscht habe und das Ganze das „Projekt einer Person“ sei. Am Montag wurde Lamour allerdings entlassen.
Um die Person Gianni Infantino hat sich in den vergangenen Wochen einiges zusammengebraut. Darüber, ob ihm das wirklich gefährlich werden und wie eine Fifa nach dem potenziellen Ende der Ära Infantino aussehen könnte, spreche ich mit Johannes Aumüller. Er ist Sportjournalist bei der Süddeutschen Zeitung und beschäftigt sich intensiv mit den Machtstrukturen im Weltfußball.

Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch:
Der Europäische Fußballverband (Uefa) und der Weltfußballverband Fifa haben eine konfliktbehaftete Geschichte. Zuletzt hat sie eine neue Eskalationsstufe erreicht: Die Uefa hat der Fifa gedroht, die kommende WM zu boykottieren sollten Gianni Infantinos Investorenpläne nicht verbindlich vom Tisch genommen werden. Es wäre möglich, dass die Uefa die Drohung so lange aufrechterhält, bis Gianni Infantino nicht mehr im Amt ist. Denn ohne die Nationen aus Europa wäre eine WM – das wichtigste Turnier im Weltfußball - fast undenkbar.
Einen klaren Gegenkandidaten für Gianni Infantino gibt es bisher nicht. Mögliche Anwärter wären die Chefs der Kontinentalverbände, die sich gegen Infantino gestellt haben. Aber auch sie waren in ihrer Karriere schon in einige Skandale verwickelt.
Ursprünglich war der Fifa-Präsidenten als Repräsentant nach außen gedacht, mit wenigen Aufgaben im operativen Geschäft. Infantino hat sich damit aber nicht begnügt und seine Macht immer weiter ausgebaut. Damit diese Machtkonzentration in Zukunft nicht mehr möglich ist, bräuchte es größere Reformen. Es gibt etwa die Idee, die Position des Fifa-Präsidenten in seiner jetzigen Form abzuschaffen. Stattdessen könnte der Vorsitz zwischen den sechs Präsidenten der Kontinentalverbände Jahr für Jahr rotieren.
Es könnte rechtliche Konsequenzen für Gianni Infantino geben. Es steht die Frage im Raum, ob er bei der Ausarbeitung des Investorenplans interne Gremien der Fifa übergangen hat. Die Anwälte der Uefa arbeiten derzeit dazu und haben schon einen Brief an alle Beteiligten geschrieben.
Aber auch in den USA gibt es juristische Fragen zu klären: die intransparente Vergabe des Fifa-Friedenspreises an Donald Trump oder die zurückgenommene rote Karte beim WM-Achtelfinale für einen US-Teamspieler. Infantino muss sich dazu gegebenenfalls sogar vor dem US-Justizausschuss verantworten.
Danke fürs Zuhören! Ich freue mich auf spannende Diskussionen.
Einen schönen Nachmittag wünscht dir
Johann Posch