B-Seite

24. Juni 2026

Willkommen in der zweiten Hitzewelle des Jahres. Sie ist gefährlicher als viele denken


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Wetterextreme vergrößern gesundheitliche und gesellschaftliche Herausforderungen. Sie zeigen: Der menschengemachte Klimawandel war nie ein rein ökologisches Problem.

Manche Menschen sind in ihrem Beruf der Hitze besonders ausgesetzt, etwa auf Baustellen. (Foto: APA-Images / AFP / OSCAR DEL POZO)

Europa erlebt gerade die bereits zweite Hitzewelle dieses Jahres – nach der ersten im Mai, durch die der Monat der weltweit zweitwärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnung wurde. Auf der ganzen Welt wird es heißer, aber Österreich erwärmt sich doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt – um bereits drei Grad Celsius im Jahresdurchschnitt gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter.

Das hat nicht nur auf unsere Umwelt katastrophale Auswirkungen, sondern auch auf unseren Körper und die Psyche. Mir ist zwar schon lange bewusst, dass wir nicht alle gleich von der Hitze gefährdet sind, doch nach diesem Gespräch ist mir klar: Es sind doch viel mehr Personen stark betroffen als man denken könnte. Vielleicht bist du eine von ihnen.

Ich habe mit Umweltmediziner Hans-Peter Hutter über die gesundheitlichen und sozialen Fragen rund um dieses Thema gesprochen. Er leitet an der Med Uni Wien die Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin. Das Gespräch habe ich schon während der ersten Hitzewelle im Mai für meine Recherche zu Hitzebelastung in Wohnräumen geführt. Aus Zeitgründen hat es das Interview damals leider nicht mehr in den Text geschafft. Da ich aber viele spannende Erkenntnisse daraus gezogen habe, möchte ich euch das Ganze natürlich nicht vorenthalten.

„Man kann auch definitiv sagen, dass Klimawandelfolgen wie eine Lupe wirken und gewisse soziale Schwächen unserer Gesellschaft vergrößern“, sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter. (Foto: Klaus Pichler)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:

  • Anhaltende Hitze belastet jeden Körper, aber es gibt eine Reihe von Faktoren, die beeinflussen, wie stark jemand belastet ist, etwa Alter, psychischer und physischer Gesundheitszustand sowie Wohn- und Arbeitssituation. Die Auswirkungen dieses sogenannten Hitzestresses zeigen sich langfristig in Folgeerkrankungen und -komplikationen und auch in den Todeszahlen. Denn während einer Hitzewelle sterben überdurchschnittlich viele Menschen.
  • Der menschengemachte Klimawandel ist also nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein gesundheitliches und stark soziales Problem. Innerhalb einer Stadt zeigt sich das einerseits an den Wohnkosten: Wer in den grüneren Teilen der Stadt leben will, in denen es in der Nacht stärker abkühlt, muss sich das leisten können. Aber auch soziale Vernetzung spielt eine Rolle. Wer isoliert lebt, hat keine Person, die unterstützen kann, wenn es in der Hitze etwa schwierig wird, einkaufen zu gehen oder die Jalousien herunterzulassen.
  • Politisch wird zwar etwas getan, aber zu spät, sagt Herr Hutter – und es könnte immer mehr sein. Dass Hitzewellen ein Thema werden, ist schon in den 1980er-Jahren diskutiert worden. Aber erst, als das spürbar wurde, hat die Herausforderung mehr Aufmerksamkeit bekommen. Dabei spielt auch die Bevölkerung eine wichtige Rolle: Wenn die Politik merkt, dass Maßnahmen mitgetragen und sogar eingefordert werden, bewegt sich eher etwas.

30 Grad im Sommer werden wir in zehn Jahren wahrscheinlich noch als kühl empfinden. Das klingt dramatisch, ist aber die Realität, mit dieser müssen wir uns abfinden müssen. Deswegen haben wir bei JETZT diesem Thema bereits mehrere Beiträge gewidmet – beispielsweise darüber, wie schlecht Schulen gegen Hitzewellen gerüstet sind oder, dass für effektive Klimaschutzmaßnahmen der politische Mut fehlt. In einer kommenden Reportage werde ich mich übrigens der Abkühlung des öffentlichen Raums widmen und ein Kühlungszentrum besuchen. Auf genau diese Orte sind momentan nämlich viele Menschen angewiesen.


Bei mir in der Wohnung hat es momentan 35 Grad. Ich fliehe in den Garten vom Funkhaus.

Einen schönen Nachmittag wünscht dir

Celeste-Sarah Ilkanaev

B-Seite-Team